Rückstoß

Rückstoß, die Rückwirkung des Schusses in Richtung der Seelenachse bei Feuerwaffen, die sich bei den Geschützen als Rücklauf, bei Gewehren als Rückstoßdruck gegen die Schulter des Schützen äußert. Der Rückstoß ist für die Waffenkonstruktion von großer Wichtigkeit, weil eine gewisse Grenze nicht überschritten werden darf, anderseits, weil er neuerdings für den Schießgebrauch in verschiedener Weise ausgenutzt wird. Ein zu starker Rückstoß könnte dem Schützen die Schulter zerschmettern oder ihn bei Schnellfeuer bald erlahmen lassen. Bei Geschützen, besonders bei Steilbahngeschützen, würden die Lafetten zertrümmert werden. Die Bewegungsenergie, welche die Waffe durch den Rückstoß erhält, ist annähernd

Rückstoß

Kilogrammmeter, wenn bedeuten, gemessen in Kilogramm, P das Gewicht der Waffe, p das Gewicht des Geschosses, l das der Pulverladung, v die Mündungsgeschwindigkeit des Geschosses in Meter pro Sekunde, g die Beschleunigung durch die Schwere (9,806 m). Hieraus kann der Rückstoßdruck berechnet werden, wenn die Elastizität von Waffe und Widerlager, Größe der Druckfläche etc. bekannt sind, ebenso der Rücklauf.

Namentlich seit der Einführung der kleinkalibrigen Mehrlader musste man auf Natur, Stärke und Richtung des Rückstoßes Rücksicht nehmen. Besonderes Verdienst hat sich Prof. Hebler in dieser Beziehung erworben (vgl. Hebler, Das kleinste Kaliber oder das zukünftige Infanteriegewehr, Zürich und Leipzig 1886). Bei den mehr und mehr in Aufnahme kommenden automatischen Feuerwaffen (s. Selbstlader) wird der Rückstoß, der früher nur als nachteilig für den Schießgebrauch angesehen wurde, so vollkommen ausgenutzt, dass dem Schützen nur noch Zielen und Abdrücken übrig bleibt. Ebenso war man bemüht, den Rücklauf der Geschütze (s. Lafette) durch Hemm- und Bremsvorrichtungen zu beschränken oder aufzuheben. Während man bei Geschützen mit festem Standort schön längst den Rückstoß benutzt hatte, das Rohr in einer Oberlafette auf ansteigenden Laufschwellen des Untergestells, auf denen es nach dem Schuss wieder vorlief, zurückzubewegen, kam man erst neuerdings bei den Schnellfeuergeschützen auf die Notwendigkeit, die Lafette beim Schuss ganz festzustellen, was bei den Rohrrücklaufgeschützen erreicht ist. Im übrigen gelten für Rohre in Räderlafetten noch die früher ermittelten Regeln, dass der Rücklauf um so größer ist, je größer die Pulverladung und je leichter das Geschütz, je kleiner der Lafettenwinkel, je ebener der Geschützstand ist und je mehr die Rohrrichtung sich der Waagerechten nähert.

Bibliographie

  • Wille: Waffenlehre (3. Aufl., Berl. 1905, 3 Bde. und Ergänzungsheft)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe