Parallelen

Parallelen

Parallelen, heißen diejenigen Trancheen, welche bei der Belagerung einer Festung, allenthalben einen ziemlich gleichweiten Abstand von den ausspringenden Winkeln des Glacis der Festung bekommen, und also auch mit den Trancheen überhaupt den Zweck gemein haben, nämlich den Belagerer und seine Batterien sicherer an die Werke zu führen, um sie beschießen zu können, Fig. 127 cc, dd, ff. Ihre Länge hängt von der Angriffsfront ab, welche sie völlig umschließen müssen, wie hier die Angriffsfront gg. Nach ihrer Entfernung von der Festung unterscheidet man die erste, zweite, dritte und vierte Parallele; ihrer Maße sind im Allgemeinen: auf der Sohle 7 bis 9 Fuß breit, oben 15 bis 17 Fuß; die Brustwehr 4½ Fuß hoch; die Tiefe 3 bis 3½ Fuß. Die Brustwehr erhält eine Auftritt, 1½ Fuß hoch und eben so breit, mit Faschinen bekleidet, um über die Brustwehr hinaus steigen zu können; auf der Rückseite werden die Parallelen entweder schräg abgestochen, oder ebenfalls mit 2 Auftritten versehen.

Die erste Parallele ist in ebenem Terrain außerhalb der Kartätschenschussweite von dem ausspringenden Winkel i des Glacis, also 600 bis 1000 Schritt entfernt. Dieser Abstand richtet sich jedoch immer nach den vorgefundenen Umständen; ein hohler Weg, dunkle Nächte, eine wenig aufmerksame Besatzung sind oft Ursache, die erste Parallele näher an der Festung anzulegen; ja man wirft oft sogleich die zweite auf, wie dies vorzüglich in den neuesten Zeiten fast immer geschehen ist. Überhaupt ist es zweckmäßig, gleich in der ersten Nacht der Festung so nahe als möglich zu kommen, da der Feind noch nicht weiß, wohin er eigentlich sein Feuer zu richten hat, und daher gewöhnlich die Arbeiten der ersten Nacht ruhig geschehen lassen muss; doch müssen diese in der größten Stille, und mit Vorsicht geschehen, auch mit Tagesanbruch so weit vollendet sein, dass die Arbeiter völlig vor dem Feuer gedeckt sind. Muss man aber die erste Parallele anlegen, so müssen ihre Flügel entweder an natürliche Hindernisse, als einen See, h, Morast, k, einen Fluss etc. angelehnt, oder dazu erst besondere Redouten erbaut werden, b, Fig. 126. Sie wird größtenteils, wegen der Entfernung von der Festung, durch die offene Sappe gehoben, und zwar auf einer Breite von 15 Fuß; die hintere Grabenböschung wird aber hier sehr flach abgestochen, um den darin aufgestellten Truppen, der sogenannten Trancheewache, den Rückzug zu erleichtern. Um in der Nacht eine Verwirrung unter den Arbeitern zu verhüten, ist es besser, aus der Mitte nach den beiden Flügeln, als umgekehrt von diesen nach der Mitte zu arbeiten. Doch kommt es hierbei auf die Art des Tracierens an; s. Angriff der Festung.

Die zweite Parallele dd, Fig. 127 wird 3 bis 400 Schritt von dem ausspringenden Winkel des Glacis angelegt, und wegen der größeren Nähe vermittelst der flüchtigen, oder der halben, zuweilen der ganzen Sappe gearbeitet, je nachdem es das feindliche Feuer gebietet, die Sappe aber ungefähr 15 Fuß breit nachher zur Parallele erweitert. Die Flügel dieser Parallele werden ebenfalls mit besonderen Redouten, e, versehen, um sie vor den Ausfällen zu schützen.

Die Entfernung der dritten Parallele ff, Fig. 127 und 124 ist gewöhnlich auf 60 bis 70 Schritt von den ausspringenden Winkeln des Glacis angenommen, und ihr Bau geschieht größtenteils durch die völlige Sappe; nur einzelne Fälle erlauben zuweilen die halbe Sappe anzuwenden, z. B. ein kurzes Stillschweigen des feindlichen Feuers. Die Flanken dieser Parallele werden durch Epaulements gesichert; die Sappe wird bis auf 21 Fuß Breite zur Parallele erweitert, um hier eine stärkere Brustwehr zu erhalten.

Um den Graben einer jeden Parallele bei Regenwetter immer trocken zu halten, gräbt man seine Sohle etwas schief nach hinten zu ab, und hebt dicht an der Böschung eine kleine Künette aus. – Auf der oberen Kante der Brustwehr werden auch oft zwei Reihen Sandsäcke dergestalt übereinander gelegt, dass dadurch Lücken entstehen, wodurch die zur Wache angestellte Mannschaft ihre Gewehre sicherer abfeuern kann. Damit bei einem zu unternehmenden Sturm, oder um dem feindlichen Ausfall entgegen zu gehen, die Truppen aus der Parallele leichter heraus kommen können, werden an den dazu bestimmten Punkten 2½ hohe und 2 Fuß breite Stufen, a, Fig. 124 von Faschinen und Schanzkörben, an der inneren Seite der Brustwehr, aufgeführt, welche Ausfälle heißen, und so lang sind, dass ungefähr 60 bis 80 Mann in einer Linie nebeneinander, auf einmal hinaus marschieren können; um ihnen aber auch den Rückzug zu erleichtern, werden an der Rückseite des Grabens, alle 60 Fuß, Rastellen angelegt, welche eine zu diesem Behuf schickliche Breite erhalten. Dasselbe geschieht auch auf den nötigen Punkten in allen übrigen Parallelen.

Eine vierte und fünfte Parallele entsteht nur in besonderen Fällen, wenn es die Lage der Festungswerke oder das Terrain erfordert, usw. Folgende Regeln sind noch im Allgemeinen beim Anlegen der Parallelen zu beobachten:

  1. Man überschlägt die Länge jeder Parallele, zur Berechnung der nötigen Anzahl Arbeiter und Materialien, wobei zugleich auf einen verhältnismäßigen Überschuss jeden Artikels Bedacht genommen werden muss. Auf 6 Fuß Länge einer Parallele rechnet man gewöhnlich 3 Schanzkörbe und 6 Faschinen, deren jede 6 Fuß lang ist; davon dienen 3 zur Erhöhung der Brustwehr, und 3 zur Bekleidung des Banketts; wenn man sich der Sandsäcke bedienen wollte, so werden 12 Stück statt der 3 ersten Faschinen erfordert; auf jeden zu füllenden Schanzkorb nimmt man 4 Sandsäcke an.
  2. Dass immer die Flügel der ersten Parallele, die Flügel der zweiten, diese die Flügel der dritten und sofort umfassen, und folglich eine die andere vor allen Flanken- und Rückenangriffen schützt; daher werden die letzten Parallelen immer kürzer als die ersten.
  3. Sind Anhöhen da, so werden die Parallelen über diese hinweggeführt, und die Batterien daselbst errichtet; dies gewährt mehrere Vorteile, besonders dass diese Batterien nicht zu schweigen brauchen, wenn vor ihnen an einer neuen Parallele gearbeitet wird.
  4. Vorzüglich muss darauf gesehen werden, dass kein Teil, noch weniger aber eine ganze Parallele, eine solche Richtung erhalte, dass sie der Feind der Länge nach zu beschießen im Stande ist, und dass, wenn dieser Fall eintritt, entweder an schicklichen Stellen in der folgenden Nacht Traversen angelegt werden, oder wenn dieses Hilfsmittel nicht hinreichend ist, ein neues Stück Parallele an diesem Punkt, in einer anderen Richtung erbaut wird.

Die Parallelen sollen im Allgemeinen folgenden Vorteil gewähren:

  1. Sie verbinden die einzelnen Trancheen, welche auf den Kapitallinien einer Angriffsfront vorgetrieben werden, und machen folglich die Ausfälle auf die einzelnen Spitzen dieser Arbeiten schwieriger.
  2. Sie gewähren den Vorteil, die zu Batterien am vorteilhaftesten gelegenen Punkte sowohl in, als auch vor oder hinter den Parallelen zu benutzen.
  3. Die Arbeiter können sich hier wegen des größeren Raumes mehr ausbreiten, und ihre Arbeiten schneller und sicherer vollenden.
  4. Es kann eine weit größere Anzahl Truppen in diesen Parallelen gedeckt aufgestellt werden, als ehedem in den besonders hierzu eingerichteten Trancheen geschehen konnte.
  5. Alle nachfolgenden Arbeiten können aus diesen Parallelen, aus jedem beliebigen Punkt, sicherer und bequemer unternommen, und die Materialien schneller herbeigebracht werden.
  6. Das Feuer der Belagerten wird auf mehrere Punkte verteilt.
  7. Die dritte Parallele hat noch die besonderen Vorteile, dass Batterien gegen diejenigen Werke errichtet werden können, welche von den zuerst angelegten Batterien zu beschießen nicht möglich war, als gegen die Hauptflanken, Kurtinen, eingehenden Waffenplätze etc.; dass sie dem Belagerten alle Ausfälle auf der Front dieser Parallele erschwert, weil man ihm in derselben eine starke Tranchee-Wache entgegen stellen kann; dass sie Gelegenheit gibt, eine gewaltsame Eroberung des bedeckten Weges vorzunehmen.

In den Parallelen werden noch besonders große Plätze angelegt, um darin starke Trupps bewaffneter Mannschaft aufstellen zu können, welche Waffenplätze heißen.

Die Entfernung der Parallelen untereinander beträgt gewöhnlich 250 bis 300 Schritt; ist diese Entfernung aber größer, welches öfters zwischen der zweiten und dritten eintritt, so werden, zur besseren und wirksameren Verteidigung der weiter vorliegenden Arbeiten gegen die Ausfälle der Belagerten, kurze Stücke Parallelen oder Waffenplätze angelegt, l, Fig. 127, welche halbe Parallelen oder halbe Waffenplätze heißen; sie werden eben so wie die übrigen als Sappe bearbeitet, und nachher erweitert. Um die Truppen gedeckt in die Parallelen gelangen lassen zu können, werden Laufgräben geführt.

Bei solchen Festungen, die gute Minenverteidigung haben, darf man mit den Parallelen nicht so nahe heran gehen, ehe man nicht Herr der unter dem Glacis liegenden Gegenminen ist. Laufen die Horchgänge der letzteren 234 Fuß vor den ausspringenden Winkeln in das Feld, so muss man die dritte Parallele 180 Schritt von diesen vorspringenden Winkeln legen, damit sie noch 144 Fuß, oder etwa 60 Schritt von den Spitzen der Horchgänge entfernt bleiben. Damit nun aber diejenigen Batterien, welche früher als die dritte Parallele angelegt waren, noch feuern können, muss man darauf gleich Anfangs Rücksicht nehmen, und die zweite Parallele würde daher in diesem Falle wenigstens 380 Schritt von den vorspringenden Winkeln des bedeckten Weges anzulegen sein. Aus dieser Entfernung der dritten Parallele von den Palisaden geht aber auch hervor, dass eine vierte Parallele nötig wird, ehe man in den bedeckten Weg eindringen kann. Nachdem in dieser Absicht in der dritten Parallele die Demontierbatterien angelegt worden sind, machen diese gemeinschaftlich mit allem hier stehenden Geschütz ein lebhaftes und möglichst gut gerichtetes Feuer, das in dieser Nähe nicht anders als sehr wirksam sein kann. In der Nacht werden dann von den Minierern 2 Schächte, auf jeder Seite der Kapitale einer, 15 Fuß tief eingesenkt, und aus diesem 30 bis 36 Fuß lange Gänge gegen die Horchgänge vorgetrieben, um den feindlichen Mineur behorchen zu können. Um die Aufmerksamkeit des Feindes über der Erde zu fesseln, fängt man einen neuen Laufgrabenschlag vermittelst der ganzen Sappe an, und verfährt dann, wie unter Krönung beschrieben ist, um ohne Besorgnis vor den feindlichen Minen die vierte Parallele auf dem Glacis zu errichten; die Maße dieser sind denen der dritten gleich, doch macht man sie vorteilhaft noch um 2 bis 3 Fuß breiter.

Der Marschall Vauban hat sich der Parallelen zuerst, vor Maastricht 1673, bedient; denn vor ihm wurden die Laufgräben auf jedes angegriffene Bollwerk besonders geführt, indem man sie durch neben und zwischen ihnen liegende Redouten vor den Ausfällen der Belagerten sicherte. Die drei regelmäßigen Parallelen, womit die Belagerung von Ath 1697 geführt wurde, gaben die Veranlassung zur allgemeinen Einführung derselben.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe