Panzerplatten

Panzerplatten an einem deutschen Straßenpanzerkraftwagen E-V/4 Ehrhardt/17 aus dem Ersten Weltkrieg

Panzerplatten, die zum Schutz gegen feindliche Geschosse auf Schiffen zur Bekleidung der Bordwände, der Türme etc. und bei Befestigungen verwendeten schweren Eisenplatten. Von den Panzerplatten verlangt man, dass sie dem Eindringen des Geschosses möglichst großen Widerstand entgegensetzen, beim Anprall oder Hindurchgehen des Geschosses womöglich nur unschädliche Risse bekommen, also nicht in Stücke zerspringen. Zu dem Zweck müssen die Panzerplatten möglichst harte Stirnfläche in Verbindung mit sehr großer Zähigkeit besitzen. Die ersten Panzerplatten bestanden aus gewöhnlichem gepuddelten Schweißeisen in der Stärke bis 110 mm. Mit der schnell wachsenden Durchschlagskraft der Geschosse wuchs auch die Dicke dieser Platten bis 550 mm (italienische Schiffe Duilio und Dandolo) und 600 mm (englisches Schlachtschiff Inflexible). Diese schweren Platten, denen die nötige Härte gegen das Eindringen der Geschosse fehlte, suchte man durch Hartgussplatten zu ersetzen. Da der Hartguss wegen seiner großen Sprödigkeit verhältnismäßig leicht zertrümmert wurde, gab man den Platten zur Ablenkung der Geschosse eine gewölbte Form und beschränkte ihre Anwendung hauptsächlich auf den Bau von Türmen. Einen großen Fortschritt bedeutet die Verbindung härtbarer Stahlplatten mit nicht härtbaren Schmiedeeisenplatten (Compound-, Verbundplatten). Diese Vereinigung erfolgte nach Wilson bei Brown u. Co. in Sheffield 1876 durch Aufgießen von geschmolzenem Stahl auf eine Schweißeisenplatte, Auswalzen und Härten der Stahlseite durch aufgegossenes kaltes Wasser. Solche Platten wurden aber beim Beschießen leicht zerstört, indem der Stahl in Stücken absprang. Harvey glühte deshalb eiserne Platten so lange unter einer Kohlendecke, bis die Oberfläche bis zu einer genügenden Tiefe in Stahl verwandelt war, der nun durch Aufspritzen von kaltem Wasser eine Härtung erfuhr (um 1890).

Ende der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts stellte Schneider in Creusot Panzerplatten aus einer Legierung von Stahl mit Nickel, also die ersten Nickelstahlplatten, her, die sich den anderen Panzerplatten gegenüber durch hervorragend große Festigkeit, Zähigkeit und Härte auszeichneten, so dass von hier an Nickelstahl, d. h. Stahl mit etwa 5 Proz. Nickel, das Grundmaterial für Panzerplatten blieb. Vielfach erhielten auch die Nickelstahlplatten nach dem Verfahren von Harvey eine Zementation und Härtung; allein sie erhalten infolge dieser Behandlung größere Neigung zum Springen. 1890 nahm Krupp die Fabrikation von Panzerplatten aus Nickelstahl auf und nach seinem im einzelnen nicht bekannten Verfahren wird jetzt in den Panzerplattenfabriken auch des Auslandes gearbeitet. Die 1895 mit Kruppschen Platten von 300 mm Dicke vorgenommenen Schießversuche bestätigten, dass ihre Widerstandsfähigkeit etwa doppelt so groß wie die des Schmiedeeisens war, so dass zu einem gleichen Panzerschutz Platten von halber Dicke ausreichen. Der Kruppsche Spezialstahl hat sich um 30 Proz. widerstandsfähiger gezeigt als Nickelstahl und ist noch von keiner ausländischen Industrie erreicht worden. Die Panzerplatten werden in Gewichten bis 150.000 kg, in Breiten bis 2,5 m, Längen bis 5 m und Dicken bis 500 mm durch Auswalzen von gegossenen Stahlblöcken hergestellt, wenn erforderlich, auf hydraulischen Pressen vor dem Härten gebogen. Die Panzerplatten werden mittels Schraubenbolzen bis zu 80 mm Durchmesser, die durch die Schiffswand hindurch in die Bolzenlöcher in der Rückseite der Panzerplatten 50–80 mm tief eingeschraubt sind, festgehalten. Die Bolzenköpfe liegen an der bei größeren Schiffen meist aus zwei Stahlblechen von je 25 mm Dicke bestehenden Innenhaut. Durch die nun erzielte Gewichtsersparnis ist es ermöglicht, dem Panzer eine größere Ausdehnung, den Schiffen eine größere Artillerieausrüstung oder größere Fahrgeschwindigkeit oder größeren Kohlenvorrat zu geben.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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