Kanone

Kanone

Kanone, ist die erste Unterabteilung des groben Geschützes und steht dem Wurfgeschütz gegenüber. Jede Kanone besteht aus zwei Hauptteilen, dem Rohr und dem Gestell; letzteres ist eine Lafette, wenn es auf Rädern steht, sonst aber ein Klotz. Die Rohre der Kanonen sind 18 – 24 Durchmesser der Kugel lang, und die innere Höhlung, die Seele, ist überall gleichweit; sie werden nach dem Gewicht der eisernen Rollkugeln benannt. In der preußischen Artillerie hat man 3, 6, 12 und 24pfündige; in anderen schwerere. Nach dem Material sind sie entweder eiserne oder metallene, s. Geschütz; der Durchmesser der inneren Höhlung heißt Kaliber der Seele.

Durch Versuche hat man gefunden, dass bei ⅓ bis ⅜ kugelschwerer Ladung, eine Länge von 18 Kugeln für die Feldkanonen, ohne die Traube und deren Teile, die beste ist; leichte Kanonen, z. B. 3pfündige, macht man jedoch auch länger, um den verhältnismäßig größeren Widerstand, den ihre Kugeln in der Luft erleiden, zu überwinden; die angemessenste Schwere ist ungefähr 150 Pfund Metall auf jedes Pfund der Kugel. Belagerungs- und Festungskanonen werden im Durchschnitt 24 Kugeln lang gemacht, und man gibt ihnen 250 bis 290 Pfund Metall auf jedes Pfund der Kugel. Die größere Länge erhalten sie, damit sie weiter in die Schießscharten reichen, und diese beim Feuern nicht so leicht zerstören; die größere Schwere rührt von ihrer größeren Länge und Dicke her, welche letztere nötig ist, weil man öfters mit halbkugelschwerer Ladung aus ihnen schießt. Die preußischen Kanonen haben folgende Länge und Schwere:

Art Kaliberlänge Gewicht auf 1 Pfd. der Kugel. Pfd. Gewicht in Zentnern
3pfündige Feldkanone 20 200
6pfündige Feldkanone 18 150–160
12pfündige Feldkanone 18 150–160 17¾
6pfündige Belagerungskanone 26 300–310 17
12pfündige Belagerungskanone 24 300–310 33½
24pfündige Belagerungskanone zwischen 22 und 23 280–290 62¾

Die Kanonen werden der Länge nach eingeteilt: in das Bodenstück, Zapfenstück und Langfeld mit dem Kopf. Um jeden dieser Teile zu bestimmen, wird die Länge der Kanone in 9 gleiche Teile geteilt; vier Neuntel von hinten nach vorne, mit Einschluss eines halben Kugel-Durchmessers, geben die Länge des Boden- und Zapfenstücks, deren Länge sich zu einander wie 3 : 2 verhalten; der Rest der ganzen Länge des Geschützes gibt das Langfeld mit dem Kopf, welcher letztere ein Neuntel lang ist. Die Schildzapfen sind Zylinder, welche das Rohr mit der Lafette verbinden; sie sind ungefähr eine Kugel lang, und eben so stark; ihre Achse muss eine senkrechte Ebene durch die Mitte des ganzen Geschützes rechtwinklig durchschneiden. Der Mittelpunkt dieser Achse heißt der Lagerpunkt; er liegt im vierten Neuntel des Geschützes von hinten nach vorne, doch nicht in der Mittellinie der Seele selbst, sondern eine halbe Schildzapendicke unter ihr versenkt. Damit die Kanonen sich besser an ihre Befestigung auf der Lafette anschließen, werden die Schildzapfen dicht am Rohr mit einer Scheibe versehen, die ½ bis ¼ Zoll stark ist, und deren vordere Fläche mit der Achse des ganzen Geschützes gleichlaufend ist.

Die innere Aushöhlung der Kanone heißt die Seele, die vordere Öffnung der Seele ist die Mündung, ihr hinteres Ende der Boden, ihre Mittellinie die Achse. Die Seele ist zylindrisch, nur die hinteren Ecken sind mit ⅙ dieser Breite abgerundet; die Achse der Seele muss mit der Achse des ganzen Rohres zusammenfallen. Die Stelle, auf welcher die Kugel in der geladenen Kanone liegt, heißt das Lager. – Der Unterschied des Kugeldurchmessers, und des Durchmessers der Seele heißt der Spiegeldurchmesser; er beträgt bei den preußischen Kanonen gewöhnlich einen Teil, und ist deswegen nötig, weil nicht alle Kugeln vollkommen rund und gleich groß sein können, und weil im Geschütz Pulverschleim zurückbleibt, wodurch die Kugel nicht zu Boden gehen würde. Da, wo die Abrundung des Bodens sich in den graden Zylinder der Seele verläuft, steht das Zündloch, senkrecht auf der Achse der Seele, und auf der horizontalen Fläche, welche durch die Achse der Schildzapfen gelegt wird; bei neuen Geschützen ist es 0,25″ weit.

Die Dicke des Metalls, welches die Seele umschließt, heißt die Metallstärke, welche sich nach vorne zu verjüngt, d. h. schwächer werden kann. Die Seele ist nicht ganz so lang als die Kanone; das hintere, noch übrig bleibende Stück Metall heißt der Boden oder auch der Stoß, und seine Dicke: die Metallstärke vor dem Stoß. Diese beträgt bei Feldkanonen 18 bis 20, bei Festungskanonen 21 Teile; gewöhnlich ist das Bodenstück zylindrisch, und auch vorn um 1 Teil schwächer; die Stärke am Zapfenstück hinten, am Zapfenstück vorn, und am Langenfelde hinten, wird immer um 1 Teil schwächer; an der Mündung beträgt sie 8 bis 9 Teile, bei Festungskanonen 11 bis 12 Teile. Der Kopf wird an der Mündung verstärkt, und zwar bei Feldkanonen um 8 bis 9 Teile, bei Festungskanonen um 6 bis 7 Teile über die Metallstärke des Langenfeldes am vorderen Ende. Man nennt diese Verstärkung die Erhöhung des Kopfes, und sie geschieht deswegen, weil dieser Teil beim starken Gebrauch der Kanonen am mehrsten leidet, und um ein Korn, welches nicht allzu groß ist, sicherer anbringen zu können.

Zur Verzierung bringt man da, wo die verschiedenen Teile anfangen, oder sich enden, Friesen an; ihre Form ist willkürlich, und sie bestehen gewöhnlich aus Platten, Karnießen oder Stäbchen. Ist ein Rundstab zwischen zwei Plättchen eingeschlossen, so nennt man das Ganze Bändchen oder Gurt.

Der Boden erhält eine Verstärkung, Verstärkung des Bodens genannt, welche 6 Teile beträgt; eben so hoch ist die höchste Friese über dem Bodenstück hinten, oder die Erhöhung des Bodensimses. An der Verstärkung des Bodens sitzt ein Plättchen, an welches sich der Traubenhals mit der Traube anschließt; ersterer ist 12 Teile lang, an der Traube, eben so an der Verstärkung des Bodens, aber noch einmal so stark; die Traube ist kugelförmig, und hat 18 bis 20 Teile zum Durchmesser; zwischen der Traube und dem Traubenhals befindet sich an älteren Kanonen ein Bändchen.

Die Stelle, welche auf der höchsten Friese des Bodengesimses, oder auf der Erhöhung des Kopfes, durch eine durch die Achse des Rohres gehende lotrechte Ebene bestimmt wird, heißt das höchste Metall. Steht hierbei die Achse der Schildzapfen waagerecht, so ist auf dem höchsten Metall des Bodengesimses das Visier, und auf dem des Kopfes das Korn angebracht; ersteres ist ein Einschnitt in die Bodenfriese, letzteres gewöhnlich eine pyramidenförmige Erhöhung. Die Spitze des Korns steht etwas tiefer als das Visier, so dass die Linie über beide Punkte, Visierlinie, die verlängerte Achse der Seele vor dem Geschütz durchschneidet; der Winkel, welchen diese beiden Linien bilden, heißt der natürliche Erhöhungswinkel, und beträgt bei den Feldkanonen ¾ Grad, bei den Festungskanonen 37 Minuten.

Eine durch den Lagerpunkt gehende senkrechte Ebene, auf welcher zugleich die Mittellinie der Seele senkrecht steht, teilt das Rohr in 2 Teile, von denen der vordere leichter, der hintere aber schwerer sein wird. Es muss daher unter dem Bodenstück noch eine Unterstützung bekommen, welches durch die Richtmaschine geschieht, und man nennt den Teil von dem Gewicht der Kanone, welcher, bei waagerechter Lage der Achse der Seele, von der Richtmaschine getragen wird, die Hintergewichtigkeit, oder das Hintergewicht; die Größe desselben beträgt zwischen 17 und ⅛ der ganzen Schwere des Rohrs, und es ist nötig, damit das Rohr durch die Richtmaschine leicht erhöht und gesenkt werden könne; außerdem gewährt es auch den Vorteil, dass das Geschütz beim Abfeuern nicht vorne niedersinkt, buckt, und dass es sowohl bei der Bedienung, als während des Marsches, eine feste Lage in der Lafette hat.

Bei den schweren Kanonen werden auf dem Zapfenstück zwei Handhaben, Henkel oder Delphine angegossen; ihre Mitte steht etwas hinter dem Lagerpunkt, so dass das Rohr waagrecht an den Henkeln aufgehoben werden kann. – Übrigens s. Geschütz, Gießen, Form, Bedienung, Schuss, Handhabung etc.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Kanone (v. lat. canna, »Röhre«, oder dem ital. cannone, »großes Rohr«), Geschützrohr von größerer Länge als die Haubitzen oder Mörser gleichen Kalibers. Die Kanone schießt mit größtmöglicher Ladung, während Steilbahngeschütze auch verschiedene kleinere Ladungen anwenden. Die Länge der Kanone wird in der Regel in Kalibern abgekürzt bezeichnet. Vgl. Geschütz.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Artillerie