Helm

Helm

Helm, Ausrüstungsstück zum Kopfschutz, bereits bei Ägyptern und Assyrern in Gebrauch und ursprünglich aus starkem Zeug und Leder, dann aus Metall gefertigt. Die ältesten aufgefundenen Metallhelme sind assyrische aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. Die homerischen Helden trugen eiserne Helme mit Haarbusch, Kinnriemen und Platten, die Genick, Ohren und Wangen schützten. Die späteren griechischen Helme haben z. T. unbewegliche Visiere, in denen sich Öffnungen zum Durchsehen befanden. Die römischen Helme, ursprünglich ebenfalls aus Leder, wurden noch in der Blütezeit der Republik durch eiserne Helme (cassis) ersetzt (Fig. 4-6). Für das Fußvolk waren noch bis in die mittlere Kaiserzeit lederne Helmkappen mit Metallbeschlägen in Gebrauch.

Römischer Gladiatorenhelm, Germanischer Bronzehelm, Karolingischer Helm

Visierhelme (Fig. 7) mit geflochtenem Drahtgitter waren Schutzwaffen der Gladiatoren. Der Flügelhelm der alten Germanen, der häufig auf Bildern erscheint, ist ein Phantasiegebilde. Der Bronzehelme (Fig. 8 u. 9) und Lederhelme mit metallenen Bügeln bedienten sich auch die Völker des Mittelalters bis zum 8. Jahrhundert. Um diese Zeit kamen schon eiserne Helme vor, die immer mehr zugespitzt und mit Genickschutz versehen wurden. Im 11. Jahrhundert trat zu dem hohen kegel- oder niedrigen walzenförmigen Helm ein von der Mitte des Stirnrandes über die Nase vorspringender Metallstreifen, der Nasenschutz (nasal), hinzu (Fig. 10). Daraus entwickelte sich im 12. Jahrhundert ein vollständiger, unbeweglicher Gesichtsschutz (Helmgitter, Helmsturz, Visier). Statt des Visiers oder unter diesem zum Schutz, wenn jenes aufgeschlagen war, trug man den Helmrost, einen Korb von Drahtgeflecht.

Normannischer Helm, Topfhelm, Schaller

Unter dem Helm trug man, um das Scheuern zu vermeiden und die Heftigkeit der Schläge abzuschwächen, eine Kappe von dickem Zeug (Harnaschkappe). Zugleich kam auch der Helmschmuck, Helmzimier (cimier) in Form von Kronen, Federn, Wappentieren und symbolischen Abzeichen auf. Von Fußgängern wurde im Kriege auch ein Eisenhut getragen, den man mittels eines ledernen Sturmbandes auf dem Kopf festband. Die ersten spezifisch mittelalterlichen Helme sind die seit dem Ende des 13. Jahrhunderts übliche visierlose Becken- oder Kesselhaube (bassinet) und der Kübel- oder Topfhelm, der über der ersteren getragen und wegen seiner Schwere bis zum Augenblick des Gebrauchs am Gürtel befestigt und von einem Knappen nachgetragen wurde (Fig. 11).

Unter dem eisernen Helm oder ohne diesen trug man auch eine mit der Halsberge zusammenhängende Ringhaube, Helmbrünne genannt. Im 14. Jahrhundert wurde der Topfhelm auf die Tournierrüstung beschränkt und erhielt zu diesem Zweck vorn eine Vergitterung (Spangenhelm), oder er wurde so geschlossen (Stechhelm), dass nur ein Spalt zum Durchsehen übrigblieb (Fig. 13). Für das 14. Jahrhundert ist die große Kesselhaube charakteristisch, aus der sich unter Zusatz eines beweglichen Kinn- und Wangenschutzes im 15. Jahrhundert die Salade (Schale, Schallern), eine eiserne runde Haube, entwickelte, die nach hinten zur Sicherung des Genicks spitz zulief (Fig. 12). Gegen Ende des 15. Jahrhundert schloss sich die Eisenkappe mit stets beweglichem Visier immer enger um den Kopf zusammen, bis die von den Burgundern erfundene und daher Bourguignotte (Burgunderhelm) genannte Form des Helms daraus entstand (Fig. 14). Im Turnier blieb der Spangen- oder Rosthelm in Gebrauch.

Stechhelm, Burgunderhelm, Reiterhelm

Die Bourguignotte, später aus vier beweglichen Teilen bestehend, die sich um ein knopfförmiges Scharnier, die Helmrose, drehten, erhielt sich bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Aus ihr entwickelte sich dann der vollständige Visierhelm mit aus Schienen bestehendem Hals- und Genickschutz und einem hohen Kamm auf dem Scheitelstück zur Abwehr gegen die Schwerthiebe. Zu gleicher Zeit vereinfachte sich der Helm unter Fortlassung des Visiers zur Sturmhaube (Sturmhut) mit festem Stirn- und Genickschirm und beweglichen Backenstücken, die namentlich im 16. Jahrhundert beim Fußvolk zur allgemeinen Anwendung kam, während der Helm den Reitern blieb.

Eine Abart der Sturmhaube ist der von Spanien seit der Mitte des 16. Jahrhunderts ausgegangene Morion (Maurenkappe). Dem 16. Jahrhundert gehört auch der Affenhelm an, der durch das stark hervortretende Visier Ähnlichkeit mit einem Affenkopf besaß. Formverwandt ist der Birnenhelm, dessen Glocke in einem nach hinten gebogenen Stiel ausläuft. Große Verbreitung fand im 17. Jahrhundert eine Eisenhaube mit verstellbarem Naseneisen und großem, geschobenem Nackenschutz (Fig. 15). Diese von Osten über Ungarn eingedrungene Form bildet den Abschluss einer Entwicklungsreihe, da nun der Hut, oft durch ein Eisengestell verstärkt, auftritt.

Britischer leichter Dragonerhelm, bayerisches Rumford-Kaskett, französischer Infanteriehelm

Um die Mitte des 18. Jahrhundert erscheinen in England und Frankreich die Vorläufer der modernen Helme, als »casques á la romaine« (Fig. 16). Dahin gehört auch das bayerische Rumford-Kaskett (Fig. 17). Kurz vor der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert erscheint eine ganze Anzahl neuer Helmformen, so der Raupenhelm (Fig. 18, 19 u. 20).

Britischer leichter Dragonerhelm, bayerischer Raupenhelm, Helm säschischer Reiteroffiziere

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verdrängt der Tschako meist den Helm, namentlich beim Fußvolk, dagegen behält die Reiterei, besonders die schwere, den Helm vielfach bei. Er trägt, aus Metall oder Leder gefertigt, einen Bügel, der bisweilen mit einem Rosshaarkamm, einem Schweif oder einer Raupe ausgestattet ist (Fig. 21-25).

Russischer Helm, 1812, französischer Dragonerhelm, französischer Kürassierhelm

1843 wurde in Preußen die sogen. Pickelhaube eingeführt und zwar für alle Waffen, mit Ausnahme der Husaren und Ulanen (Fig. 26-28). Diese Form wurde vielfach nachgeahmt (Fig. 29).

Österreichischer Kürassier- und Dragonerhelm, preußische Infanteriehelme, 1843 und 1900

In neuerer Zeit fand der den klimatischen Verhältnissen angepasste Tropenhelm große Verbreitung (Fig. 30). Dem Nachteil größerer Belastung des Kopfes stehen als Vorzüge vor Mützen gegenüber: Schutz von Gesicht und Nacken gegen Sonne und Regen sowie bessere Lüftung des Innern; ferner darf der Helm den liegend schießenden Mann nicht durch Anstoßen am Tornister etc. hindern.

Preußischer Kavalleriehelm der Gardeducorps, englischer Infanteriehelm, Tropenhelm

Bibliographie

  • Boeheim, Wendelin: Handbuch der Waffenkunde (Leipz. 1890)
  • Suttner: Der Helm von seinem Ursprung bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts (Wien 1878)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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