Beschläge

Beschläge

Preußisches Bataillonsgeschütz mit blau lackierter Lafette und geschwärzten Beschlägen zum Schutz vor der Witterung. Die hier sichtbaren Beschläge schließen das Schildzapfenlager der Kanone, halten Radnaben, Achslager und Lafettenwände zusammen, schützen das Holz vor mechanischer Beschädigung, oder dienen dem Transport von Geschützzubehör, wie der Haken an der vorderen Lafettenwand, an dem ein Wasserkübel mitgeführt werden kann. Für die Beschläge am kleinen Gewehr, s. Beschlag.

Beschläge

Beschläge, in der Bau- und Möbeltischlerei Metallteile, die Türen, Fenstern und Möbeln zur Befestigung und zum Schutz der Holzteile, zu einem praktischen Zweck (Griffe) oder zu äußerlichem Schmuck aufgenagelt oder aufgenietet werden. Im Altertum wurden namentlich bei den Römern hölzerne Laden und Kasten durch eiserne Beschläge und Schlösser gesichert und diese auch künstlerisch ausgebildet. Zu umfangreicher Anwendung und Ausbildung gelangten schmiedeeiserne Beschläge im romanischen und gotischen Mittelalter, zunächst bei hölzernen Türen, die aus schmalen Brettern zusammengesetzt waren und durch querlaufende Bänder zusammengehalten wurden. Zu diesen Zungenbändern gesellten sich Türringe, Türklopfer und Schlösser, so dass in der gotischen und in der Renaissancezeit der Beschlag einer Tür etwa ein Zehntel der Holzfläche bedeckte. Neben dem praktischen Zweck des Zusammenhaltens trat auch bald der dekorative hervor. Von schmiedeeisernen Beschlägen des Mittelalters und der Renaissance hat sich eine beträchtliche Zahl an Türen, an Möbeln und vereinzelt erhalten (s. Tafel »Schmiedekunst«, Fig. 2, 9, 11, 17 u. 24), und diese Vorbilder haben in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts zu einer künstlichen Wiederbelebung der Beschläge geführt. Seit der zweiten Hälfte des 17. und vollends im 18. Jahrhundert wurde das Schmiedeeisen vielfach durch Bronze und Messing, die der Neigung der Möbelkünstler zu leichten Beschlägen mehr entgegenkamen, ersetzt.

Die neuen Versuche, die Anwendung schmiedeeisener Beschläge nach den Mustern der gotischen und der Renaissancezeit wieder volkstümlich zu machen, haben wohl zu einer wesentlichen Hebung der Technik geführt, aber praktischen Zweck nicht gehabt. Mit größerem Erfolg hat sich die moderne Bewegung seit dem Anfang der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts der Beschläge für Möbel angenommen, weil sie auf eine Reform des Möbelstils im Sinne moderner Zweckmäßigkeit gerichtet war. Der Bewegung in Deutschland war England schon um Jahrzehnte zuvorgekommen, zunächst nur unter Betonung der praktischen Brauchbarkeit. In neuester Zeit ist aber auch in England neben dieser rein praktischen Richtung die dekorative wieder in Aufnahme gekommen (Fig. 1 u. 2). In Deutschland werden ebenfalls beide Richtungen gepflegt, was sich aus der veränderten Bestimmung der Beschläge erklärt, die bei den modernen Türen und Möbeln ihren ursprünglichen Funktionszweck völlig verloren und nur noch dekorative Bedeutung haben. Auf dem Gebiet dekorativer Möbelbeschläge haben sich besonders in München H. Obrist, A. Endell, B. Pankok, Riemerschmid, A. Petrasch (s. Tafel »Möbel II«, Fig. 1), H. E. v. Berlepsch, I. Lasser (Fig. 3–6), der Belgier H. van de Velde, Otto Eckmann in Berlin ausgezeichnet. Neben den rein dekorativen Beschlägen und Griffen haben noch die Schlüsselschilder eine liebevolle Ausbildung erfahren (Fig. 7 u. 8).

Bibliographie

  • Meyer, F. S.: Handbuch der Schmiedekunst (2. Aufl., Leipz. 1893)
  • Stockbauer, I., in Buchers »Geschichte der technischen Künste« (Bd. 3, Stuttg. 1893)
  • Wise, Terence: Artillery Equipment of the Napoleonic Wars

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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