k.k. Generalmajor Georg Heinrich Freiherr von Scheither

Georg Heinrich Freiherr von Scheither, k. k. Generalmajor und Kommandeur des Militär-Maria-Theresien-Ordens, einer der umsichtigsten und kühnsten Parteigänger der österreichischen Armee, wurde im Jahr 1772 zu Hannover geboren und trat, nachdem er in der hannoverschen Armee mehrere Jahre mit Auszeichnung gedient hatte, im Jahr 1799 in die österreichische Armee, wo er als Rittmeister bei den Stabsdragonern seine Einteilung erhielt und bald darauf, nämlich am 4. Oktober bei Höchst und am 5. an der Nidda mit Bravour kämpfte. Besonderer Erwähnung wert ist sein Verhalten bei der Besetzung und Verteidigung des Odenwaldes im Oktober desselben Jahres. Mit nur wenigen Berufssoldaten gelang es ihm, die aufständischen Bauern in der kürzesten Zeit derart militärisch zu organisiren, dass er den Gegner mehrere Male angreifen konnte und dies mit günstigem Erfolg tat. Als kühner und unternehmender Offizier betätigte er sich auch im Jahre 1800, namentlich in den Gefechten bei Burgebrach und Nürnberg am 3. und 18. Dezember, wofür er 1801 zum Major bei O’Reilly Chevaulegers ernannt und 1802 mit dem Ritterkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet wurde.

Im Krieg 1805 kommandierte er ein aus seiner Division und einer Schwadron Schwarzenberg-Ulanen bestehendes Streifkorps an der böhmisch-mährischen Grenze. Bei Göding gelang es diesem umsichtigen und tätigen Offizier trotz des Umstandes, dass sein Anmarsch dem Feind verraten wurde, dennoch ein Detachement desselben zu überfallen und einen französischen Oberst, einen Major, einen Rittmeister, einen Premierleutnant und 60 Mann gefangen zu nehmen, wie auch viele Pferde zu erbeuten.

Mit 4. Januar 1806 wurde Scheither zum Oberstlieutenant im Regiment befördert und am 12. desselben Monats zum Generaladjutanten des Feldmarschalls Prinzen Württemberg ernannt. Am 15. September 1808 wurde Scheither, welcher mittlerweile zu Vincent-Chevaulegers transferiert worden war, zum Obersten und Kommandanten des Dragonerregiments Nr. 6 ernannt. Mit diesem Regiment focht er 1809 bei Aspern, wo es ihm gelang, mit kaltblütigster Entschlossenheit eine rasche Attacke in die rechte Flanke des Feindes zu machen, dessen Kavallerie zu werfen und teilweise abzuschneiden. Scheither wurde hiebei verwundet. Auch bei Wagram zeichnete sich das Regiment unter seiner Führung bei dem allgemeinen Kavallerieangriff ganz vorzüglich aus. Die zuerst auf den Feind stoßende Division hätte der Übermacht weichen müssen, wenn nicht Scheither dem Feind in die Flanke und den Rücken gefallen wäre, wodurch dieser beinahe ganz aufgerieben wurde. Wegen dieser kühnen Attacke bezeigten Feldmarschalllieutenant Graf Nostitz und Generalmajor Baron Rothkirch dem Obersten ihre größte Zufriedenheit, besonders aber kamen die Generale Graf Wartensleben und Frelich vor die Front des Regiments und belobten dasselbe mit dem Zusatze, „daß der zehnte Mann die Medaille verdient habe“. Unter den einer besonderen Erwähnung würdigen Offizieren wurde auch Scheither genannt.

Nicht minder umsichtig und tapfer finden wir denselben in dem nun folgenden Feldzug 1812, wo er sich zuerst in der Schlacht von Podubnie am 11. und 12. August hervortat. Am 26. September hatte Scheither das Kommando der ganzen Vorpostenkette von Turisk bis Selec übernommen. Vom Gegner wiederholt angegriffen, warf er denselben jedesmal zurück. Am 29. September wurde Scheither mit seinem und noch einem Infanterieregiment nach Gorodno, dem Schlüssel der Stellung, kommandiert. Die von Scheither getroffenen Dispositionen machten es dem Feind ungeachtet aller Anstrengungen unmöglich, diese Stellung zu nehmen. Erst nachdem zahlreiche Verstärkungen eintrafen, war es den Russen spät am Abend gelungen sich dieses Postens zu bemeistern. Bei dem fechtend angetretenen Rückzug deckte Scheither die Infanterie.

Da man in diesem Offizier schon lange den Mann erkannte, welcher die Eigenschaften eines Parteigängers in vollem Grade besaß, so wurde er nach der Schlacht bei Irabelin (16. November) beordert, mit seinem Regiment, einem Bataillon Infanterie und vier dreipfündigen Kanonen – später stießen zu ihm noch zwei Eskadronen Husaren – die Gegend zu durchstreifen, bei welcher Gelegenheit er auf Abteilungen des gegnerischen Heeres stieß, diese angriff, zurückwarf und einen Offizier, 27 Mann zu Gefangenen machte. Durch diese Gefangenen, dann durch Spione hatte Scheither erfahren, dass das 4. Ukraine’sche Kosakenregiment in Ogorodniki stehe. Er beschloss, dasselbe noch in dieser Nacht (20. November) zu überfallen, brach um Mitternacht auf, traf um etwa 04:30 Uhr Morgens mit seinen durch die schlechten Straßen und den bedeutenden Umweg sehr abgematteten 160 Reitern vor dem Lager des 1200 Mann starken Gegners ein und griff dasselbe an. Die außerordentliche Kühnheit, sowie die Zweckmäßigkeit seiner Dispositionen, die glänzende Bravour von Offizieren und Mannschaften hatten einen vollständigen Sieg zur Folge, bei welchem sechs Offiziere, 363 Mann zu Gefangenen gemacht und einige hundert Pferde erbeutet wurden und der feindliche Kommandant mit 70 Mann auf dem Platz blieben. Dieser mit ebenso viel Klugheit als Entschlossenheit ausgeführte Überfall, ein Wettstreit von Bravour jedes einzelnen Reiters bestimmte Schwarzenberg an Scheither folgendes Schreiben zu richten:

„Mit Vergnügen und wahrer Theilnahme erhielt ich Ihren Bericht über Ihre mit so vieler Klugheit als Kühnheit unternommene Expedition. Da eben ein Courier nach Wien abgeschickt wird, so finde ich die beste Gelegenheit, Ihr besonderes Wohlverhalten dem Kaiser anzurühmen. Ihre Unternehmung trägt zum Ruhme der österreichischen Cavallerie so viel bei, daß ich schon dieserwegen einen Courier nach Wien abschicken würde, um eine so schöne Handlung dort bekannt zu machen.“

Wenn auch über den Rahmen einer biographischen Skizze hinausgehend, verdient das Antwortschreiben Scheither’s hier angeführt zu werden, weil es einerseits von der echt österreichischen Kameradschaft, andererseits von der ritterlichen Denkungsweise desselben Zeugnis gibt. – Das Schreiben lautet im Auszug:

„Wenn ich noch viele Jahre die Uniform dieses Regiments tragen könnte und mit ihr zu Grabe ginge, so würde ich dieses Denkmal als meinen Lohn ansehen und höchst leid wäre es mir, mich vielleicht durch Euer Durchlaucht gnädiges Vorwort und durch die Gnade unseres Monarchen avancirt zu sehen und dadurch meine würdigen Vormänner zu kränken. Da ich ohnehin einer der Aeltesten bin, so wird es mir gewiss eine Gnade sein, wenn Seine Majestät meinen würdigen Vormännern diese Kränkung ersparen. Ich werde auch als Oberst das Vertrauen Eurer Durchlaucht zu rechtfertigen suchen … Ein größeres Glück für uns wäre es gewesen, wenn Euer Durchlaucht meine braven Dragoner gesehen hätten. Sie würden Hunderten die kleine Medaille, an den Estandarten die große Medaille angehängt haben. …“

Auf seinem weiteren Streifzug erfuhr Scheither, dass ein neues Kosaken-Regiment und einige Hundert Jäger zu Pinsk angekommen waren. Er ließ durch einen Rittmeister ein feindliches Pikett von einem Offizier und 40 Kosaken aufheben; selbst setzte er seinen Marsch nach Pinsk fort. Bei seiner Annäherung rückte der Feind (28. November) zur Stadt hinaus und schickte ihm einige hundert Kosaken entgegen; diese wurden sogleich angegriffen und geworfen. Scheither drang in die Stadt, machte sechs Offiziere und 297 Mann zu Gefangenen, nahm ein Spital mit aller Einrichtung, mehrere Magazine und 300 Gewehre dem Gegner ab.

Am 7. Januar 1813 zum Generalmajor mit Vorbehalt des Ranges für dessen damalige Vordermänner befördert, konnte er in der Nacht vom 17. zum 18. September 1813 bei dem Überfall von Freiberg wieder zeigen, was ein kühner und entschlossener Führer vermag. Diese von den Franzosen festgehaltene und für dieselben sehr wichtige Stadt, weil sie die linke Flanke der in Böhmen stehenden Alliierten bedrohte, nahm er den Franzosen weg und machte hiebei einen General und 400 Mann zu Gefangenen. Für diese Waffentat, welche aus eigenem Antrieb unternommen wurde und die späteren Operationen wesentlich förderte, wurde Scheither mit dem Kommandeurkreuz des Militär-Maria-Theresien-Ordens ausgezeichnet.

Nachdem er noch am 21. desselben Monats bei Neuendorf einen feindlichen Überfall zurückwies, wurde er in die 1. leichte Division des Feldmarschalllieutenants Fürsten Moritz Liechtenstein eingeteilt, welche größtenteils zu Streifungen und Deckungen verwendet wurde und Belästigungen im Rücken der feindlichen Armee auszuführen hatte. Hier machte er den Angriff auf Naumburg vom 9. auf den 10. Oktober mit und erwarb sich hierbei dadurch große Verdienste, dass er den sehr gefährlichen Abzug so leitete, dass derselbe ohne große Verluste ausgeführt werden konnte. Im Laufe des Jahres 1813 nahm er noch rühmlichen Anteil an der Völkerschlacht bei Leipzig am 16. und 18. Oktober, focht als Kommandant der 4. Kolonne bei Hochheim am 9. November, besetzte später Neufchâtel und ließ als Kommandant der Avantgarde Chateau de Joux blockieren und beschießen.

Im Jahr 1814 am 7. Januar griff er das unterhalb Besançon liegende, von den Franzosen aufs hartnäckigste verteidigte Dorf Beure an, zwang die Franzosen zur Räumung desselben und schloss nun auch Besançon auf jener Seite ein. Am 28. und 29. Januar warf er die von Auxonne ausgefallene Besatzung in den Platz zurück. Am 30. Januar erhielt er die Bestimmung Châlons an der Saône anzugreifen, rückte am 4. Februar vor diese Stadt, verjagte den dort noch zurückgebliebenen feindlichen Nachtrab, nahm Châlons ein und beschloss nach Maçon zu gehen. Hier wurde derselbe aber am 19. Februar von dem über Villefranche vorgerückten Generallieutenant Pannetier angegriffen und nach einem sehr lebhaften aber ungleichen Gefecht zum Rückzug nach Châlons gezwungen. Von hier beordert mit der Avantgarde nach St. Simphorien bei Maçon abzurücken, wurden seine Vorposten am 11. März heftig angegriffen und geworfen. Scheither, welcher Alles aufbot, um dem unerwarteten Angriff zu begegnen, musste, vom übermächtigen Feind verfolgt, den Rückzug antreten.

Außerdem kämpfte er in diesem Jahr in dem siegreichen Treffen von Limonest bei Lyon am 20. März und dem bei Bourogne und Morvillars am 29. Juni. Die Reihe seiner glänzenden Waffentaten beschloss er am 2. Juli vor Montbéliard, welches von den Franzosen befestigt und sowie das feste Schloss besetzt war. Scheither ließ die Stadt angreifen und dabei seine Geschütze so vorteilhaft aufstellen, dass sowohl der Ort als dessen Verteidiger aufs wirksamste beschossen wurden und diese sich bald genötigt sahen, die Stadt zu verlassen und sich auf der Straße nach Besançon zurückzuziehen; auf diesem Rückzug wurden noch viele Franzosen zu Gefangenen gemacht, in der Stadt sieben Kanonen erobert und ziemlich bedeutende Mund- und Schießvorräte gefunden. Leider sollte nach beendetem Feldzug dieser so ausgezeichnete Offizier und umsichtige, tapfere Führer, von welchem die Armee noch große Leistungen zu erwarten berechtigt war, die nun folgenden Friedensjahre nicht lange genießen, da ihn der Tod in der vollen Manneskraft schon am 22. April 1816 ereilte.

Quelle: Bernhard von Poten

Bibliographie

  • Hirtenfeld: Der Militär-Maria-Theresien-Orden (Wien 1877)
  • Plotho: Krieg in Deutschland und Frankreich 1813 und 1814 (Berl. 1817)
  • Plotho: Krieg des verbündeten Europa gegen Frankreich 1815 (Berl. 1818)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine deutsche Biographie, Bd. 30 (Leipzig 1890)
  • Schels: Oesterr. militär. Zeitschrift. 2., 3. Bd. (Wien 1843)
  • Struck: Geschichte des 6. Dragoner-Regiments (Wien 1856)
  • Thürheim: die Reiterregimenter etc. (Wien 1866)
  • Thürheim: Geschichte des 8. Uhlanen-Regiments (Wien 1860)
  • Wurzbach: Biogr. Lexikon des Kaiserthums Oesterreich (Wien 1875)

Fragen und Antworten

Bitte nehmen Sie bei facebook oder im Miniatures Forum Kontakt mit der Redaktion der Military Miniatures Zeitschrift auf, wenn Sie weiterführende Information zum Thema wünschen.

Figuren der Österreich-Ungarischen Armee der Napoleonischen Kriege