Chok

Chok

Das Kürassier-Regiment Kurpfalz, links im Bild, und zwei Eskadrons des preußischen Dragoner-Regiments von Meinicke im Augenblick des Choks. Die 1:300 Zinnfiguren von Heroics & Ros wurden mit Künstler-Acrylfarbe bemalt und für das Spielsystem »Complete Brigadier« montiert.

Chok, der geschlossene, gewaltsame Angriff mit blanken Waffen, welchen die Kavallerie gewöhnlich in der Karriere, die Infanterie ebenfalls mit einem Anlauf und mit gefälltem Bajonett ausführt. Es ist unentschieden, ob mit dem Chok das Abfeuern der Gewehre zu verbinden, besser sei, oder nicht; doch scheint es zweckmäßig, bei Erstürmung von festen Posten, Schanzen usw. die Infanterie mit ungeladenem Gewehr in den Feind dringen zu lassen, weil man besorgen muss, dass sie einzeln feuern, sich aufhalten, und sich nicht genug auf das Bajonett verlassen, wodurch die entscheidende Wirkung des Choks verloren geht.

Er wird in der Preußischen Armee folgendermaßen ausgeführt: 1) bei der Infanterie. Der Chok geschieht von einem Bataillon sowohl in ganzer Front, als in der Angriffskolonne. Nachdem im geschwinden Schritt angetreten worden, nehmen auf das Kommando „Zur Attacke, Gewehr rechts!“ alle Leute das Gewehr schnell an die rechte Seite,indem sie es ungefähr in der Mitte mit der rechten Hand umfassen; das Bataillon fällt in eine schnellere Marschkadenz, den Deployierschritt, der durch das Schlagen der Tambours markiert wird. Ungefähr auf 12 Schritt vom Feind erfolgt das Kommando: „Fällt das Gewehr!“ und das Bataillon stürzt sich im Laufen, gewöhnlich mit einem Hurrahgeschrei, in geschlossenen Gliedern, mit dem Bajonett voran, in den Feind. Das Gewehr soll hierbei mit der rechten Hand im Kolbenhals, mit der linken vollen Faust oberhalb dem unteren Ring, ergriffen, fest an die rechte Hüfte gedrückt, und der Hahn gespannt werden. Nur die beiden ersten Glieder fällen auf diese Weise das Gewehr; das zweite Glied rückt dicht auf, damit seine Bajonette durch die Lücke des ersten hindurch reichen. Wenn nach vollbrachter Attacke das Kommando: „Bataillon, halt!“ erfolgt, schlagen alle Tambours einen kurzen Wirbel; das dritte Glied tritt einen Schritt zurück, und schultert, das zweite Glied rückt rechts über; die beiden vorderen Glieder machen ohne weiteres Kommando das Bataillonsfeuer. Die Angriffskolonne macht dieses Feuer entweder, indem sie geschlossen bleibt, bloß mit ihrer Tete, oder sie deployiert.

2) bei der Kavallerie. Sie führt den Chok entweder in Linie, und zwar geschlossen oder zerstreut, oder in Echelons, oder in der Kolonne aus. S. Angriff. – Wenn im Schritt angeritten worden ist, so wird auf das Signal „Trab!“ in einen mittelmäßig starken Trab gefallen. Ungefähr auf 300 Schritt vom Feind erfolgt das Signal „Galopp!“ wobei es gleichgültig ist, ob die Pferde rechts oder links galoppieren. Kurz vor dem Chok erfolgt das Signal „Fanfaro!“ worauf der Galopp verstärkt wird. Wenn dieses Signal beendigt ist, ungefähr 30 Schritt vom Feind, erfolgt das Kommando „Marsch! Marsch!“ worauf sich alles vorwärts deckt, und in der Karriere in den Feind einbricht. Die zugführenden Offiziere haben sich dabei in die Linie, auf den Flügel ihres Zuges aufnehmen lassen; der Kommandeur lässt sich zwischen den Trompetern und dem rechten Flügelunteroffizier aufnehmen, oder begibt sich dahin, wo seine Gegenwart sonst am nötigsten ist.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Chok (franz. Choc, spr. schock), gewaltsamer Zusammenstoß zweier Körper, speziell das gewaltsame Anrennen einer Reiterlinie gegen dieselbe Waffe, das mit der höchsten Wucht ausgeführt werden musste. Der Anlauf zum Chok in voller Karriere begann erst etwa 80 m vom Feind. Die Reiter hielten den Degen oder Säbel weit vorgestreckt (Auslage vorwärts), die gesamte deutsche Kavallerie führte den Chok mit eingelegter Lanze aus. Kavallerie in Kolonne ging zum Chok meist nur im Galopp, in Linie stets in der Karriere.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe