Laden und Abfeuern des groben Geschützes

Laden und Abfeuern des groben Geschützes

Laden und Abfeuern des groben Geschützes, s. Bedienung. Vor dem Schießen muss die Seele des Geschützes, sowie das Zündloch, von Nr. 1 mit dem Wischer und von Nr. 4 mit der Räumnadel untersucht, und die etwa darin befindlichen Fremdkörper herausgeschafft werden. Bei Haubitzen und Mörsern ist nur das Zündloch, in gleicher Absicht, mit der Räumnadel oder der Zündlochbürste zu untersuchen, weil man bei ihnen das Innere der Seele selbst sehen kann.

Nr. 4 prüft die gute Beschaffenheit der Richtmaschine, und sieht nach, ob die Splinte in den Kopfbolzen über den Pfannen festsitzen. Alle Nummern untersuchen, indem sie das Geschützzubehör nehmen, den guten Zustand desselben, und müssen sämtlich, vorzüglich aber diejenigen, welche die Munition aus der Protze oder dem Wagen zu holen haben, genau unterrichtet sein, wo die verschiedenen Arten der Munition zu finden sind. Wenn geladen wird, müssen die vier ersten Nummern beständig auf einander Acht geben, dass keine Verzögerung, und durch Übereilung auch kein Unglück entstehe. Nr. 1 muss den Schuss einmal so fest, wie das andere Mal einsetzen; Nr. 1 und 2 haben darauf zu sehen, dass nie ein Schuss verkehrt eingesetzt werde, besonders auch, dass die Kartätschbüchsen der schweren Kanonen, da, wo sie nicht mit der Kartusche verbunden sind, immer mit dem Oberspiegel gegen die Kartusche liegen, weil sonst die Kartätschscheibe nach vorne käme, und nichts nutzen würde. Sie müssen daher den Unterschied des Ober- und Bodenspiegels, welcher sich besonders dadurch zeigt, dass ersterer bloß angenagelt ist, beachten.

Die Art, wie die Lunte gehalten wird, ist unter Bedienung vorgeschrieben; doch darf der Wind nicht gegen die glimmende Spitze blasen, sondern diese von ihm abgewendet sein. Bei Regenwetter werden die Lunten in die Luntenverberger gesteckt. Auf Batterien in und vor Festungen aber, wo man sie nach dem Abfeuern jedesmal in die Erde steckt, stellt man mehrere derselben unter eine leere Pulvertonne.

Das Zündlicht wird vermittels der Lichterklemme ganz so gehalten, wie der Luntenstock, und es ist hierbei alle Vorsicht anzuwenden, dass die Flamme, welche oft Funken sprüht, kein Unglück herbei führe. Ehe das Zündlicht angesteckt wird, muss die Anfeuerung oben abgebrochen werden, weil ihre Entzündung sonst leicht dasselbe aufreißen könnte. Nr. 4 muss beim Aufpudern sehr vorsichtig verfahren, besonders bei windigem Wetter möglichst vermeiden, dass Mehlpulver auf die Lafettenwände etc. fällt.

Wenn man keine Schlagröhren und Stoppinen hat, und auch in jedem Fall, wo ein Fremdkörper aus dem Geschütz geschafft werden soll, muss man Pulver in das Zündloch einräumen. Dies geschieht am besten, indem nach und nach Kornpulver in das Zündloch geschüttet, und durch Auf- und Niederstoßen mit der Räumnadel, dasselbe damit gefüllt wird.

Zur Anfertigung der Vorschläge von Rasen, welche teils zum Schießen mit glühenden Kugeln, teils auch bei Festungskanonen gebraucht werden, hat man die Rasenstecher. Sie bestehen aus einem scharfen eisernen Ring, von kalibermäßiger Größe, der oben offen ist, und vermittels eines daran befestigten Stiels gehandhabet wird.

Das Laden der Mortiere geschieht gewöhnlich mit losem Pulver; doch bedient man sich auch der Kartuschen aller Art, besonders der papierenen mit großem Vorteil. Ist in solchen Fällen ein Verstärken der Ladung nötig, so wird so viel loses Pulver, wie mehr erforderlich ist, in die Kammer geschüttet, zu dessen Abmessung die beim Geschützzubehör befindlichen Pulvermaße dienen. Soll mit Spiegelgranaten geladen werden, so wird, nachdem das Pulver eingebracht ist, der Hebespiegel eingesetzt, und auf diesen 20 bis 25 Spiegelgranaten ganz willkührlich über einander gelegt. Es ist vorteilhaft, wenn man sich hierzu der Steinkörbe bedienen kann, weil das Laden dadurch viel schneller geschieht. Beim Laden mit Steinen wird der Hebespiegel wie vorhin eingebracht, und auf diesen der gefüllte Steinkorb gesetzt.

Wenn das Geschütz beim Abfeuern nicht losgeht, versagt, so muss man sich nicht übereilt nähern, sondern eine kurze Zeit warten. Dann hebt der Unteroffizier mit dem Seitengewehr die Schlagröhre aus dem Zündloch, steckt die Kartuschnadel hinein, und untersucht, ob die Kartusche auch ganz zu Boden gebracht ist. Findet er dies, so lässt er eine neue Schlagröhre, von deren Güte er sich vorher überzeugt hat, einsetzen. Über das Richten der Geschütze s. Richten und Richtmethoden.

Ist das Schießen beendet, so wird der brennende Teil der Lunten oder Zündlichte abgeschnitten. Es ist auf das strengste zu verbieten, dass abgeschnittene Lunten auf die Lafetten oder Protzkasten gelegt werden, um vielfältigen, hierdurch entstehenden Unglücksfällen vorzubeugen; s. Ladung.

Bibliographie

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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