Brückenschanze

Brückenschanze

Brückenschanzen werden angelegt, um in Gegenwart des Feindes entweder sich sicher über einen Fluss zurückzuziehen, oder über denselben, nach der Seite des Feindes zu, gehen zu können. Sie müssen 1) die Brücke gegen feindliche Schüsse decken, 2) geräumig genug sein, damit das Fuhrwerk ohne Aufenthalt durch dieselben kommen kann; 3) eine solche Figur haben, dass die am Fluss liegenden Werke die ganze Brückenschanze bestreichen und verteidigen.

Die Brückenschanze ac Fig. 4 hat diese Eigenschaft; die Größe der Linien ist in Schritten in der Figur ausgedrückt. Eine solche Schanze ist sehr gut an einem Ort angelegt, wo natürlich Hindernisse die Flanke decken, wie hier die rechts durch einen Bach, welcher durch einen angelegten Damm gehemmt ist, gesichert wird. Weiter vorwärts bei z und weiter links ist ein offenes Werk angelegt. Diese Werke werden beim Rückzug mit Kanonen besetzt, welche den Feind abhalten, nahe zu kommen, und über die letzten wenigen Truppen herzufallen. Sind diese erst in der Hauptverschanzung, so decken andere Kanonen den Rückzug dieser; deswegen ist die Entfernung nicht über die Kartätschenschussweite vom Hauptwerk. Die Brückenschanze ac wird nun von der Batterie b und e verteidigt. – Beim Übergang, dienen solche Werke, wie bei z angezeigt, dazu, den Feind so lange abzuhalten, bis erst mehrere Truppen übergegangen sind. Alsdann sind aber diese Werke erst in der Nacht aufgeworfen, und die Hauptverschanzung ac ist noch nicht da, oder wird erst jetzt gemacht. Die Verteidigung der Hauptverschanzung an sich geschieht, wie bei anderen Schanzen; nur ist hier bei einem Rückzug einer Armee noch zu bemerken, dass die Gräben der Brückenschanzen, und vorzüglich auch die Eingänge in dieselben mit Stroh, Bomben, Holz, Brandkugeln etc. gefüllt werden. Diese zündet man an, wenn die letzten Truppen schon über die Brücke gehen, und der Feind aufdringt, um die Brücke, oder die Pontons zu ruinieren, oder noch die letzten Detachements abzuschneiden. Auch können Fladderminen vor den Eingängen unter den hier gemachten Barrikaden von großem Nutzen sein, wobei denn zugleich die Batterien b und e mit Kartätschen feuern.

Soll eine wichtige Brücke von einem Korps, während die Armee vorgeht, gedeckt werden, so umgibt man sie mit einer ähnlichen Verschanzung, wie ac; ist das Korps stärker als die Besatzung dieser Schanze erfordert, so legt man an einer Seite nahe am Fluss noch eine starke Redoute an, welche zugleich diese Schanzen verteidigen. Diese Redoute, wie die Schanzen, werden mit Palisaden und Wolfsgruben umgeben; sie stehen durch Gräben mit einander in Verbindung. – Auf den Fluss werden ein Paar Flöße oberhalb hinter einander gelegt, und auf diesen wird eine kleine hölzerne Brustwehr errichtet. Immer ist auf diesen Flößen eine Wache; sie hat Stangen, Seile, Gabeln etc., damit sie die ankommenden Feuerschiffe, Holzflöße etc. aufhalten, und die Brücke gegen dieselben sichern kann. S. auch hierüber Pontonbrücke.

Brückenschanze mit halben Redouten

Soll ein steinerne oder hölzerne Brücke gegen feindliche Detachements, die sie abwerfen könnten, in Verteidigungszustand gesetzt werden, so geschieht dies am besten durch halbe Redouten, wie Fig. 6.

Beim Angriff solcher Brückenschanzen gilt alles wie bei den übrigen Schanzen; da aber die Hauptsache immer die Beschädigung der Brücke ist, so muss man darauf vor allen Dingen seine Aufmerksamkeit verwenden. Dies geschieht sowohl durch Feuermaschinen, als durch sehr große an einander befestigte Bäume, und durch eine Menge anderes Holz. Je schwerer diese Massen sind, desto eher werfen sie alles über den Haufen; je mehr Holz nachfolgt, desto eher verursacht dies eine Hemmung. Hätte man auf den Flößen brennbare Dinge, Holz und Stroh, welche man anzündet, oder auch an den Seiten Brandkugeln mit Mordschlägen und dergleichen, so würde diese um so besser sein. Während diese Dinge ankommen, muss die Brückenschanze von beiden Seiten angegriffen werden; von der einen Seite mit Nachdruck, und von der anderen nur zum Schein.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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