Kriegsverluste

Kriegsverluste, die Menschenverluste in den Kriegen durch Waffen wie durch Krankheiten. Absolute Zahlen besagen bei der Beurteilung der Kriegsverluste nichts, es ist zu berücksichtigen: Prozentzahlen in bezug auf die Zahl der wirklichen Kriegs-, bez. Gefechtsteilnehmer, die Zeit, in der die Verluste eintreten, die Art derselben, die Möglichkeit ihrer Einwirkung auf die im Feld stehende Armee und die Weiterführung des Krieges sowie auf die militärischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der Heimat etc. Da diese Verhältnisse in ausgiebiger Weise nur für die Kriege der neuesten Zeit einigermaßen zu beurteilen sind, haben alle Angaben der Schriftsteller über Kriegsverluste im Altertum und Mittelalter etc. sehr wenig wahren Wert. Die Kriegsverluste erreichten im Altertum oft eine sehr beträchtliche Höhe. Auf seinem Zug über die Alpen verlor Hannibal durch fortwährende Kämpfe und beschwerliche Märsche gegen 50 Prozent, die Römer bei Cannä 92 Proz. der Streiter. Von 1758–63 soll Friedrich II. 1500 Offiziere und 186.000 Soldaten eingebüßt haben, während die durchschnittliche Stärke seines Heeres vielleicht ein Drittel bis zur Hälfte dieser Zahl betrug und die Bevölkerung seines Staates während seiner Regierung von 2,5 auf 6 Mill. Menschen stieg. Bei Kolin verloren die Preußen 40, bei Kunersdorf 38 Prozent. Welche Bedeutung für die Kriegsverluste die Krankheiten gewinnen können, zeigen die französischen Zahlen über den Krimkrieg. In diesem starben von 309.268 Mann 95.615, von denen aber nur 10.240, also etwa ein Neuntel, gefallen waren, während die anderen den Pocken, dem Typhus, der Cholera zur Beute wurden. Im deutsch-dänischen Kriege 1864 zählte das preußische Heer 39.200 Mann, von diesen wurden 2443 verwundet, es fielen in der Schlacht 422 und ihren Wunden erlagen 316, außerdem starben 310 an Krankheiten. Im deutsch-österreichischen Krieg zählte das preußische Heer in Böhmen durchschnittlich 280.000 Mann. Die Gesamtzahl der Verwundeten betrug 16.284, davon fielen 2553, an Wunden starben 1519, an Krankheiten 6427, der Gesamtverlust an Toten (einschließlich 785 Vermissten) beträgt 11.284 = 3,1 Prozent. In der Schlacht bei Königgrätz wurden 8534 Mann (360 Offiziere) verwundet, davon fielen 1835 Mann (100 Offiziere). Auf ihre Kopfstärke berechnet, kamen auf die

Die Österreicher waren 350.000 Mann stark, sie hatten 24.096 (928 Offiziere) Verwundete; es fielen in der Schlacht und erlagen nachträglich ihren Wunden 8873, infolge von Krankheiten und Verwundungen starben 18.952 Mann (796 Offiziere), abgesehen von 12.361 Vermissten. In einzelnen Schlachten betrug der Gefechtsverlust (einschließlich der Gefangenen):

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 überschritten die französische Grenze 33.101 Offiziere etc. und 1.113.254 Mannschaften, in der Heimat gehörten dem Heer an 9319 Offiziere etc. und 338.738 Mannschaften. Die Durchschnittskopfstärke betrug 788.213. Die Gesamtzahl der Verwundungen war 116.821 = 14,8 Prozent, die Zahl der Gefallenen 17.255 und die Zahl der später Gestorbenen 11.023, zusammen = 3,6 Prozent. An Krankheiten starben 14.904, der Gesamtverlust durch Tod 43.182. Als Kriegsinvaliden wurden bis 1884 anerkannt 69.895 Unteroffiziere und Mannschaften. Französischerseits fehlt jeder Bericht. Nach ungefährer Berechnung sind 1.400.000 Mann gegen die deutschen Heere aufgestellt worden, und nach Levasseur sollen 139.000 französische Soldaten gefallen sein. Bei Weißenburg fielen 23 Prozent der Division Douay, bei Wörth 21 Prozent, bei Metz bis zur Kapitulation 25 Prozent. Nach dem Vorgang von Ploennies-Weygandt (»Die deutsche Gewehrfrage«, Darmst. 1871) führte auch Meckel (»Grundriß der Taktik«, 4. Aufl., Berl. 1897) für die neuere Zeit zum Beweis, dass trotz der gesteigerten Treffähigkeit und Wirkung der Feuerwaffen die Schlachten nicht blutiger geworden seien, an, dass im Siebenjährigen und in den Napoleonischen Kriegen die Verluste an Toten und Verwundeten 25–50 Prozent betrugen und 1870 auf deutscher Seite sich folgendermaßen stellten: Bei Weißenburg-Wörth 12.914, bei Spichern 4871 (18 Prozent), bei Colombey-Nouilly 4907, bei Vionville-Mars-la-Tour 15.799 (22 Prozent), bei Gravelotte-St.-Privat 20.173 (10 Prozent), bei Sedan 8931 (4,5 Prozent). Über die Verluste durch Krankheiten vgl. auch Heereskrankheiten. Vgl. Berndt, Die Zahl im Kriege. Statistische Daten aus der neuern Kriegsgeschichte in graphischer Darstellung (Wien 1897).

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe