Glacis

Glacis

Glacis, oder Feldabdachung. Hat die Krone einer Brustwehr eine Abdachung, die sich allmählich in der Oberfläche der Erde verliert, also keine äußere Böschung, so heißt diese Abdachung ein Glacis. Die Anlage des Glacis muss sehr viel größer sein, als die einer gewöhnlichen Böschung, damit die Schüsse des Feindes nicht zu weit einbohren, und die hinter dem Glacis stehenden Leute jeden Punkt auf demselben beschießen können; man macht daher die Anlage des Glacis 6 bis 12 Ruthen groß, bei Festungen auch bis 15 Ruthen; es läuft, mit dem Graben parallel, rings um die Festung, und kann von den dahinter liegenden Werken auf jedem Punkt bestrichen werden.

Fig. 81 uvwxy e’n’h’b’ ist das Glacis einer Festung. Ausfall durch das Glacis n’.
Fig. 81 uvwxy e’n’h’b’ ist das Glacis einer Festung. Ausfall durch das Glacis n’.

Fig. 74 c’d’ und Fig. 81 uvwxy e’n’h’b’ ist das Glacis einer Festung; es wird in aus- und eingehenden Winkeln geführt; c’de Fig. 74 ist die Brustwehr des Glacis, deren Krone c’d’ sich allmählich in das Feld verläuft. Zwischen der Brustwehr und der Kontreskarpe s Fig. 74, rst Fig. 81, bleibt ein breiter Gang sa’ und rstuvwyx, welcher der bedeckte Weg heißt; an der Brustwehr ist ein Bankett sh’f. Die geradlinigen Teile uv, xy Fig. 81 heißen Äste, Schenkel oder Zweige des bedeckten Weges, die Linien vw und wx heißen Facen des Glacis. In den eingehenden Winkeln, rst, der Äste des bedeckten Weges, bricht man die Brustwehren des Glacis gewöhnlich noch einmal, so dass sie einen kleinen ausspringenden Winkel vwx, oder eine Zirkellinie mn Fig. 83 bildet. Hierdurch, so wie durch das Abrunden der Kontreskarpe vor den Bollwerksspitzen, z. B. bei r und t Fig. 81 erhält der bedeckte Weg geräumige Plätze yue’, tyf, svwx, oder mnopq, h’i’k’l’, Fig. 83, welche Waffenplätze genannt werden. Diese verschiedenen Waffenplätze unterscheidet man durch besondere Namen; diejenigen in den eingehenden Winkeln, wie h’i’k’l’, Fig. 83, heißen eingehende, und die in den ausgehenden Winkeln befindlichen, wie rue’ Fig. 81 heißen ausgehende Waffenplätze. Der bedeckte Weg wird noch durch Palisaden geschützt und durch Traversen, wie h’i’k’l’ Fig. 73.

Waffenplätze mnopq, und h’i’k’l’, Fig. 83.
Waffenplätze mnopq, und h’i’k’l’, Fig. 83.

Die Waffenplätze werden auch durch Tambours wie bei p Fig. 83, oder durch Reduits, q’r’s’ Fig. 84 oder durch Redouten, mehr befestigt und verteidigt. In diesen Waffenplätzen legt man auch die Gänge und Treppen an, aus welchen man aus dem bedeckten Weg in den Graben hinabsteigt, und denselben, wenn er nass ist, über kleine Jochbrücken, oder über Pontons passiert.

Reduits in den Waffenplätzen q’r’s’ Fig. 84.
Reduits in den Waffenplätzen q’r’s’ Fig. 84.

Der Nutzen des Glacis und des hinter ihm befindlichen bedeckten Weges besteht im Allgemeinen darin, den Feind so lange wie möglich im Feuer der Festung, und von den Hauptwerken abzuhalten. Die Waffenplätze im bedeckten Weg dienen dazu, um der Mannschaft, wenn der Feind das Glacis erstürmt haben sollte, einen geräumigen Sammelplatz darzubieten, von welchem aus sie den Feind von Neuem angreifen, und die Äste des bedeckten Weges verteidigen kann, und durch welchen sie ihren Rückzug über den Graben decken können.

Der bedeckte Weg verschafft uns ferner eine sichere Gemeinschaft, auch jenseits des Grabens, mit den verschiedenen Werken rings um die Festung, und erleichtert die Ausfälle der Besatzung. Dazu werden auch Ausgänge durch den bedeckten Weg und das Glacis in schiefer Richtung geführt, um auf das freie Feld gelangen zu können, und diese Ausgänge heißen Ausfälle n’, Fig. 81. Vor denselben kann man eine Traverse, oder eine andere Brustwehr anlegen, um sie zu verteidigen; oder man legt hinter diesem Ausgang, auf dem freien Feld eine Flesche an, und sperrt den Weg durch eine Verpalisadierung.

Dimensionen nach dem neueren System

Wallgang des bedeckten Weges 30 bis 36 Fuß breit, horizontal; Traversen, in einem Abstand von 90 Fuß, 24 bis 36 Fuß lang, 9 bis 12 Fuß dick, 8 Fuß hoch; Umgang um die Traverse, (Crochet) 6 Fuß breit; Face des Glacis 72 bis 90 Fuß lang.

Das Glacis wird zwar am gewöhnlichsten bloß von Erde aufgeschüttet; da jedoch der Feind sich in dasselbe eingraben muss, um sich der Festung nähern zu können, so würde jedes schwer zu bearbeitende Material hier zweckmäßiger sein. Man hat in dieser Absicht Pflanzungen von Strauchwerk, wie: Weiden, Dornen, Wacholder usw. vorgeschlagen, die alle 3 bis 4 Jahre abgehauen werden; oder man hat mehrere Reihen Bäume längs der Kapitalen des bedeckten Weges gesetzt, die allerdings dem Feind beim Führen seiner Sappen, und Anlegen der Breschbatterien sehr hinderlich sind. Erlaubt es jedoch die Beschaffenheit des Bodens, das Glacis von Steinen aufzuschütten, oder hat man Gelegenheit, dasselbe wenigstens 2 Fuß tief zu pflastern, so wird ihm das Einschneiden dadurch ganz unmöglich, und er genötigt sein, wie auf festem Felsboden, die Deckungsmittel, Faschinen, Sandsäcke usw. von weitem herzubringen. Er wird zugleich verhindert, Minenschächte einzusenken, und die Wirkung von etwa hier angelegten Fladderminen wird dadurch bedeutend erhöht. S. umgewandetes Glacis.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Festung und Festungsgeschichte