Bundeswehr Panzergrenadiere

Testbericht der 1:72 Figuren von Revell

Bundeswehr Panzergrenadiere, 1:72 Figuren Revell 02518

Panzergrenadiere der Bundeswehr in der neuen Flecktarn-Uniform mit Splitterweste und Helm aus Kevlar, ausgerüstet mit dem neuen G36 Sturmgewehr, davon mehrere mit Zweibein und Trommelmagazin, Granatpistole und Panzerfaust 3. Die Panzergrenadiere waren über Jahrzehnte hinweg ein wertvoller Truppentyp der NATO, sie verfügten als einzige über dedizierte Schützenpanzer mit hohem Kampfwert. Der Schützenpanzer Marder ist ein geräumiges Kampffahrzeug der Infanterie, viel besser gepanzert als der M113, und mit einer 20 mm Bordmaschinenkanone ausreichend bewaffnet. Der Marder verfügt über drahtgelenkte Panzerabwehrraketen vom Typ Milan, die auch vom Boden abgefeuert werden können.

Eine Gruppe Panzergrenadiere besteht aus neun Mann: dem Gruppenführer, Fahrer und Richtschützen des Marders, dem Truppführer und fünf Panzergrenadieren. Der Gruppenführer leitet normalerweise den Einsatz des Marders, während sein Truppführer die Grenadiere führt. Der GrpFhr führt grundsätzlich das wichtigste Element seiner Gruppe. Abhängig vom Auftrag, kann dem Marder die wichtigste Aufgabe zukommen, dann wird er von den Grenadieren im auf- oder abgesessenen Kampf unterstützt. Wenn die Grenadiere die Hauptrolle übernehmen, wechselt der GrpFhr mit seinem TrFhr die Position im Marder. Der GrpFhr sitzt mit den Grenadieren ab, während der TrFhr mit dem Schützenpanzer Feuerunterstützung gibt. Im Zugführerpanzer ist der GrpFhr gleichzeitig ZugFhr, normalerweise ein Offizier oder Feldwebeldienstgrad. Wenn die Splitterweste getragen wird, sind die Schulterklappen der Offiziere und Mannschaften verdeckt.

Inhalt

45 Figuren in 12 Posen – 22,5 mm Körpergröße entsprechen 162 cm Körpergröße

  • Gruppenführer mit Leuchtpistole (3)
  • Milan-Schütze mit Panzerabwehr-Lenkrakete liegend feuernd (3)
  • Panzergrenadier mit Milan Startrohr, laufend (2)
  • Panzerfaustschütze mit Panzerfaust 3, avancierend (4)
  • Panzerfaustschütze mit Panzerfaust 3 kniend feuernd (4)
  • Panzergrenadier mit G36 mit Zweibein und Trommelmagazin, vorgehend (4)
  • Panzergrenadier mit G36 mit Zweibein und Trommelmagazin, liegend schießend (3)
  • Panzergrenadier mit Granatpistole kniend feuernd (3)
  • Panzergrenadier mit G36 und Granatpistole (3)
  • Panzergrenadier mit G36, laufend (5)
  • Panzergrenadier mit G36 aus der Hüfte feuernd (5)
  • Panzergrenadier mit G36 stehend feuernd (5)

Panzerabwehrlenkwaffensystem Milan

  • Milan Waffenanlage mit befestigtem Startrohr (3)
  • Milan Dreibein (3)

Bewertung

Gute Themenwahl, die neuen Panzergrenadiere sind in diesem Maßstab einmalig. Revell bietet außerdem Bundeswehr Schützenpanzer, Transportpanzer und Kampfpanzers an, die mit den Figuren kombiniert werden können.

Sehr schön detaillierte Figuren mit realistischem Faltenschlag in der Kleidung. Waffen und Ausrüstung sind korrekt wiedergegeben, nur die Tasche für die Granatpistole fällt etwas zu klein aus.

Die Schachtel enthält eine Reihe interessanter Posen, aber es fehlt ein gemeinsames Thema. Wer eine Gruppe von sechs abgesessenen Grenadieren realistisch darstellen möchte, wird einige Umbauarbeiten vornehmen.

Gute Gussqualität, aber deutliche Grate, die vor dem Bemalen entfernt werden sollten. Wir verwendeten das Rai-Ro ZEP-70 Waxspachtelgerät, um Gussnähte zu glätten.

Die Figuren eignen sich sehr gut für Umbauten, sie können problemlos an der Hüfte getrennt werden, ohne dass dabei Taschen und andere Ausrüstungsgegenstände zerstört werden. Schon durch das Mischen dieser Einzelteile entstehen neuen Posen. Wer noch mehr Vielfalt erreichen möchte, tauscht Arme und Köpfe einzelner Figuren aus. Wenn die Schulterpolster der Splitterweste an der Figur belassen werden, können sogar Arme von ganz anderen Figuren angebracht werden, ohne dass der Umbau auffällt. Löcher werden ganz einfach mit Füllwachs kaschiert. Im Set gibt es insgesamt acht Sturmgewehre, die für Umbauten in Frage kommen. Drei davon müssen zunächst von den Resten einer linken Hand befreit werden, dann eignen sich auch diese Teile für die Verwendung an anderen Figuren.

Die Grenadiere sind durchweg mit dem neuen G36 Sturmgewehr bewaffnet, das alte G3 ist derzeit aber noch im Dienst. Die neue Waffe im NATO-Kaliber 5,56 mm besitzt ein Bananenmagazin mit 25 Schuss, Klappschaft, Zielfernrohr im Tragegriff, mit Kimme und Korn darüber. Mit dem G36 können kontrolliertere Feuerstöße abgegeben werden als mit dem G3, weil der Rückstoß deutlich geringer ist. Die Figuren könnten wahlweise auch mit dem G3 bewaffnet sein. Leider hat Revell versäumt, der Schachtel noch einige separate G3 und andere Kleinteile beizulegen. Entsprechende Umbauten wären dann ganz einfach gewesen. Wer G3, MG3 und separate Köpfe mit Barett oder Feldmütze benötigt, muss also auf andere Figurensätze zurückgreifen, beispielsweise die Nato Infanterie von ESCI. Diese Schachtel enthält zwar nur vier Posen von Bundeswehrsoldaten, darunter aber viele brauchbare Teile.

Das LMG36 in der Schachtel ist das geplante neue Gruppen-MG, das allerdings nie bei der Bundeswehr eingeführt wurde. Glücklicherweise sieht das LMG36 einem G36 mit Zweibein und Trommelmagazin zum Verwechseln ähnlich. Das LMG36 besteht weitgehend aus den Bauteilen des G36, inklusive Klappschaft und Zielfernrohr. Daneben verfügt das LMG36 über ein Zweibein und ein Trommelmagazin für das Feuer aus der Bewegung. Im Magazin befindet sich ein Gurt mit 50 Schuss. In Stellung verwendet der MG-Schütze gegurtete Munition anstelle des Magazins, besonders im Ortskampf und in befestigten Stellungen. Das bewährte MG3 ist weiterhin im Einsatz, und Revell hätte gut daran getan, einige separate Waffen dieses Typs beizulegen. Der liegende MG-Schütze hat eine fehlerhafte Stellung eingenommen, einen Fuß über den anderen geschlagen. Diese Pose ist offensichtlich von dem liegenden MG-Schützen aus der Matchbox Serie "Nato Paratroopers" übernommen. Bundeswehrsoldaten werden so ausgebildet, dass sie sich in Stellung ganz flach hinlegen, Füße nach außen gedreht, damit sie nicht in die Hacken getroffen werden. Der Milan-Schütze liegt richtig, und seine Beine können zur Korrektur des MG-Schützen verwendet werden.

Die Figuren tragen ein Messer aus Beständen der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR. Es handelt sich um ein Bajonett des sowjetischen AK Sturmgewehrs, das allerdings nicht als Bajonett für das G3 oder G36 geeignet ist. Demnach dient dieses Bajonett nun in erster Linie als Brotmesser. Auch der Drahtschneider an der Messerscheide wird den Panzergrenadieren der Bundeswehr nützlich sein. Gemäß der internationalen Vereinbarungen über Kriegführung übt die Bundeswehr überhaupt keinen Bajonettkampf. Das Bajonett wurde bereits nach dem Ersten Weltkrieg als nicht mehr sinnvoll erkannt: Feuerwirkung dominiert seitdem die Schlachtfelder, nicht kalter Stahl. Im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zeigte sich ebenfalls, dass die fehlende Bajonettausbildung der deutsche Soldaten ihren britischen und russischen Gegnern keine nennenswerten taktischen Vorteile verschaffte.

Die Granatpistole schießt Spreng- und Splittergranaten etwa 400 Meter weit. Jeder Panzergrenadier ist an der Granatpistole ausgebildet. Der Gruppenführer wählt denjenigen aus, der die Waffe im Gefecht bedienen soll. Die Granatpistole wird in einer speziell angefertigten Tasche getragen. Im Bausatz sind zwei verschiedene Tragweisen dargestellt. Die Hollywood-Methode, bei der die Granatpistole am rechten Oberschenkel getragen wird, ist ziemlich unbequem. Die relativ große Pistole trägt sich viel leichter auf dem Rücken. Die Koppeltragehilfe hat Befestigungspunkte, die den Griff der Granatpistole genau hinter der rechten Schulter plazieren. Der an der Granatpistole eingeteilte Panzergrenadier trägt sein G36 als Standardwaffe. Als die Panzergrenadiere von Revell auf den Markt kamen, gab es bei der Bundeswehr noch keine dedizierte Munitionstasche für die Patronen der Granatpistole. In manchen Einheiten wurden Gasmaskentasche für diesen Zweck verwendete, andere Bataillone ließen eigene Munitionstaschen in kleinen Stückzahlen produzieren.

Panzerfaust 3 wird in der Bundeswehr nicht mehr als Waffensystem eingestuft, sondern als Mengenverbrauchsartikel (MVA). Es gibt keine dedizierten Panzerabwehr-Teams im Panzergrenadierzug, jeder Grenadier ist an der Panzerfaust 3 ausgebildet und wird sie im Gefecht einsetzen. Da es immer einige auffallend gute Panzerfaustschützen gibt, wird der Gruppenführer diese Leute für den Dienst an der PzFaust einsetzen. Der lange Dorn am Kopf der Granate detoniert die Hohlladung im optimalen Abstand zur Panzerplatte. Der Dorn wird entfernt, bevor die Granate gegen Sandsackstellungen und Bunker abgefeuert wird. Beim Übungsschießen wird die Panzerfaustgranate durch ein Übungsschießgerät ersetzt, das billige Kleinkalibermunition verschießt.

Die Figuren sind erstaunliche klein. Simulationsspieler werden sich darüber freuen, dass die Panzergrenadiere mit den beliebten NATO Fallschirmjägern der Firma Matchbox kompatibel sind. Außerdem gibt es eine Reihe moderner Fahrzeuge und Geschütze im Maßstab 1:76.

Modellbauer werden etwas enttäuscht sein darüber, dass die Figurenposen nicht besonders kompatibel sind. Verschiedene Gefechtssituationen sind angedeutet aber nicht konsequent in einer Figurengruppe dargestellt:

  • Feuerkampf: ein liegender und eine kniender Panzergrenadier.
  • Panzerabwehr: ein liegender und ein kniender Panzergrenadier.
  • Begegnungsgefecht: zwei stehende Panzergrenadiere.
  • Stellungswechsel: drei laufende Panzergrenadiere, die sich allerdings nicht gefechtsmäßig bewegen.
  • Spähtrupp: ein stehender Panzergrenadier, der seinen Kameraden Handzeichen gibt.
  • Etappe: ein stehender MG-Schütze ohne Einsatzbefehl.
  • Führung: ein stehender Gruppenführer mit Leuchtpistole. Diese Figur ist für keine der oben genannten Gefechtssituationen geeignet. Man könnte den Mann vielleicht in eine Kampfraumluke des Marders stellen.

Die abgesessene Panzergrenadiergruppe besteht aus dem Gruppenführer und fünf Mann mit einem MG3 als Unterstützungswaffe. Der liegende MG-Schütze ist richtig dargestellt, aber es gibt keine anderen liegenden oder knienden Panzergrenadiere, die man mit ihm sinnvoll kombinieren könnte. Selbst wenn der Modellbauer ein überlappendes Vorgehen zweier Halbgruppen darstellen wollte, fehlt immer noch ein Mann für die Deckungsgruppe. Die meisten laufenden und vorgehenden Figuren sind Panzerfaustschützen, die gedachte Gefechtssituation würde sich also um einen Panzerzerstörungstrupp drehen. Es wäre möglich gewesen, die 13 verschiedenen Posen auf zwei oder drei Gefechtssituationen zu reduzieren und diese dann konsequent zu besetzen. Stattdessen haben sich die Entwickler an vielen verschiedenen Situationen verzettelt. Figuren für den Spähtrupp und Feuerkampf hätten interessante Minidioramen ergeben, weil die dafür benötigten Standardposen problemlos nebeneinander verwendet werden können. Stürmende Soldaten wirken dagegen nur als Einzelfiguren realistisch. In Gruppen aufgestellt; wird ein Ballet daraus.

Der Gruppenführer ist nicht mit den anderen Figuren kompatibel. Der Mann befindet sich offensichtlich einige Distanz hinter der Front, andernfalls hätte er sich hingekniet oder auf den Boden gelegt. Statt sich seelenruhig auf den Abschuss der Leuchtpatrone zu konzentrieren, sollte der Gruppenführer lieber seine Leute im Gefecht führen. Außerdem ist die Gefechtsfeldbeleuchtung kein Job für den Gruppenführer. Wenn Leucht- oder Signalmunition geschossen werden soll, kann es der Gruppenführer jederzeit befehlen, er muss es nicht selbst tun.

Der vorgehende MG-Schütze trägt das LMG36 in einer ziemlich unpraktischen Weise. Er sieht aus, als würde er das MG gerade auf einen Lkw heben wollen. Im Gefecht würde er das MG im Hüftanschlag tragen, und in Gefechtspausen hätte er es auf dem Boden neben sich abgestellt.

Der laufende Panzerfaustschütze ist eine Passgänger. Er läuft wie ein Pferd der Spanischen Reitschule, indem er das rechte Bein und den rechten Arm gleichzeitig nach vorne führt. Bei der angedeuteten Geschwindigkeit ist das ein ziemlich unmöglicher Bewegungsablauf. Die Figur eignet sich daher am besten für Umbauten. Beine, Torso und rechter Arm können anderweitig verwendet werden, beispielsweise um den Panzergrenadier mit der Signalpistole zu verbessern.

Der Milan-Schütze müsste mit der rechten Hand eigentlich das Griffstück der Waffe umfassen, statt sich damit am Boden abzustützen. Wenn der Mann die Waffe wirklich bedienen würde, hätte er außerdem den Kopf auf die Zieloptik gesenkt. Diese Pose wird schwierig zu korrigieren sein, man müsste die Figur an einigen Stellen zerlegen und die Teile neu justieren.

Fehlerhafte Malhinweise auf der Schachtel:

  • Die Kampfstiefel sind schwarz, nicht rotbraun. Braune Stiefel wurden in den späten 70er Jahren ausgegeben, weil sie weniger Licht reflektieren und besser getarnt sind. Da die Bundeswehr jeweils vierteljährlich neue Rekruten einzog, hätte es also ein Jahr gedauert, bis Einheiten weitgehend mit braunen Stiefeln ausgestattet gewesen wären. Dazu kam es nicht, denn die neuen Rekruten wurden schon während der Grundausbildung angewiesen, die Stiefel mit schwarzer Schuhcreme zu putzen, damit in der Formation wieder alle gleich aussahen. Schon nach kurzer Zeit wurden keine braunen Stiefel mehr ausgegeben. Wer welche hatte, war natürlich besonders stolz auf den kleinen Unterschied, denn trotz schwarzer Schuhcreme unterschieden sich die braunen Stiefel noch ganz angenehm von den einheitlich schwarzen Stiefeln.
  • Koppeltragehilfe, Koppel, Riemen und Taschen sind aus graugrünem Material gefertigt. Die khakibraune Darstellung auf der Verpackung ist nicht richtig.
  • Die grüne Farbe des Flecktarnmusters entspricht einem grasgrünen Farbton. Die empfohlene seegrüne Farbe ist nicht richtig.

Die Zusammenstellung der Figuren ist befriedigend, auch wenn die Schachtel zu viele schwere Waffen enthält. Einer der beiden Panzerfaustschützen hätte durch einen vorgehenden Panzergrenadier ersetzt werden sollen, den man mit dem vorgehenden MG-Schützen hätte kombinieren können. Der Panzergrenadier, der sein G36 im Hüftanschlag abfeuert, hätte ebenfalls in vorgehender Pose modelliert werden können, und schon wäre eine Dreiergruppe für den Spähtruppeinsatz beisammen gewesen.

Historische Verwendung

  • Moderne Bundeswehrsoldaten
    • Panzergrenadiere
    • Pioniere
    • Jäger
    • Fallschirmjäger

Interessante Umbauten

  • Bundeswehrsoldaten mit Feldmütze oder Barett
    • Jäger mit Feldmütze oder grünem Barett anstelle des Stahlhelms.
    • Fallschirmjäger mit Feldmütze oder rotem Barett anstelle des Stahlhelms.
    • Überzählige Milan Waffenanlagen können für Britische und Französische Infanteriezüge verwendet werden. Milan wurde beispielsweise im Falklandkrieg als Bunkerknacker verwendet.

Seitdem Revell auch den Schützenpanzer Marder 1A3 und den Transportpanzer 1A4 herausgegeben hat, sind die Panzergrenadiere besonders interessant geworden. Wer moderne Simulationsspiele mit Figuren betreibt, benötigt mindestens eine Schachtel Panzergrenadiere.

Revell Figuren

Fragen und Antworten

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Bundeswehr Figuren, Fahrzeuge, und Panzer