Kartätschen

Kartätschen sind kleine massive eiserne Kugeln, welche teils gegossen, teils aber auch, und zwar diejenigen, die für den Feldgebrauch bestimmt sind, geschmiedet werden, wodurch sie mehr Schwere, Härte und Glätte erlangen, und nicht so leicht zerspringen, wenn sie an harte Gegenstände anschlagen. Die 2, 3, 6 und 12lötigen Kartätschen sind zum Feldgebrauch bestimmt; in Festungen hat man aber auch noch außerdem 4, 8, 16, 24lötige, 1 und 1½pfündige. Sie werden in Kartätschbüchsen gefüllt, welche jetzt aus schwarzem Eisenblech verfertigt werden, und die auf der einen Seite mit einem hölzernen Zylinder über dem Boden von Blech verschlossen sind. Ist die Büchse voll, so wird die eiserne Kartätschenscheibe aufgesetzt, und auf diese ein hölzerner Zylinder, Oberspiegel genannt, welcher mit 3 bis 4, bei größeren Kalibern mit 5 bis 8 halben Schlossnägeln befestigt wird; zum Feldgebrauch hat der Oberspiegel 2 Rinnen, um daran die Kartuschen festbinden zu können; das Ganze wird für den Feldgebrauch bei 2 und 3lötigen Kugeln, für 6 und 12pfünder rot, alle übrigen aber schwarz angestrichen. Die Oberspiegel der Haubitzkartätschen sind außerhalb kugelförmig abgerundet, und erhalten keine Rinnen.

Von 2lötigen Kartätschen rechnet man auf den 3pfünder 75, auf den 6pfünder 126 Stück; von 3lötigen auf den 3pfünder 48, auf den 12pfünder 170 Stück; von 6lötigen auf den 3pfünder 24, auf den 6pfünder 41, auf die 7pfündige Haubitze 70 Stück; von den 8lötigen auf den 24pfünder 160 Stück; von den 12lötigen auf den 12pfünder 41, auf die 10pfündige Haubitze 56 Stück; von den 16lötigen auf den 24pfünder 70, auf die 10pfündige Festungshaubitze 48 Stück; von den 24lötigen auf den 24pfünder 48 Stück, und von den 1pfündigen Kartätschen auf den 24pfünder 30, auf die 25pfündige Haubitze 55 Stück.

Aus Ersparnis, oder wegen Mangel an Blech, bedient man sich auch wohl vor Festungen der Beutel von Zwillich, wodurch die sogenannten Beutelkartätschen entstehen. Dieser Beutel wird mit halben Schlossnägeln an den Oberspiegel festgenagelt; in früheren Zeiten wurden die Beutelkartätschen mit Bindfaden umschürzt, und erhielten den Namen Traubenkartätschen.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe