Schleichpatrouille

Schleichpatrouille

Schleichpatrouille, hat den Zweck, sich von dem Dasein des Feindes in einer Gegend zu überzeugen, dessen Stärke zu erforschen, seine Ankunft früher zu erfahren, von der Ausstellung der feindlichen Vorposten sichere Nachrichten einzuziehen, ihm zum Zweck eines Überfalls sein Feldgeschrei abzuhorchen usw. Aus diesen Zwecken geht hervor, dass sich eine Schleichpatrouille niemals in ein Gefecht einlassen, und möglichst heimlich und vorsichtig zu Werke gehen muss; dass sie sich so lange wie möglich unentdeckt zu halten sucht, sie aber von allem, was sie sieht und hört, genau überzeugt. Daher hat sie folgende Regeln zu beachten:

1) Eine Schleichpatrouille darf nie stärker sein, als ein Unteroffizier oder Gefreiter, und 2, höchstens 4 Mann. Bei Tage lässt sie sich nie auf freiem Feld sehen, sondern betritt dieses nur des Nachts; Wälder, Hecken, hohes Getreide usw. werden ihr, so lange es hell ist, überall Schutz genug vor Entdeckung bieten. Alle Dörfer und bewohnten Orte muss eine solche Patrouille vermeiden; den nötigen Boten holt sie sich bei Nacht in größter Stille aus einem abgelegenen Haus, und lässt ihn nicht eher wieder fort, als bis er sie nicht mehr verraten kann.

2) Macht das Gelände und die Umstände es nötig, oder während einer finsteren Nacht, so bildet sich die Schleichpatrouille eine Spitze von 1 oder 2 Mann, der die übrigen in einer kleinen Entfernung folgen. Unter allen Umständen aber marschieren die Leute mit Zwischenräumen hinter einander, dürfen einander jedoch nie aus dem Auge verlieren. Wenn die Spitze hält, bleibt alles unbeweglich stehen, um ihr Zeit zur Untersuchung dessen zu geben, warum sie stehen blieb. Hierauf wird sie entweder zur Fortsetzung des Marsches oder zur Unterstützung winken. Niemals darf dabei laut gesprochen oder gepfiffen, eben so wenig des Nachts Tabak geraucht werden.

3) Kommt die Schleichpatrouille an bewohnte Orte, so muss sie dieselben zu umschleichen suchen, welches immer kleine Schluchten, Berge, Buschwerk, Gräben, Hecken, Zäune, große Steine, dicke Bäume, Getreidefelder, tiefe Gruben, selbst bloße Furchen, begünstigen werden. Wird sie zufällig dennoch von einem Landmann entdeckt, so muss sie ihn bei sich zu behalten suchen, bis er ihr unschädlich ist. Eben so sucht sie alle anderen Defilés zu umschleichen, und nur wenn dies unmöglich ist, passieren die Leute dasselbe einzeln nach einander. Kommt sie an Brücken, die sie auch auf dem Rückweg unvermeidlich passieren muss, so lässt sie dies dorthin melden, von wo aus sie abgeschickt worden ist, um des Rückweges sicher zu sein; natürlich ist dies aber bei weiteren Entfernungen nicht anwendbar.

4) Stößt die Patrouille unerwartet auf den Feind, so hält sie sich verdeckt. Ist dies aber nicht mehr möglich, so muss wenigstens einem Mann das Fortkommen erleichtert werden, um Nachrichten vom Feind zurück zu bringen. Überhaupt sucht sich dann ein jeder so gut wie möglich zu retten, und nur im höchsten Notfall können einzelne wohlgezielte Schüsse erlaubt sein, um sich dadurch etwas Luft zu machen.

5) Entdeckt die Schleichpatrouille den Feind in einiger Entfernung, ohne selbst gesehen zu werden, so bemerkt sie alles so genau wie möglich, und schickt sogleich einen wohlinstruierten Mann mit der Meldung ab. Sie sucht sich so nah wie möglich unentdeckt zu nähern; jede neue Beobachtung wird sogleich gemeldet. Bei Nacht, wenn die Schleichpatrouille auf die Vorposten des Feindes gestoßen ist, müssen sich die Leute einzeln, kriechend, so leise wie möglich den feindlichen Schildwachen nähern, um ihr etwaiges Gespräch zu belauern, oder in der Folge ihnen vielleicht das Feldgeschrei abhorchen zu können.

6) Beim Rückweg muss die Patrouille immer einen anderen Weg zu nehmen suchen, als den sie gekommen, und Umwege machen, sowohl um dem etwa ihr versteckt folgenden Feind, der sie entdeckt haben könnte, unseren Standort nicht sogleich zu verraten, als auch um den ihr auf ihrem ersten Weg gelegten Hinterhalten auszuweichen, wenn sie gleichfalls entdeckt worden sein sollte. S. Patrouille.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Bibliographie

  • Dix, Otto: Überfall einer Schleichpatrouille (Düsseld. 1924)

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