Lafette

Lafette

Lafette (v. franz. l’affût), dient zur Bewegung und Handhabung des Geschützes. Im Allgemeinen gibt es Kanonen-, Haubitz- und Mortier-Lafetten; letztere heißen Klötze; nach ihrem Gebrauch gibt es Feld-, Belagerungs- und Festungs-Lafetten. Die beiden ersteren sind in ihrer Einrichtung ziemlich gleich, und hier muss Festigkeit und möglichste Leichtigkeit mit einander verbunden werden; die Festungslafetten zerfallen wieder in Wall- auch hohe und niedere Rahmlafetten; letztere heißen auch Kasemattlafetten.

1) Die Feld- und Belagerungslafetten der Kanonen und Haubitzen.

Beim aufgeprotzten Geschütz ist die Seite nach dem Sattelpferd zu die Sattelseite, die gegenüber stehende die Handseite; ist das Geschütz abgeprotzt, so ist erstere die rechte, letztere die linke Seite.

Das Holz der Lafette besteht aus zweien auf der hohen Kante stehenden Bohlen, Wände genannt, welche von 3 bis 4 Riegeln auseinander gehalten werden. Besser als das Eichenholz, weil dieses zu schwer ist, wird gewöhnlich das Rüsternholz (Ulme) dazu gebraucht. Der Länge nach wird die Lafette eingeteilt in das Bruststück, Mittelstück und den Schwanz; der Anfang des Mittelstücks heißt erster, und das Ende zweiter Bruch; die andere Seite des Bruststücks heißt Stirn. Das Schildzapfenlager wird von der vorderen Kante der Wand etwa 8 bis 10 Zoll hineingesetzt, und aus dem Mittel desselben die Länge des Geschützes, vom Mittel der Schildzapfen bis an die Bodenfriese, abgesetzt; ein mit diesem Halbmesser beschriebener Bogen heißt die Spielung.

Von den Riegeln heißt der vorderste der Stirnriegel, der nächste der Ruhriegel, der weiter folgende der Stellriegel, oder auch jetzt der Mittelriegel; der hinterste heißt der Schwanzriegel. Alle diese Riegel werden mit Zapfen und Federn in die Wände eingelassen. Das Schildzapfenlager in den Lafettenwände dient dazu, das Geschütz selbst zu tragen; oft findet man weiter rückwärts noch ein zweites, welches das Marschlager heißt, worin die Geschütze während des Transports gelegt werden.

Die Lafette liegt vorn, etwas weiter rückwärts dem Schildzapfenlager, auf einer hölzernen oder eisernen Achse, und diese auf zwei Rädern. Um die Wände zusammen zu halten, dienten 6 Querbolzen, wozu in ersteren die Bolzenlöcher gebohrt sind; die Löcher für die Zapfen der Riegel heißen Zapfenlöcher, die für die Federn Nuten. In der Mitte der Breite des Schwanzriegels ist das Protzloch, das von unten und oben nach der Mitte hin trichterförmig zugeht, und durch welches die Lafette über den Protznagel des Protzkastens gehängt wird. Zu den Achsen nimmt man das eichene Holz am liebsten; sie bestehen aus der viereckigen Mittelachsen, und zwei Achsschenkeln. Bei den Feldgeschützen sind jedoch die eisernen Achsen, ihrer Haltbarkeit wegen, und weil sie weniger Schmier gebrauchen, eingeführt.

Die Räder bestehen aus der Nabe, sechs Felgen und zwölf Speichen, wenn sie von mittlerer Höhe, 4 Fuß 8 Zoll, sind. Die Nabe wird aus Eichen oder Rüsternholz verfertigt; der mittlere Teil, wo die Speichen eingelassen werden, heißt der Haufen, der Teil welcher der Mittelachse zugekehrt ist, der Groß, der vordere die Röhre; die Speichen werden aus Eichenholz gemacht, und stehen nicht senkrecht im Haufen, sondern hängen nach der Röhre zu über, d. h. sie haben Stürzung; wenn sie da, wo die Felgen zusammenstoßen, etwas dichter, als in deren Mitte zusammenstehen, so heißt dies die Paarung der Speichen. Die kreisförmige Verbindung der Speichen in ihren Enden, vermittelst der Felgen, heißt der Kranz des Rades; zu den Felgen benutzt man Rotbuchen-, Eichen- oder Rüsternholz. Da wo zwei Felgen zusammenstoßen, werden sie zusammen verdübelt, d. h. man bohrt an jedem Ende der Felgen in der Mitte ihres Querschnitts ein Loch, und schlägt einen hölzernen Nagel, Dübel genannt, dergestalt hinein, dass je 2 und 2 Felgen durch einen Dübel zusammen gehalten werden. Das Geleis ist bei der preußischen Artillerie 4 Fuß 10½ Zoll breit.

Die verschiedenen Eisenteile an den Lafetten heißen der Beschlag; davon dient:

a) Zur Dauer: die Lafettenbleche, nämlich die mittleren auf der hohen Kante des Mittelstücks unten und oben, und das Schwanzblech; die Seitenbänder, wovon sich an jeder Wand eine auf dem Bruchstück, und zwei im Mittelstück befinden; die Scheiben unter den Köpfen und Schraubenmuttern der Bolzen, welche nicht durch andere Beschläge gehen; das Streichblech an jeder Wand der unteren Kante der Lafette, wo die Räder der Protze beim Umwenden sie berühren; die obere und untere Protzscheibe, und das Schwanzriegelblech; zwei Pfannen und zwei runde Kopfbolzen, auf jeder Wand, welche durch die Höhe derselben gehen, zum Festhalten der Pfannendeckel.

b) Zur Verbindung des Rohrs und der Achse mit der Lafette dienen: Die Schildzapfen, Unterpfannen und Pfannendeckel; letztere greifen mit einem vorstehenden Teil, dem Bart, vorn in das Zapfenloch der Unterpfannen ein; der Pfanndeckel ist mit einer kleinen Kette an der Lafettenwand außerhalb befestigt; die Achspfannen.

c) Zur Zusammenhaltung der Wände: Sechs Querbolzen welche unter sich auf jeder Seite mit den Köpfen der Schraubenmuttern abwechseln. Der erste geht durch den Stirnriegel, der zweite durch den Ruhriegel, der dritte und vierte durch den Mittelriegel, der fünfte durch die Mitte des zweiten Bruchs, der sechste hinter dem Protzloch durch den Schwanzriegel.

d) Zur Befestigung der Richtmaschine sind: zwei eiserne Pfannen, an der inneren Seite der Wände, für die Richtwelle; zwei Außenblätter außerhalb der Wände, als Unterlagen der Schrauben für die vorgedachten Pfannen; der Sohlbolzen, zur Befestigung der Richtsohle, nahe hinter und etwas niedriger als der Stirnriegel; eine kleine Kette, zum Festhalten der Richtschraubenmutter auf dem Marsch, befindet sich an der inneren Seite der linken Wand.

e) Zur Befestigung des Ladezeug und Geschützzubehösr: an jeder Wand eine Gabel für einen Wischer; an der rechten Wand ein Haken für die Wischerstange und die Handspeiche; an der linken Wand eine Kramme, mit einem Riemen, zur Befestigung der Wischerstange, so wie ein Haken zum Überhängen der Kappe des Hebebaums; zwei Bankeisen, an der unteren Kante der Wand, auf welche der Lafettenkasten gesetzt wird; ein Grenzeisen, um den Lafettenkasten noch mehr zu befestigen.

f) Zur Bewegung und zum Transport der Geschütze: an jeder Seite der Brust ein Brusthaken; ein Haken mit einer Schake am Stirnriegel; am Schwanz auf jeder Seite ein Schlepphaken; der Protzring, mit seinem beweglichen Klobenbolzen; zwei Ringe auf dem Schwanzriegel, rechts vom Protzloch, zum Durchstecken der Handspeiche oder des Hebebaums beim Richten; bei 12- und 10pfündigen Lafetten noch außerdem 2 links dem Protzloch für den zweiten Hebebaum; bei denselben noch die Hemmkette nebst dem eisernen Hemmschuh an der rechten Seite, und an der unteren Kante der Wand außerhalb ein Haken, an den die Hemmkette während des Marsches angehängt wird.

g) Beschlag der Achsen und Räder: Bei hölzernen Achsen das Achseisen, zur Verstärkung der Schenkel; an jedem Ende der Mittelachse ein Achsband und ein Großeisen, hinter demselben das Lünsenloch durch den Achsschenkel und das Achseisen. Bei der eisernen Achse fünf Achsbänder, welche sie an beiden Enden und in der Mitte in dem hölzernen Achsfutter festhalten; unter jedem Achsband eine Zwinge, durch welche die Schrauben des Achsbandes gesteckt werden; auf jeder Seite ein, den vorigen ähnliches Band, auf welchem oben ein Ring zur Aufnahme der Handspeiche, und des Hebebaumes angebracht ist; an den äußeren Achsbändern die Kotbleche; auf dem Achsschenkel vorn und hinten zwei Achsscheiden, um die Reibung der Nabe am Stoß und an der Lünse zu vermindern; die Lünse hat einen gewöhnlichen Kopf, und unten ein Loch, durch welches ein Riemen gezogen wird. Ehemals brachte man auch auf der Lünse ein Kotblech an, und nannte sie dann Doppellünse; bei den 10- und 12pfündigen Achsen ist auf der rechten Seite noch ein Haken am Achsfutter zum Aufhängen des Hemmschuhs. – Zum Zusammenhalten der Nabe gehören vier Ringe, nämlich zwei Speichenringe, der Röhrring und der Stoßring; bei der hölzernen Achse hat die Röhre der Nabe an jeder Seite eine eiserne Buchse; bei den eisernen Achsen hat man metallene Buchsen, welche mitten durch die Röhre der Nabe gehen; der mittlere Teil der inneren Höhlung der Buchse heißt die Kammer; äußerlich hat die Buchse hinten zwei vorstehende Stücken Metall, Nasen, damit sie sich in der Nabe nicht umdrehen kann; um ihr Herausdrängen nach hinten zu vermeiden, werden vor diese Nasen die Buchskrammen in die Nase geschlagen. Den Kranz des Rades umgeben sechs Schienen, jede mit zehn Nägeln aufgenagelt, so dass die Mitte der Schienen über die Fugen zweier aneinanderliegender Felgen zu liegen kommt. Quer durch die Mitte jeder Felge geht ein Nietnagel, um das Aufspalten derselben zu verhindern.

2) Die Festungslafetten

a) Die gewöhnlichen Walllafetten sind den Feld- und Belagerungslafetten ähnlich, nur sind die Wände kürzer und die Räder niedriger; sie sind nicht so stark gebaut, und der Beschlag für das Anhängen des Ladezeugs, und für die Dauer auf dem Marsch etc. fällt weg.

b) die hohen Rahmlafetten, auch Gribeauvalsche Lafetten, nach ihrem Erfinder, dem französischen Artillerie-General Gribeauval. Sie bestehen aus drei Hauptteilen, der Lafette selbst, dem Rahmen und der Unterlage. Die Lafettenwände werden gewöhnlich aus drei übereinander gesetzten, gut verzahnten und verdübelten Bohlen zusammengesetzt; die ganze Lafette ist bei den 12pfündigen ungefähr 7½ Fuß lang; einen halben bis 2 Fuß hinter den Schildzapfen nimmt die Breite der Wände gewöhnlich stufenförmig ab, wegen des Unterstecken des Baums beim Richten. Der Rahmen besteht aus zwei 12 Fuß langen, 8 bis 9 Zoll hohen und 6 bis 7 Zoll dicken Balken, Laufschwellen, welche an jedem Ende durch ein Querstück, Kopfstück, und außerdem noch durch drei Riegel verbunden sind; sie stehen gleichlaufend, und so weit von einander, als es das Geleis erfordert. Auf der oberen Seite, von außen nach innen, wird jede Laufschwelle ausgefalzt, so dass hier noch 2½ bis 3 Zoll dickes Holz stehen bleibt; dies heißt die Backe der Laufschwelle. Die Lafette wird nun dergestalt auf den Rahmen gestellt, dass die Geschützräder in die Falzen der Laufschwellen zu stehen kommen; außer diesen ist noch ein drittes kleines Rollrad unter dem Schwanz der Lafette angebracht, welches auf dem Rahmen ebenfalls in einer hölzernen Rinne steht, die zwischen beiden Laufschwellen in der Mitte, parallel mit denselben, angebracht ist. Dieser Rahmen nun steht auf drei Unterlagen oder Rippen, welche im Wallgang, gleichlaufend mit der Brustwehr so eingelassen und befestigt werden, dass die vordere 5 Zoll tiefer liegt als die hinterste. – Diese Art Lafetten hat den Vorteil, dass man ihrer Höhe wegen nicht so tiefe Schießscharten braucht, und dass die einmal gefundene Richtung nicht durch das Schießen verändert wird, und daher auch des Nachts beibehalten werden kann; ferner hat dabei die Bedienung mehr Sicherheit, man braucht weniger Leute, kann sich selbst der ungeübteren dabei bedienen, und rascher schießen; dagegen kosten sie mehr als die gewöhnlichen, bieten den feindlichen Schleuderschüssen mehr Fläche dar, und sind schwerer zu transportieren.

c) Die niederen Rahm- oder Kasemattlafetten; sie haben mit der Schiffslafette gleiche Einrichtung, sind nur gerade so lang, als eben nötig ist, den Richtkeilen eine feste Lage zwischen den Seitenwänden zu verschaffen, und stehen auf vier Blockrädern, (die aus einer vollen Scheibe bestehen). Sie stehen beim Gebrauch ebenfalls auf einem Rahmen, wie die hohen Rahmlafetten, sind aber nur so niedrig, dass das Rohr ungefähr 3 bis 3½ Fuß von der Sohle der Kasematte erhaben ist; sie werden jedoch auch auf den Wällen bei den gewöhnlichen Schießscharten gebraucht.

Von dem Gestell der Mortiere s. Klotz; ferner s. Gebirgsartillerie, Schiffslafette, u. s. w.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Lafette (v. franz. l’affût), Gerüst, in dem das Geschützrohr beim Schießen (meist auch beim Transport) liegt. Man unterscheidet je nach der mit dem Zweck wechselnden Bauart Räderlafetten und solche mit festem Standort. Im allgemeinen bestehen die Räderlafetten aus zwei parallelen oder nach hinten sich nähernden Wänden, die durch Riegel (Querverbindungen) zu einem Ganzen verbunden werden. Zuerst aus Holz gebaut, wurde später vielfach der ganze Lafettenkörper durch entsprechendes Pressverfahren aus einem Blech hergestellt (Trogform). Auf der oberen Kante der Wände befinden sich die Schildzapfenpfannenlager zur Aufnahme des Geschützrohrs; die Höhe ihrer Achse über dem Boden ist die Lager- oder Feuerhöhe, mit der auch die Kniehöhe (der senkrechte Abstand der Feuerlinie, bzw. Schartensohle vom Geschützstand) wächst. Unter dem Rohr sitzt zwischen den Wänden die Richtmaschine zum Nehmen der Höhenrichtung. Das hintere Ende der Räderlafette, der Lafettenschwanz, endet entweder in eine Protzöse, oder der Schwanzriegel hat ein Protzloch zur Verbindung der Lafette mit der Protze. Die Linie vom Auflagepunkt des Lafettenschwanzes durch die Schildzapfenachse bildet mit der Horizontalen den Lafettenwinkel, mit dessen Größe der zerstörende Einfluss des Rückstoßes auf die Lafette wächst, der Rücklauf aber abnimmt.

Zum Fahrbarmachen wird die Räderlafette aufgeprotzt, d. h. die Lafette wird mit der Protze zu einem lenkbaren Fahrzeug verbunden. Die Protze dient zur Aufnahme von Munition und Geschützzubehör sowie zum Transport von Mannschaften.

1) Die Feldlafetten sollen vom Standpunkt leichter Fahr- und Lenkbarkeit, die vornehmlich von einem möglichst geringen Gesamtgewicht des Geschützes abhängt, tunlichst leicht und kurz sein. Doch verbieten der Rücklauf und Hochsprung, die im umgekehrten Verhältnis zu dem Gewicht und der Länge der Lafette stehen, die zu große Beschränkung dieser Größen. Auch erfordern die Beanspruchungen beim Schießen eine gewisse Schwere und Länge der Konstruktion. Um eine lange Lafette beim Schuss und eine kurze beim Fahren zu haben, hat Ehrhardt einen ineinander verschiebbaren Lafettenkörper konstruiert, der ein Kürzen der Lafette beim Fahren gestattet.

Das Schnellfeuer kann nur dann Wert haben, wenn die Lafette während des Feuerns feststeht, sodass vor jedem neuen Schuss ein erneutes Richten nicht nötig ist. Man bestrebte sich daher, den Rücklauf aller Feldlafetten bei Neukonstruktionen zu beschränken und dann ganz zu vermeiden. Man benutzte zunächst die für das Fahren vorgesehene Radumfangbremse zugleich als Schussbremse. Lemoine verwandte als Fahr- und Schussbremse die sogen. Seilbremse. Er wickelte um Seiltrommeln, die dicht an den Radnaben liegen, Seile, deren eines Ende mit den Bremsbacken verbunden ist, während das andere mittels einer Spannschiene durch eine entsprechende Hebelbewegung angezogen werden kann, wodurch beim sich Drehen der Räder die Bremsklötze sich fest gegen den Radreifen andrücken. Diese Art der Bremsung unterstützt man fernerhin durch Anbringen eines spatenartigen Spornes unter dem Lafettenschwanz. Dieser kann festgenietet sein (fester Sporn) oder umklappbar (Klappsporn, Fig. 2, unten).

Fig. 1. Lafette für Schnellfeuer-Feldgeschütze von Maxim-Nordenfelt

Die sogen. Federsporne sind solche, die beim Rückstoß ein federndes Zurückweichen der Lafette gestatten, letztere aber dann durch die Federwirkung in die ursprüngliche Stellung vorbringen. Diesen Sporn kombinierte man fernerhin mit einer hydraulischen Rücklaufbremse. Um behufs der Korrektur kleiner, beim Schuss entstehender Seitenrichtungsdifferenzen das Bewegen des Geschützes zu vermeiden, brachte man besonders bewegliche Oberlafetten an, die durch die »Seitenrichtmaschine« entsprechend verschoben werden können, oder man ließ letztere auf das Rohr direkt wirken. Die drei großen französischen Fabriken (Schneider, Canet und Darmancier) haben die Beseitigung des Rücklaufs im Sinne der Stauchlafette gelöst. Diese Lafette besteht aus einem festen und einem beweglichen Teil, die durch eine hydraulische Bremse verbunden sind. Während bei Darmancier der feste Teil aus Sporn und Bremszylinder, der zurücklaufende aus Rohr und Lafette (also schon durch sein Gewicht den Rücklauf hemmend) besteht, läuft bei anderen Konstruktionen (Canet, Déport etc.) das Rohr in der Lafette zurück. Die beim Rückstoß entstehende Arbeit wird durch die Bremse aufgenommen, während die Lafette wenig oder gar nicht zurückläuft. Zur gänzlichen Beseitigung desselben dient bei günstigen Bodenverhältnissen der sich beim ersten Schuss eingrabende Sporn, dessen Wirkung durch an die Räder anzulegende Hemmschuhe verstärkt werden kann. Das Rohr nimmt bei der Rückstoßbewegung die beiden Bremszylinder mit, die, durch die Stopfbüchsen und eine Leitbahn geführt, über die Kolben hinweggleiten, wobei das vor den Kolben befindliche Glyzerin durch Öffnungen in denselben hinter die Kolben gedrängt wird. Hierdurch werden elastische Pufferfedern zusammengedrückt, die sich, nachdem die Rückstoßbewegung des Rohres beendet ist, wieder ausdehnen und das Rohr in seine frühere Lage schieben. Das von Maxim-Nordenfelt (London) vorgeschlagene Geschütz (Fig. 1) bildet eines der ersten vorzüglichen Lafettenmuster, auf dem die späteren Ausführungen der für das Schnellfeuer und speziell für Rohrrücklauf konstruierten Lafetten beruhen.

Fig. 2. Feldlafette 96. Fig. 3. Richtmaschine

Bei der Feldlafette C/96 für das deutsche Schnellfeuerfeldgeschütz (Fig. 2) sind die beiden Wände A durch einen Riegel verbunden, der im oberen Flansch für die Kurbelwelle der Richtmaschine ausgerundet und für die Hülse der Seilbremse durchbohrt ist. Die Protzöse B umfasst mit zwei starken Lappen die Wände am Lafettenschwanz und bildet so einen Schwanzriegel, auf dessen unterem Lappen sich zwei Augen für den Drehbolzen zum Sporn befinden. Am Lafettenkasten C sitzt an der Vorderwand eine Kette mit Haken und Kloben, die zum Festhalten des Kurbelrades dient. Der richtende Mann benutzt den Kasten als Sitz.

Die Richtmaschine (Fig. 3) beruht wie die der bisherigen Feldlafetten auf dem System der Doppelschraube, wird aber nicht direkt durch das Kurbelrad in Bewegung gesetzt, sondern es sind zwei Kegelräder eingeschaltet. Die Richtwelle A ruht mit den Zapfen a, die sich an den beiden Armen b befinden, in den in den Lafettenwänden befestigten Buchsen, die mit einem Pfeilstrich und »links«, bzw. »rechts vorn« bezeichnet sind. Nach hinten setzt sich an die Welle das Lager c für das kleine Kegelrad an, das in eine Röhre d zur Aufnahme der Kurbelwelle B endet. In der Röhre befindet sich oben und unten eine bronzene Büchse e. Das kleine Kegelrad (zwölf Zähne) C greift in das große D und ist auf dem unteren Sechskant der Kurbelwelle befestigt. Das große Kegelrad (30 Zähne) greift mit zwei Federn, die in seinem Innern sitzen, in die Nuten f der äußeren Richtschraube E. Diese ist in einem Muttergewinde der Richtwelle beweglich, hat an zwei Seiten die erwähnten Nuten f und nimmt in einem, dem äußeren entgegengesetzten Gewinde die innere Richtschraube F auf. Zur Verbindung mit dem Rohrträger dient der für den Drehbolzen G durchbohrte Kopf h. Auf dem oberen Sechskant der Kurbelwelle ist ein mit Handgriff g versehenes Kurbelrad H befestigt, durch welches das kleine Kegelrad gedreht wird. Dieses greift mit seinen Zähnen in die des großen Kegelrades und überträgt so die Bewegung auf die äußere Richtschraube. Während diese sich im Muttergewinde der Richtwelle dreht, schraubt sich gleichzeitig die innere Richtschraube bei Linksdrehung in die äußere hinein, bei Rechtsdrehung aus ihr heraus. Die doppelte Übertragung erhöht die Schnelligkeit des Richtens. Über die Seitenrichtung s. Geschütz.

Die hohle Achse mit Zubehör, die Räder und die Seilbremse sind die bei Feldlafetten üblichen. Der Sporn, mit dem die Lafette festgerannt werden kann, besteht aus zwei Armen mit Augen, die denen an der Protzöse entsprechen, und der Scharre. Die Verbindung mit der Protzöse wird durch einen Drehbolzen hergestellt. Am rechten Arm befindet sich ein Kloben mit Kette, die beim Gebrauch des Sporns in den an der rechten Lafettenwand befindlichen Kloben eingehängt wird. Beim Nichtgebrauch wird der Sporn hochgeklappt und während des Schießens durch den nach hinten umgelegten Richtbaum festgehalten. Die Feuerhöhe der Lafette ist gegen früher etwas verringert (110 cm). Die Einrichtung der Lafette ermöglicht, dass das Richten des Rohres sowohl nach der Höhe als nach der Seite ein Mann ausführt, und dass, wenn das Geschütz beim Schuss die Richtung verliert, noch eine Seitenkorrektur gegeben werden kann. Der Sporn findet meist beim Schnellfeuer Anwendung, während sonst für die Beschränkung des Rücklaufs die Seilbremse genügt.

Fig. 4. Lafette der leichten Feldhaubitze 98

Die Lafette der leichten Feldhaubitze 98 (Fig. 4) zeigt kürzeren, stärkeren Bau und größeren Lafettenwinkel als die Feldlafette 96. Da hier das Rohr anders als bei der Feldlafette 96 mit der Lafette verbunden ist (durch Schildzapfen), so zeigen sich in dieser Beziehung sowie in der damit zusammenhängenden Einrichtung der Richtmaschine die hauptsächlichsten Abweichungen. Im übrigen besteht auch diese wie jene Lafette aus denselben Hauptteilen: zwei Wände A aus Stahl, ein Riegel B (für den Rohrhalter T ausgespart), Protzöse C, Lafettenkasten D, Richtmaschine E, G, J, ferner: zwei Räder, Seilbremse, Sporn, zwei Achssitze, Achse mit Zubehör und Beschläge.

Richtmaschine der Feldhaubitz-Lafette 98

Die Richtmaschine besteht aus Richtwelle mit Lagerbüchse, Schneckenrad mit Reibkegel, Plattenfeder und Stellmutter, unterm Schneckenwellenlager, Schneckenwelle, oberm Schneckenwellenlager, Kurbelrad 96 und Schutzkappe. Das untere Schneckenwellenlager F (außen an der linken Lafettenwand), zur Aufnahme des Zapfens durchbohrt, hält außerdem zwei vierkantige Lagerbüchsen zur Aufnahme der Schneckenwelle G. Letztere trägt vorn die Schnecke, hinten ein Sechskant zum Aufschieben des Kurbelrades J mit dem Handgriff i. Das obere Schneckenwellenlager H zeigt einen vorspringenden Hals h mit Durchbohrung zur Lagerung der Schneckenwelle. Beim Drehen des Kurbelrades setzt die Schneckenwelle das Schneckenrad in Bewegung. Da das letztere durch Reibkegel und Plattenfedern mit der Richtwelle E fest verbunden ist, so wird diese ebenfalls in Drehung versetzt und greift mit dem Getriebe in den Zahnbogen des Rohres (Fig. 6). Zum Festhalten der Seitenrichtung hat die Lafette einen Pendel mit vorderer Skala und eine hintere, auf zwei Armen befestigte, hochzuklappende Skala. Eine besondere Seitenrichtmaschine ist entbehrlich, weil der Sporn hier seltener zur Anwendung kommt und mithin die Seitenrichtung hier besser festgehalten wird wie bei den Kanonen.

Das Rohr der leichten Feldhaubitze 98

Die Achse (Fig. 4) hat ein hohles zylindrisches Mittelstück K und gleicht im übrigen der Achse 96; auf ihr sind die Achssitze p, p1, p2, p3 befestigt. Die Röhrscheiben haben nach außen kegelförmige Ansätze, die außer den Ausschnitten für die Achsnägel (Lünsen) noch zwei Ösen zum Einhaken der Langtaue haben. Das Rad ist kräftiger gebaut als das von 96. Der Sporn Q mit Kette q4 besteht aus denselben Teilen wie der von 96. Die Beschläge wie Handgriffe n etc. sind die gewöhnlichen, ebenso der Richtbaum U mit Lager V.

Schwere 15 cm Feldhaubitze in schwerer Feldhaubitzlafette

2) Von den Lafetten der schweren Artillerie des Feldheeres ist die der schweren Haubitze als des Hauptgeschützes die wichtigste. Sie ähnelt der der leichten Feldhaubitze. Über Gewichtsverhältnisse und Erhöhungen vgl. Geschütz. Die Fahrbremse ist eine Seilbremse, die auch als Schussbremse gebraucht werden kann. Für den Gebrauch auf Bettung hat die Lafette, wie die anderen Räderlafetten größerer Kaliber, eine Rücklaufs- oder Flüssigkeitsbremse. Diese besteht aus dem stählernen, mit Glyzerin gefüllten Bremszylinder a, der durch zwei Kappen geschlossen und vorn mit Schildzapfen zum Einlegen in die Gabel des Drehblocks der Bettung versehen ist. Die innere Wandung hat gerade Keilzüge zum Durchlassen des Glyzerins, die vordere Kappe d enthält das Fülloch, durch die hintere g führt sich die Kolbenstange o.

Der Verschluss der leichten Feldhaubitze 98

An dieser sitzt vorn der Kolben m, hinten der Kolbenkopf p mit Auge, der durch einen Bolzen mit dem Kolbenstangenhalter am Lafettenschwanz verbunden wird. Die Dichtung des Zylinders mit den Kappen erfolgt durch die Liderungsringe f und h, mit der Kolbenstange durch einen Lederring und eine zwischen zwei Stopfbuchsenringen k liegende getalgte Hanfpackung, die durch die Stopfbüchse l zusammengepresst wird. Beim Rücklauf zieht die Lafette die Stange mit dem Kolben zurück, das Glyzerin kann durch die Züge nicht schnell entweichen, läuft langsam durch und hemmt so den Rücklauf. In gleicher Weise wird der Vorlauf verlangsamt, und durch einen vorn im Bremszylinder befindlichen Gummipuffer n wird ein Anstoßen des Kolbens an die vordere Kappe verhindert. Neuerdings wendet man bei den schweren Feldhaubitzlafetten auch das Rohrrücklaufsystem an und versieht die Lafetten aus diesem Grunde mit Oberlafette, Seitenrichtmaschine etc.

Fahrbremse des 21 cm Mörsers

Bei der Lafette des 21 cm-Mörsers, der auf Bettung aufgestellt wird, sind die Wände unten kastenartig durch ein Bodenblech geschlossen, sodass die Lafette beim Schießen mit diesem völliges Auflager auf der Bettung findet, nachdem an die Stelle der Fahrräder die Schießräder getreten sind. Mit Rücksicht auf die Gewichtsverhältnisse wird bei längeren Märschen das Rohr auf dem Rohrwagen fortgeschafft. Bemerkenswert ist die Fahrbremse der Lafette, die bestimmt ist, dies wohl schwerste Geschütz, das in neuerer Zeit ins Feld geführt werden soll, zu hemmen.

Bei der Lafette der 10 cm-Kanone der schweren Artillerie mit Schnellfeuereinrichtung (s. Geschütze) geschieht die Rücklaufhemmung durch eine Flüssigkeitsbremse, die am Drehbolzen der Bettung und an der Stirnseite der Lafette befestigt ist, der Vorlauf erfolgt durch hinter die Räder gelegte Vorlaufkeile, resp. durch Vorholfedern.

3) Die Lafetten der Belagerungs- und Festungsartillerie. Die Lafette der langen 15 cm-Ringkanone (s. Tafel »Geschütze II«, Fig. 1) ist eine Bocklafette, d. h. auf den Wänden sind zur Erreichung der nötigen Feuerhöhe Böcke, die Schildzapfenlager enthaltend, aufgesetzt, um über 1,6 m hohe Brustwehren hinwegfeuern zu können. Die fahrbaren Lafetten bestehen im allgemeinen aus denselben Hauptteilen, wie die unter 1) und 2) genannten, haben aber die für den Gebrauch auf Bettungen nötigen Einrichtungen. Auch für Belagerungsräderlafetten wendet man neuerdings mit Erfolg das Rohrrücklaufsystem an. Die Küstenlafetten sind für die Aufstellung auf offenem Wall (s. Tafel »Geschütze IV«, Fig. 5) eiserne Rahmenlafetten. Die eigentliche Lafette ist aus Eisenblechen zusammengenietet. Die Zahnbogenrichtmaschine wird durch ein Handspeichenrad bewegt und durch eine Bremse arretiert. Der Rahmen steht auf vier Rädern auf kreisförmigen Schienen. Er wird auf diesen durch eine Schwenkvorrichtung um ein Pivot bewegt, das nahe der Brustwehr liegt, und mit dem er durch die Pivotklappe verbunden ist. Der Rücklauf wird durch eine hydraulische Bremse gehemmt. Die älteren Schiffslafetten sind im Konstruktionsprinzip diesen Küstenlafetten ähnlich, nur bedeutend niedriger, damit der Schwerpunkt des Geschützes in Rücksicht auf die Schwankungen des Schiffes möglichst tief zu liegen komme.

Zum Feststellen der Lafette auf jedem Punkte des Rahmens und zum Hemmen des Rücklaufs durch Reibung dient bei den älteren Konstruktionen die Lamellenbremse, flache, hochkantig zwischen den Laufschwellen des Rahmens stehende eiserne Schienen, in deren Zwischenräume gleiche, an der Lafette befestigte Schienen greifen, die aneinander gepresst werden können. Die dadurch bewirkte Reibung beschränkt die Bewegung. Die Breitseitenlafetten sind für alle Kaliber nach demselben System erbaut. Die neueren Schiffslafetten bis 1895 sind alle Mittelpivotlafetten, die um einen in der Mitte der kreisrunden Rollbahn stehenden Drehzapfen schwenken (s. Tafel »Geschütze IV«, Fig. 1); sie können mittschiffs, wie an Schiffsseiten aufgestellt werden und sind in der Seitenrichtung unbeschränkt.

Die Rahmen der Geschütze in Panzerdrehtürmen sind meist in den Turm fest eingebaut und drehen sich mit diesem; in festen Türmen stehen sie auf der Drehscheibe (Barbette), und die Lafette hat dann eine solche Feuerhöhe, dass das Geschütz über die Brustwehr hinwegfeuern kann. Diese sowie alle nicht in der Batterie oder in bedeckten Türmen aufgestellten Kanonen erhalten heute einen kappenförmigen Schutzschild aus 25–40 mm dickem Stahlblech, der auf dem Rahmen steht und sich daher mit dem Geschütz bei der Seitenrichtung dreht wie bei den Schnellfeuerkanonen (s. Tafel »Geschütze III«, Fig. 1).

Die das Schnellfeuergeschützrohr tragende ältere Kruppsche Oberlafette steht auf dem Rahmen, dessen Laufschwellen nach vorn stark geneigt sind, um im Verein mit den seitlich liegenden hydraulischen Bremsen den Rücklauf auf 1–1,5 Kaliber Länge zu beschränken. Der Rahmen ruht drehbar auf einer Kugelbahn am Rande des Untersatzes, der auf dem Deck des Schiffes durch Bolzen gehalten wird. Die kleinen Schnellfeuerkanonen liegen in einer als Lafette dienenden Gabel, die in einer feststehenden Pivotsäule drehbar ist. Die Kruppsche Pivotgelenklafette hat senkrechte Wände, die um eine waagerechte Achse drehbar sind. In ihrem oberen Drittel sind sie mit einer hydraulischen Bremse verbunden, die ihr Widerlager in einem in die Bettung eingelassenen Ring findet. Diese Lafette mit geringem Rücklauf bedarf keines besonderen Rahmens und wird ähnlich den Mittelpivotlafetten verwendet. Seit 1895 sind an Lafettenkonstruktionen in der deutschen Marine die Wiegenlafetten eingeführt, und zwar für Schiffskanonen L/40

10,5 cm Pivotlafette C/97
15 cm Pivotlafette C/97
15 cm Turmlafette C/97
21 cm Turmlafette C/97
24 cm Drehscheibenlafette C/97

Die Bezeichnungen zeigen die Art der Pivotierungen.

Wiegenlafette

Die Wiege, in der das Rohr A unmittelbar liegt, entspricht etwa der Oberlafette, während an Stelle der Rahmen hier Rahmen oder Wiegenträger E treten. Die Schnelladekanonen liegen ohne Schildzapfen in den Wiegen. Diese Lafetten beanspruchen wenig Platz, sind leicht schwenkbar und richtbar und geben großes Bestreichungsfeld. Die Anbringung der Visiereinrichtung (sogen. Stangenvisier) an der Wiege statt am Rohr und die Tatsache, dass letzteres unabhängig von seiner Erhöhung stets in Richtung des Rückstoßes zurückläuft, sind ebenfalls Vorzüge. An der Aufsatzstange a ist hinten der Aufsatz b, vorn das Korn c angebracht, die beide gleichmäßig die Bewegung der Visierstange mitmachen und somit immer dieselbe Lage zueinander behalten. Die Länge der Visierlinie bleibt stets unverändert. Die Schildzapfenachse d der Wiege ist die Drehachse für den Visierstangenträger E und auch für die Visiereinrichtung. Die für Schneckenbetrieb eingerichtete Aufsatzbuchse besteht aus einem Stück mit dem Aufsatzbüchsenträger und nimmt den konzentrisch zur Schildzapfenachse gebogenen Aufsatz, der mit dem Endzapfen der Visierstange fest verbunden ist, auf; e Panzer, B Höhenrichtmaschine, C Seitenrichtmaschine (Schwenkwinde). Ferner sind an neueren und verbesserten Lafettentypen eingeführt

8,8 cm Mittelpivotlafette C/1901
15 cm Mittelpivotlafette C/1902
17 cm Mittelpivotlafette C/1902
17 cm Drehscheibenlafette C/1901
21 cm Drehscheibenlafette C/1901
28 cm Drehscheibenlafette C/1901

Außer den Wiegenlafetten sind noch folgende Lafettenarten in der Marine für Schiffsarmierung in Gebrauch: 1) Die eigentlichen Rahmenlafetten, die an Stelle der Radlafetten traten und deren Kennzeichen anderen Konstruktionen gegenüber in der Pivotierung vor dem Rahmen liegt. 2) Die Halbrahmenlafetten gingen aus den vorigen dadurch hervor, dass man statt der hinteren Hälfte des Rahmens an der Oberlafette eine bronzene Walze anbrachte, mittels der das Geschütz beim Einrennen auf Deck rollt. 3) Pivotlafetten, bei denen sich die Pivotierung unter dem Rahmen befindet, und zwar unter dem Schwerpunkt des ausgerannten Geschützes. 4) Mittelpivotlafetten haben die Pivotierung unter der Mitte des Rahmens und kommen da zur Verwendung, wo die Platzverhältnisse eine Pivotierung unter dem Schwerpunkt nicht zulassen, bei den neueren Konstruktionen liegt dieser jedoch nur wenig vor der Pivotierung, sie stehen daher den Pivotlafetten nicht oder nur wenig nach. 5) Turmlafetten, bei denen zwei Rahmen auf dem Boden eines Panzerdrehturms nebeneinander fest eingebaut sind und deren Geschützrohre in Minimalschartenlafetten (s. unten: Geschichtliches) ruhen. 6) Drehscheibenlafetten, bei denen zwei Rahmen auf einer gemeinschaftlichen Plattform fest eingebaut sind und deren Rohre über den Rand einer oben offenen Panzerung wegfeuern.

Geschichtliches

Schon in den 1860er Jahren führte die immer größer werdende Schussgenauigkeit zu Bestrebungen, die Geschütze im Festungs- und Seekrieg nur im Augenblick des Schusses dem direkten feindlichen Feuer auszusetzen, und als man diese Geschütze überhaupt nicht mehr auf offenem Walle halten konnte, schützte man sie durch Panzerungen. Einen weiteren Fortschritt bildeten die Verschwindlafetten. Bei der Moncrieffschen Gegengewichtslafette wird, nachdem die Kraft des Rohrrückstoßes verbraucht ist, das Geschütz vermöge eines Gegengewichts wieder in die Feuerstellung gehoben. Man hat damit die Möglichkeit, das Rohr mittels einer Sperrklinke an jeder Stelle festzuhalten. Das Aufsteigen geht unter Anwendung einer Bremsvorrichtung stetig vor sich, Senkung und Hebung betragen etwa 1,25 m, sodass das Geschütz in der gesenkten Stellung geladen und gleichzeitig gerichtet werden kann. Andere Konstrukteure speicherten die überschüssige Kraft des Rückstoßes des in die Ladestellung zurückgeschleuderten Rohres zum späteren Heben in die Feuerstellung anderweitig auf. Besondere Bedeutung gewann die nach Biancardis Vorgang von Armstrong konstruierte hydropneumatische Lafette (Tafel II, Fig. 3). Der Rückstoß presst aus einer hydraulischen Bremse Flüssigkeit in Luftkammern, die mit auf etwa 60 Atmosphären komprimierter Luft gefüllt sind. Nach Auslösen der Hemmung treibt die gepresste Luft die Druckflüssigkeit zurück und verursacht so das Heben des Rohres. Derartige nach Moncrieff-Razkazoff konstruierte Lafetten haben auf russischen Panzerschiffen Verwendung gefunden. Italien hat in Küstenwerken Armstrongsche Verschwindungslafetten aufgestellt. Auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika haben pneumatische und Gegengewichtslafetten an den Küsten aufgestellt.

Auf andere Weise verfolgte Krupp in den 1870er Jahren einen ähnlichen Zweck, indem er eine Lafette auf einem Eisenbahnwagen montierte, der hinter der Brustwehr entlang derselben auf Schienen lief. Nach jedem Schuss konnte der Standort gewechselt werden. Derartige Lowrylafetten wurden mehrfach eingeführt, z. B. 1890 in Frankreich die von Mougin konstruierte, dem späteren Erfinder der »schwingenden Türme«, für die lange 15 cm-Kanone »affût-tour«. Der Rückstoß des Rohres presst hier ein System von Scheibenfedern zusammen, die das Rohr in die Feuerstellung zurückheben.

Mit der Notwendigkeit, die schweren Kampfgeschütze durch Panzerungen mit möglichst kleinen, bzw. nach dem Schuss abstellbaren Scharten zu schützen, trat an die Konstrukteure die Aufgabe heran, hierfür geeignete Lafetten zu bauen. Als daher Mitte der 1860er Jahre Schumann seine Panzertürme konstruierte, trat Gruson mit einer Minimalschartenlafette (Tafel I, Fig. 6) für seine Hartgusspanzerstände hervor, die in Deutschland eingeführt wurde. Das Rohr, dessen Mündung in der Scharte liegt, schwingt beim Nehmen der Höhenrichtung um einen Punkt in der Schartenmitte (Mündungspivotlafette). Es bedarf somit nur eines minimalen Spielraumes in der Scharte. Bei großen Kalibern muss das Rohr etwas aus der Scharte hervorragen, damit die Detonation im Turm erträglich wird. Die Bewegung des Rohres beim Nehmen der Höhenrichtung findet derart statt, dass die Schildzapfenpfannen in den bogenförmig ausgeschnittenen Lafettenwänden auf- und abgleiten. Im übrigen wird das Rohr durch eine hydraulische Pumpe d bewegt, deren Einstellung durch die Hebel i erfolgt. Das Geschützrohr gleitet mit der Oberlafette B auf der Unterlafette l zurück, wobei hydraulische Bremsen zu beiden Seiten den Rücklauf beschränken. Die Unterlafette dreht sich um die Welle m, gehoben und gesenkt durch die Pumpe d. In der Folge entstand eine große Anzahl von Panzerlafetten, darunter die Kruppsche, bei der das Rohr kugelgelenkartig mit der Mündung in dem Panzer selbst drehbar festgehalten wird, für die verschiedenen Kaliber der Kanonen, Schnellfeuerkanonen, Haubitzen und Mörser.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Bibliographie

  • »Leitfaden für den Unterricht in der Artillerie an Bord des Schulschiffs«, 1. Teil (2. Aufl., Berl. 1902).
  • Galster: Die Schiffs- und Küstengeschütze der deutschen Marine (Berl. 1885)
  • Juge: Les canons à tir rapide de l’artillerie de côte anglaise (Par. 1900)
  • Maudry: Waffenlehre für Offiziere aller Waffen (4. Aufl., Wien 1896)
  • Müller: Die Entwicklung der preußischen Schiffs- und Küstenartillerie (Berl. 1879)
  • Wise, Terence: Artillery Equipment of the Napoleonic Wars

Glossar militärischer Begriffe