Schanze (Feldschanze)

Schanze auf dem Schellenberg bei Donauwörth

Schanze, ist der allgemeine Begriff für eine jede künstliche Einrichtung, wo man sich durch Brustwehr und Graben gegen feindliche Angriffe decken will; man nennt jedoch so hauptsächlich die Feldschanzen, da die bei den Festungen aufgeworfenen Schanzen verschiedener Art, gewöhnlich Werke heißen.

Die Schanzen sind entweder in ihrer Kehle offen, oder ringsum geschlossene; ferner haben sie entweder bloß ausspringende Winkel in ihrem Umriss, oder sie bestehen bloß aus einer geraden Linie, oder sie haben aus- und einspringende Winkel. Die ringsum geschlossenen Schanzen mit bloß ausspringenden Winkeln begreift man unter dem allgemeinen Namen Redoute, obgleich dieser Ausdruck hauptsächlich von den vierseitigen gebraucht wird; zu den Schanzen mit bloß ausspringenden Winkeln kann man auch die runden Schanzen rechnen, wenn man sie als ein Vieleck von unendlich vielen Seiten betrachtet; sie sind ferner zweiseitige, die den besonderen Namen Flesche führen, dreiseitige, vier-, fünf-, sechs-, siebenseitige usw. Schanzen mit aus- und einspringenden Winkeln heißen gewöhnlich Sternschanzen, und nach der Zahl der ausgehenden Winkel vierecke, fünfeckige usw.

Eine besondere Art von Schanzen sind die Batterien oder Geschützverschanzungen, welche mit Schießscharten versehen werden; diese letzteren findet man in den Feldschanzen seltener, da hier gewöhnlich über Bank gefeuert wird, wegen der notwendigen verschiedenen Richtungen der Geschütze. Auch kann man die Blockhäuser, Kaponnieren und dergleichen mehr zu den Schanzen rechnen; zur Verstärkung der Schanzen dienen allerlei Arten von Hindernissen.

Wenn ein größerer Raum des Geländes durch Schanzen gesichtert werden soll, ohne gerade eine Festung anzulegen, so heißt das Ganze der hierzu aufgeworfenen Schanzen, sie mögen nun zusammenhängende Linie bilden, oder aus mehreren abgesonderten Schanzen bestehen, eine Verschanzung. Nach dem Gegenstand, welchen eine Schanze verteidigen soll, nennt man sie auch Bergschanzen, Brückenschanzen usw. S. alle diese Artikel.

Brustwehr, Bank, und Graben

Die Hauptteile an jeder Schanze sind: die Brustwehr, Fig. 13 htbkn, mit der Bank dfth, und der Graben norq; die Dicke der Brustwehr, die Breite der Bank und des Grabens, heißt ihr Profil. Von den Dimensionen dieser Teile, und wie die Schanzen für bestimmte Gegenstände des Terrains angelegt werden, wie für Berge, Brücken, Furten, Dörfer, Häuser etc., si. die dazugehörigen Wörter.

Eine Schanze von schwachem Profil kann in acht Stunden aufgeführt werden, wenn man auf jeden Schritt der mittleren Länge des Grabens vier Arbeiter hat, und die Hälfte davon alle 2 Stunden sich ablöst. Eine Schanze von starkem Profil erfordert doppelte Zeit; hierbei ist aber angenommen, dass die Abdachung entweder mit schon fertigen Faschinen, oder an der Innenseite bis auf 2,5 Fuß Höhe von der Bank, mit einem schlechten Zaun ausgeführt wird, von dem aber das Buschwerk durch andere Leute und mit Wagen herbeigeschafft ist. Die Bekleidung an der Innenseite mit Rasen erfordert 1/2 Tag längere Zeit, und einen ganzen Tag, wenn sie auch äußerlich geschehen soll.

Ein Mann kann täglich 200 Kubikfuß Erde ausgraben, und sie einige Fuß hoch, und zur Seite aufwerfen; da aber bei der Aufführung einer Schanze selten die Erde von dem Mann, der sie ausgräbt, dahin geworfen werden kann, wo sie liegen muss, so werden auf jede 200 Kubikfuß 2 Mann, also auf jede 100 Kubikfuß täglich 1 Mann erfordert. An Handwerkzeug muss man zur Aufführung einer Schanze haben: Auf jeden Mann 1 Spaten, auf den vierten bis achten Mann eine Kreuzhacke, um das harte Erdreich loszuhacken, einige Schlägel, Beile, Latten, Nägel, Trassierlinien, oder statt derselben Strohseile oder Lunten und einen Maßstab. Will man die Schanze sehr genau machen, so werden auch Richtscheite und Wasserwaagen erfordert. Eine Hauptsache ist, einige Schleifsteine zu haben, um die Spaten und Beile immer wieder zu schärfen. Vom Trassieren der Schanzen s. Trassieren.

Damit keine Unordnung unter den Leuten beim Arbeiten entsteht, teilt man den Graben in mehrere Abteilungen von 6 zu 6, oder von 12 zu 12 Schritt, und die Leute in eben so viele Abteilungen, welche jeden von einem Unteroffizier oder Gefreiten kommandiert wird. Hat man auf jeden Schritt der Länge des Grabens mehr als 2 Arbeiter, so teilt man jede Abteilung wieder in 2 Unterabteilungen, welche einander ablösen. Die Unteroffiziere unterrichtet man, wie die Arbeit geschehen soll; man zeigt ihnen nämlich die Trasse an, welche die obere Breite des Grabens bestimmt, und sagt ihnen die untere Breite des Grabens; ist ihnen dies bekannt, so werden sie sich schon selbst zu helfen wissen. Schiebt man die untere Breite des Grabens überdies etwas schmäler an, als sie sein soll, so kann man sich immer helfen, und einen etwa gemachten Fehler leicht verbessern.

Brustwehrprofil von Latten

Damit die Leute gleich wissen, wie sie die Brustwehr aufführen müssen, erreichtet man da, wo sie hinkommen soll, an verschiedenen Orten ein Frofil von Latten wie Fig. 23. Beim Errichten dieses Profils braucht man einen Pendel und Maßstab, um die Abdachung genau zu machen. Soll z. B. die Anlage der Abdachung, bc auf der Höhe von 4 Fuß, 2 Fuß betragen, so schlägt man die Latte ab zuerst senkrecht ein, und lässt an ihr den Pendel herunter, um zu sehen, ob sie auch wirklich senkrecht ist; dann schlägt man die Latte ac so, dass ab 4 Fuß und bc 2 Fuß beträgt. Hierbei muss man aber danach sehen, dass die Profile an einer Seite in der Abdachung in gerader Linie stehen. Damit die Brustwehr oben eben wird, so muss man zuerst an den Ecken die Profile errichten, und die Höhe der übrigen Profile so machen, dass sie mit diesen in eine Linie kommen. Bei bleibenden Werken von einer Festung misst man die Linie mit der Wasserwaage ab, damit die Brustwehr allenthalben auf der Krone eine Horizontallinie ausmacht. Über den Bau der Brustwehr s. Brustwehr. Eine Schanze auf dem Papier zu Zeichnen, s. Grundriss und Profil.

Um eine Schanze mehr vor dem feindlichen Angriff zu sichern, macht man außer dem Graben, noch andere Hindernisse, wie: Palisaden, Sturmpfähle, Wolfsgruben, Verhaue, Überschwemmungen, Fladderminen usw. Bei einzelnen Schanzen, zumal wenn sie ohne Seitenverteidigung sind, muss man zuerst Palisaden, und dann Verhaue oder Wolfsgruben anbringen; bei mehreren Schanzen, die einander verteidigen, macht man zuerst Verhaue, und dann Palisaden. Kann man eine Schanze nicht früh genug ganz fertig erhalten, so lässt man gleich während der Arbeit um dieselbe eine Barrikade von Eggen, Dornengebüschen, Wagen, Rädern, Bäumen etc. machen, und bringt dazwischen noch Gräben an, in welche spitze Pfähle gegen den Feind zu eingeschlagen werden; erst nachher macht man Palisaden. Fladderminen haben den Vorteil, dass sie schon ohne unser Feuer den Feind zurückhalten; Überschwemmungen ebenfalls, und kann man dergleichen anbringen, so macht man gleich beim Anfang der Arbeit Anstalten dazu. Die Fladderminen legt man aber erst dann an, wenn die Schanze und die übrigen Hindernisse bereits ganz fertig sind. Innerhalb der Schanze wird ein Magazin für die Munition angelegt.

Viereckige Redoute

Die Größe der Schanze hängt von der Anzahl der Mannschaft ab, welche sie besetzen soll. Soll sie z. b. für 300 Mann gemacht, und wie gewöhnlich in 2 Gliedern besetzt werden, so wird sie im Umfang so groß, wie 300 Mann in 2 Gliedern Front haben, also 300 Fuß, denn jede Rotte hat 2 Fuß Front; d. h. die innere Seite der Brustwehr, woran die Leute stehen, muss 300 Fuß im Umfang haben. In einer viereckigen Redoute, in welcher die Besatzung, welche nun ringsum eingeschlossen ist, kampieren soll, muss für 300 Mann jede Seite 100 Fuß lang sein, oder wenigstens 90 Fuß; sonst haben 300 Mann darin nicht Platz. Man rechnet gewöhnlich 18 Quadratfuß für einen Mann (in einem Blockhaus nur 16) und dies erfordert also für 300 Mann 5400 Quadratfuß. Eine viereckige Redoute, deren Seite 90 Fuß hat, enthält aber 8100 Quadratfuß: diesen übrigen Raum von 2700 Fuß muss man indessen für die ringsum laufende Bank der Brustwehr und andere Raum wegnehmende Umstände rechnen. Soll die Brustwehr nur mit einem Glied besetzt werden, so kann in einer Redoute, die 60 Schritt zur Seite hat eine 150 Mann starke Besatzung schon gemächlich kampieren. Soll die Schanze noch außerdem mit Kanonen besetzt werden, so muss man auch hierauf rechnen; ein 12pfündiges Geschütz bedarf 216 Quadratfuß an Raum. Zu Schanzen, welche unter 500 Fuß im Umfang haben, ist eine Figur vorteilhafter, als die viereckige gewöhnliche Redoute, Fig. 20 aefb; nur müssen bei ihr die Winkel etwas abgestumpft werden, wie es hier an der Linie fb geschehen ist; doch soll diese abgestumpfte Seite cf bei kleinen nur 8 und bei großen nur 16 Fuß betragen. Zu Schanzen, welche mehr als 500 Fuß im Umfang haben, eignet sich die sogenannte Kreuzredoute vor allen anderen am besten. Sie besteht aus 4 halben Redouten, wo ebenfalls die Winkel abgestumpft sind. Fig. 2.

Die Verschanzungen größerer Linien sind entweder zusammenhängend oder abgesondert. Wird die erstere Art bloß von Infanterie besetzt, so ist eine Verschanzung mit ein- oder ausspringenden Winkeln, Fig. 26, am vorzüglichsten; aber die einspringenden Winkel, wie adc und cbe dürfen nicht über 120, und nicht unter 90 Grad sein; ferner dürfen die Seiten ad, dc, cb etc. nicht viel unter und über 150 Schritt lang sein; über diese Distanz kann keine Artillerie eine Brustwehr gegen vorbeilaufenden Feind verteidigen. Wenn Infanterie und Artillerie zusammen, wie dies gewöhnlich ist, eine solche Verschanzung verteidigen soll, so muss man die beiden obigen Sätze mit einander vereinigen, wie es in Fig. 9 geschehen ist. Das Werk ab verteidigt mit Kanonen die 500 Schritt lange Linie ce, und die Infanterie bei c, g und h verteidigt die Linien eg, gh und he. Dieses Werk wird folgendermaßen errichtet: ad sei ein Teil der zu verteidigenden Linie; in a errichtet man eine halbe 4eckige Redoute, deren äußere Seite aber doch nur 14 Schritte groß ist; auf den Seiten rechts und links errichtet man eine senkrechte Linie wie ce, von 500 Schritt, bei g und h aber eine Flanke, so dass cg=200, gh=175 und he=125 Schritt, jede Flanke aber 40 Schritt lang ist; die Seite der Redoute wird 80 Schritt. Bei dieser Einrichtung kommt etwa von 850 zu 850 Schritt eine solche halbe Redoute. Vor diesem Werk ist ein Graben, etwa 40 Schritt vor demselben sind 3 Reihen Wolfsgruben. Die Artillerie ist in der Redoute ab, und verteidigt die ganze Linie ae; sie nimmt den Feind in die Flanke, wenn er die Wolfsgruben passiert; die Infanterie in cg, gh, und hc und in den Flanken beschießt den Feind kreuzend, wenn er die Wolfsgruben passiert, und an den Graben kommt. Wenn die halbe Redoute ab mit Palisaden geschlossen ist, so kann man sich in derselben so lange verteidigen, bis der vielleicht hier und da eingedrungene Feind wieder zurückgetrieben ist.

Soll man ein Terrain durch einzelne Schanzen befestigen, welches immer besser als mit zusammenhängenden Linie ist, so legt man von 500 zu 500 Schritt viereckige Redouten an, wie Fig. 10, die Redouten I, III und VI, wo nach dem Feind zu die Winkel abgestumpft sind. Jede Redoute wird für 400 bis 600 Mann, in 2 Gliedern, eingerichtet; 30 bis 40 Schritt vor den Redouten legt man, wie die Figur zeigt, Wolfsgruben an, in den Gräben Palisaden, und in der Mitte zwischen zwei Redouten, weiter vorwärts, 2 Reihen Wolfsgruben, welche fast so lang, wie die Redouten von einander entfernt sind. Will man noch mehr Werke anlegen, so legt man zwischen der ersten Reihe Redouten, jedoch weiter zurück, eine zweite Reihe an, wie II, V, so dass man von denselben mit Kartätschen gegen den Feind schießen kann, ohne jemanden in den Redouten der ersten Reihe zu beschädigen; die Verlängerung der vorderen Seiten der Redouten in der ersten Reihe, müssen also hinter die Redouten der zweiten Reihe auf 20 bis 30 Schritt fallen; diese haben ihre Wolfsgruben nahe vor sich. Bei dieser Verschanzung kann die Infanterie sowie die Artillerie die möglichste Verteidigung leisten; die hinteren Seiten der Redoute werden mit Palisaden, wie ein Tambour, geschlossen, welches sehr viel Arbeit erspart.

Es versteht sich von selbst, dass bei allen diesen Verschanzungen von größeren Linien, die gegebenen Bestimmungen der Länge und Entfernung, nach verschiedener Beschaffenheit des Terrains, einige Abänderungen erfährt. S. auch Verschanzungen.

Die Eingänge der Schanzen ohne Kanonen, macht man 4 Fuß breit, und führt sie schräg oder mit einer Wendung in die Brustwehr; mit Kanonen wird der Eingang 8 Fuß breit. Hinter dem Eingang, 12 Fuß entfernt, macht man eine gerade, oben 6 Fuß breite Brustwehr, und setzt in den Eingang spanische Reiter oder Palisaden. Bei größeren Verschanzungen muss ein Eingang wenigstens 9 Fuß breit sein; sollen aber Truppen während des Angriffs heraus und hineinmarschieren, so sind 20 bis 40 Fuß erforderlich. Gut ist es auch, wenn man bei dem Eingang einen Graben macht, und darüber Bretter oder Balken legt, die man beim Angriff in den Graben werfen kann. Wegen des jetzt häufigen Gebrauchs des schweren Geschützes, und vorzüglich wegen der Haubitz-Granaten, sind in jeder etwas bedeutenden Schanze Traversen nötig.

Bei der Verteidigung einzelner Schanzen lassen sich die Kanonen derselben nie mit den feindlichen ins Feuer ein; sie fahren von der Bank, während der Feind feuert. Nur erst, wenn die feindlichen Truppen auf 600 Schritt nahe kommen, fangen sie an, sogleich mit Kartätschen zu feuern; diese Weite von 600 Schritten ist vorher mit Stäben bemerkt; ihr Feuer wird jetzt um so wirksamer sein, da ihnen kein Dampf die Aussicht nimmt, und die Leute noch nicht ermüdet sind. Die Infanterie steht während der feindlichen Kanonade am Fuß der Bank und triff auf diese, wenn der Feind auf 250 Schritt nahe ist; auch diese Weite ist mit Stäben abgesteckt; jede Seite einer Schanze ist in zwei Abteilungen geteilt, welche abwechselnd feuern. Ist der Graben mit guten Palisaden versehen, oder sind vor dem Graben Wolfsgruben und Verhaue, so feuert man nicht eher, als bis dr Feind diese Hindernisse passieren will. Kommt der Feind in den Graben, so wirft man Bomben und Granaten mit brennenden Brandröhren, oder lederne Beutel mit 1,5 bis 2 Pfund Pulver gefüllt, und sehr kurzen Brandröhren, in denselben; zugleich empfängt man ihn mit auf lange Stangen gesteckten Bajonetten; will der Feind die Brustwehr ersteigen, so springt man hinauf, um ihn mit dem Bajonett zu empfangen; doch darf dies nur dann geschehen, wenn der Feind sich ganz oder schon meistens in den Graben geworfen hat. Um desto sicherer zu sein, dass dies alles gut ausgeführt wird, und dass die Leute sich verstehen, kann man die Schanze vorher durch eigene Leute, welche den Feind darstellen, angreifen lassen, und auf diese blind feuern, nachher die Brustwehr ersteigen etc. Hat man mehr Leute in der Schanze, als zu deren Besatzung in 2 Gliedern nötig ist, oder kann man mehr erhalten, so stellt man in den Graben hinter die Palisaden ein oder besser zwei Glieder, welche sich plötzlich zeigen, und feuern, wenn der Feind an die Palisaden kommt. Dieses und das Feuer von der Schanze wird mörderisch sein, und der unvermutete Anblick den Feind gewiss zum Rückzug bringen.

Will der Feind die Brustwehr ersteigen, so müssen die Offiziere die ersten auf der Brustwehr sein, um den Leuten Mut zu machen. – Gegen einen nächtlichen Angriff muss immer ein Teil der Mannschaft an der Brustwehr unterm Gewehr sein, und man zieht auf 300 Schritt vor der Schanze eine Kette von Schildwachen; weiter hin, besonders im Rücken, platziert man an vorteilhaften Orten noch Horchposten. Fünfzig Schritt vom Graben hat man unter einem Dach trockenes Holz und Stroß, welche angezündet werden, sobald der Feind kommt; auch im Graben kann man Stroh und Heu bereit haben, und es anzünden.

Beim Angriff einer Schanze überfällt man sie entweder, und verhält sich dann ganz wie beim Überfall eines festen Postens, oder man greift sie mit offener Gewalt an, und zwar, bei Nacht, wenn man keine Kanonen und Haubitzen hat, und wenn die Schanze bald unterstützt werden kann. Der Angriff geschieht am besten um Mitternacht, in so viel Abteilungen, wie die Schanze Seiten hat; außerdem geht eine Abteilung gegen die etwa anrückenden feindlichen Hilfstrupps. Die Abteilungen suchen unentdeckt einzudringen; werden sie entdeckt, so laufen sie, so geschwind sie können, bis an die Schanze, und suchen durch den Eingang, oder durch den Graben, im ersten Augenblick hinein zu kommen. Gewöhnlich glückt dies, wenn die Besatzung nicht recht wachsam ist. Jede Abteilung hat indessen Zimmerleute mit Äxten, Leute mit Brettern und Leitern bei sich, um die Palisaden wegzuräumen etc. Niemand darf hierbei geladen haben.

Kann man auf diese Art die Schanze nicht mit Überfall und Sturm erobern, so muss man einen förmlichen Angriff machen. Dann wird die Schanze vorher mit Haubitzen und Kanonen beworfen und beschossen; man fährt etwa auf 900 Schritt von der Schanze auf, und fängt nun an zu rikoschettieren, so dass etwa der 3. bis 4. Aufschlag in die Schanze reicht. Mit den Haubitzen wirft man aus dem 20. Grad Granaten, deren Brandröhren so eingerichtet sind, dass sie krepieren, wenn sie die Schanze eben erreichen; in diesem Fall nähert man sich aber auf 700, und wenn kein schweres Geschütz in der Schanze ist, bis auf 500 Schritt. Hat man feindliches Geschütz gegen sich, so müssen unserer Kanonen wenigstens 30 Schritt von einander entfernt sein. Nachdem man einige Stunden die Schanze mit mehreren Geschützen beschossen hat, so nähert man sich ihr, wenn sie Geschütz hat, auf 600 Schritt, sonst auf 400 Schritt mit seinen zerstreuten Kanonen, und feuert nun mit Kartätschen so geschwind wie möglich.

Nach ungefähr 30 Schüssen aus jedem Stück, rückt Infanterie, die bisher seitwärts, ungefähr 900 Schritt von der Schanze stand, gegen dieselbe in so vielen Abteilungen, wie sie Seiten hat, an, ohne zu feuern, und die Artillerie geht nun zurück. Jede Abteilung besteht aus drei Unterabteilungen; die erste ist bestimmt, die Brustwehr zu ersteigen, die zweite, die Hindernisse wegzuräumen; sie hat Äxte, Spaten, Leitern, Nägel zum Vernageln der Kanonen, und Faschinen, in welchen Bäume sind, damit sie sich nicht umbiegen; die dritte Abteilung feuert, während die erste und zweite sich durch die Wolfsgruben arbeiten, in den Graben springen, und die Brustwehr ersteigen. Diese Abteilungen dürfen nicht feuern; das Ersteigen der Brustwehr geschieht an den Ecken, wobei die Offiziere die ersten sind. S. auch Verschanzung und Lager.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Geschlossene Feldschanze (Redoute)

Schanze (Feldschanze), mit Mitteln der Feldbefestigung hergestellte Verteidigungsanlage, im Feld-, Festungs- und Etappenkrieg verwendet, entweder auf allen Seiten geschlossen (Redouten) oder an der Kehle offen, von Fleschen-, Halbredouten-, Lünetten-, meist aber ganz unregelmäßiger, dem Gelände sich anschmiegender Form.

Während man früher auch Artillerie in den Schanzen verwendete, führte man sie in den letzten Jahrzehnten nur noch für Infanterie aus (Infanteriefeldwerke, leichte Feldwerke), kam aber bis zum südafrikanischen Krieg mehr und mehr von ihrer Verwendung ab und wollte sich in der Hauptsache nur mit Schützengräben begnügen.

Der Burenkrieg und der russisch-japanische Krieg haben aber gezeigt, dass die Schanze für die Verteidigung einer Stellung von hohem Wert sein kann, wenn sie Eindeckungen gegen feindliches Artilleriefeuer enthält und mit wirksam vom Feuer des Verteidigers bestrichenen Hindernissen umgeben ist. Es werden daher vor der zur Deckung gegen Sicht möglichst niedrig zu haltenden Brustwehr ein Graben und in diesem sowie davor Draht- und sonstige Hindernisse, im Innern in und hinter der Feuerlinie Eindeckungen gegen das Steilfeuer feindlicher Artillerie gebaut. Festungswerke tenaillierten Grundrisses hießen früher Sternschanzen. Schanzen auf Schiffen, s. Kampanje.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Bibliographie

  • Wagner, Eduard: Tracht, Wehr und Waffen im Dreißigjährigen Krieg (Prag 1980)

Fragen und Antworten

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