Anhöhe

Anhöhe am Rabensweg südöstlich von Ossendorf (Warburg)

Anhöhe, im Allgemeinen jede in die Augen fallende Erhabenheit des Terrains, ohne gerade ein Berg zu sein. Nach ihrer Beschaffenheit und Lage erhalten die Anhöhen oft die größte Wichtigkeit für das Gefecht, und sind häufig entscheidend für den Ausgang der Schlacht durch ihren Besitz.

Bei dem Angriff der Anhöhen ist es vor allem wichtig, zu unterscheiden, wie weit die in unserem Besitz befindlichen Punkte und Terrainabschnitte die Übersicht der feindlichen Aufstellung möglich machen. Steht uns diese Übersicht nicht zu, so muss man eine Seitenansicht der Höhe zu gewinnen suchen, um zu entdecken, was für Rückenhalte der Feind etwa auf dem jenseitigen Abhang zu stehen habe; dies geschieht durch Blänker, oder Schleichpatrouillen usw.

Wenn unser Angriff in der Front nicht ganz vorzüglich begünstigt ist, wenn sich die feindlichen Anordnungen ein wenig mehr entwickelt haben, bestimmt man, welcher von beiden der wahre Angriff sein soll. Zugleich muss man wohl berücksichtigen, ob vielleicht die Eigentümlichkeit des Bodens hier und da unbestrichene Räume von dem feindlichen Feuer verursachen.

Das Stürmen der Anhöhen muss mit dem größten Ungestüm geschehen, weil sonst die Nachteile, die hierbei der Angreifer hat, zu groß sind; die Truppen sind sonst zu lange der Wirkung des feindlichen Feuers ausgesetzt, der Anlauf ist ohne den geringsten Nachdruck, und die zurückgeworfenen Truppen sind beim Bergablaufen gar nicht wieder zu sammeln. Aber eben die Bemühung, den Ungestüm hervorzubringen, wird die Leute außer Atem setzen, und ihre Kräfte werden nicht hinreichen, dem nun anrennenden Gegner zu widerstehen; erlaubt es daher das Terrain, so stürmt man in drei geschlossenen Kolonnen. Diese treten in gleicher Zeit an, am Fuße der Anhöhe aber eilt die mittlere so rasch wie möglich voraus. Während diese nun den größten Teil des feindlichen Feuers auf sich ziehen, und oben angelangt, wenigstens einige Zeit dem Feind widerstehen wird, ersteigen die beiden anderen die Höhe, ohne außer Atem zu kommen, und stürzen sich auf den Gegner in dem Augenblick, wo die erstere Kolonne die Flucht ergreifen muss. Teilt aber der Feind seine Aufmerksamkeit auf alle drei Kolonnen, so dringt vielleicht die mittlere sogleich durch.

Bei der Verteidigung von Anhöhen untersucht man zuerst, wo das Ferngefecht, und das Handgemenge vorzüglich begünstigt wird, ob es einzelne Pfade oder Schluchten gibt, wo sich der Feind unentdeckt oder ohne Gefahr nähern kann, ob Gelegenheit für die Tätigkeit unserer Reiterei da ist, und wie man sein Geschütz platzieren könne, um dem Feind nicht nur in der Ferne, sondern auch noch kurz vor dem Handgemenge zu beschießen. Hieraus werden sich die Punkte ergeben, welche vorzüglich zum Kampfplatz gemacht werden müssen, ob Fuß, Abhang oder Kamm der Höhe. Während die zerstreute Feuerlinie das Gefecht annimmt, setzt man seine Massen, und sein Geschütz für diese Punkte in Bereitschaft. Ist die Anhöhe kahl, so stellt man seine Massen hinter den Kamm; erst wenn der günstige Augenblick zum Handgemenge gekommen ist, stürzen sie sich, nach einer wohlgezielten Salve, in den Feind. Dabei teilt man sie in zwei oder mehrere Haufen, von denen nur einer zuerst auf den Feind anzurennen bestimmt, und die übrigen schussfertig erwarten, welcher der Erfolg ist, aber auch, wo es sich tun lässt, ihr Feuer so lange fortsetzen, bis die Anlaufenden den Gegner erreicht haben, worauf sie dann zum Rückhalt dienen, oder den günstigen Erfolg vervollständigen helfen. Die Verfolgung wird nächst der Reiterei und der zerstreuten Feuerlinie überlassen. Sind aber deckende Terrainhindernisse vorhanden, so muss der Tummelplatz nicht auf dem Kamm bestimmt werden, sondern man macht dem Feind mit Nachdruck jeden Schritt streitig, verdirbt die ihm günstigen Stellen, und konzentriert die Feuerwirkung gegen diejenigen Punkte, wo die Massen des Gegners debouchieren müssen. Die Reserven verteilt man so, dass sie allen den Punkten von vorn oder von der Flanke zu Hilfe eilen können, welche der Feind in Masse erstürmen will.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Das Foto oben zeigt die Anhöhe am Rabensweg südöstlich von Ossendorf (Warburg), die am 31. July 1761 in der Schlacht bei Warburg den linken Flügel der französischen Stellung bildete. Um das Wäldchen auf der Anhöhe herum standen die Brigaden Bourbonnais (Front nach Westen und Nordwesten, Richtung Ossendorf), La Couronne (Front von Nordwesten bis Nordosten, Richtung Menne), Jenner und Planta (Front nach Nordosten, Richtung Dössel) mit jeweils vier Bataillonen. Der Angriff der alliierten erfolgte von Ossendorf aus in den Rücken der französischen Stellung, mit dem Ziel, dem Gegner den Rückzug über die Diemel bei Germete abzuschneiden.

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