Johann Michael von Gschray

Johann Michael Gschray, kurbayerischer Oberstleutnant, französischer Oberst, preußischer Generalmajor, Chef eines Freikorps, von 1600 Mann zu Pferd und zu Fuß. Geboren 1692 zu Mannheim, in der Kurpfalz, von geringen Eltern; indem sein Vater Eisenamtmann (ein Schließer bei der Justiz) gewesen ist. War von 1709 bis 1715 Amtsknecht bei einem Herrn von Lindenfels, unweit Bayreuth, danach wollte er Musketier bei den kurbayerischen Truppen werden; allein seine anstößige Herkunft war ihm daran hinderlich, er verdingte sich daher bei einem Amtmann als Amtsknecht, dessen Witwe er 1722 heiratete, dadurch selbst Amtmann ward, sich als solcher aber nicht wohl betrug, und daher bald wieder in solch schlechte Umstände geriet, dass er 1739 Eisenamtmann zu Deggendorf an der Donau werden musste. Als 1741 die französischen Truppen unter Anführung des Grafen Moritz von Sachsen in Bayern einfielen, diente Gschray bei demselben als Spion. 1742 ward er Freischütz bei der kurbayerischen Landmiliz.

Durch seine bei verschiedenen kleinen Ausfällen bewiesene Herzhaftigkeit, und Gefangennahme einiger Kroaten und Panduren, erhielt er vom Kommandanten von Straubing ein Attestat seines Wohlverhaltens an Kaiser Karl VII., der damals zu Frankfurt am Main residierte, und von diesem wieder einen Befehl an den Feldmarschall Grafen von Seckendorf, dass er ihn als Lieutenant eine Freikompanie zu Pferde von 50 Mann errichten und solche als Chef anführen lassen sollte; welcher letztere ihm solches, als einem noch nicht bewährten Soldaten, mit dem Rat, erst bei einem Regiment zu dienen, abschlug. Da Gschray aber durch Unterstützung eines gewissen Kanzleidirektors Baur, der ihm gewogen war, ein Projekt einreichte, wodurch das besagte Korps ohne kaiserliches Geld, woran ein großer Mangel war, zu errichten; so ward sein Vorschlag genehmigt, und in 14 Tagen war die Kompanie von 50 Pferden da, welche die Österreicher die Schergen- oder Büttelkompanie spottweise nannten. 1743 ward er zum Hauptmann ernannt, und seine Freikompanie auf 150 Mann vermehrt. Mit solcher trieb er sich während den Feindseligkeiten zwischen Österreich und Bayern herum und führte einen kleinen Krieg, dessen Beschreibung hier sehr weitläufig werden dürfte, wobei sich Gschray aber durch verschiedene glücklich ausgeführte Unternehmungen in den Ruf der Tapferkeit brachte.

1744 ward er bei einer Gelegenheit von Kroaten verwundet, wofür ihn der Kaiser im September des Jahres zum Major erhob. Nach dem zwischen Bayern und Österreich geschlossenen Frieden behielt der Kurfürst Maximilian Joseph das Gschraysche Korps, bis auf hundert Mann, bei und ihren Chef als Oberstleutnant im Dienst. Da er sich aber, gegen den kurfürstlichen Befehl, auf eine unschickliche Art weigerte, in holländische Dienste zu treten, erhielt er den Abschied. Anfang Juli 1748 kam er durch Vorsprache des Marschall Grafen von Sachsen in französische Dienste, mit dem Auftrag, ein Korps von 400 Dragonern und 800 Fußsoldaten zu errichten und ward darüber zugleich Oberst. 1748 ward dies Korps — die Volontaires de Geschray — zu Brüssel gemustert und im März des Jahres half er mit demselben Maastricht einzuschließen. Nach bald darauf erfolgter Endigung dieses Krieges ward sein Korps schwächer gemacht und Gschray lebte zu Straßburg in großem Pomp, bis er 1754 im August die französischen Dienste, mit einer jährlichen Pension und dem Ludwigsordenskreuz, verließ und sich wieder nach München begab.

1756, bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges, erhielt er die Erlaubnis, in sächsische Dienste gehen zu können, fiel aber auf seiner Reise nach dem sächsischen Lager bei Pirna, den preußischen Husaren in die Hände, welche ihn nach dem Hauptquartier des Königs, zu Groß-Sedlitz, brachten. Dieser wurde mit Gschray einig, dass er 600 Mann leichte Kavallerie errichten sollte, wozu ihm Merseburg als Sammelplatz angewiesen ward. Er änderte aber sein Versprechen, ging wieder nach Böhmen und sandte die königliche Kapitulation mit vielen Entschuldigungen an den General von Winterfeld zurück. Nachdem er seine Dienste hierauf überall angetragen, entschloss er sich wieder preußische Dienste zu suchen und ward am 9. April 1761 in denselben Generalmajor, mit dem Auftrag, 1600 Mann zu Pferde und zu Fuß zu werben; welches er auch mit Hilfe eines gewissen von Thürriegel, der Oberstleutnant und Kommandeur des Gschrayschen Korps in französischen Diensten gewesen war, in der Reichsstadt Nordhausen ausführte. Dies Korps hatte zur Montur blaue Röcke, schwarze Aufschläge, und schwefelgelbe Unterkleider. Bei der Infanterie hatten die Grenadiere Bärenmützen, worauf der schwarze Adler geheftet war, und die Spielleute waren weiß gekleidet. Die Offiziere hatten goldene Epauletten und auf den schwarzen Aufschlägen dergleichen Litzen. Die Dragoner trugen Säbel. Selten war dies Korps komplett, und im siebenjährigen Feldzug hat es sich bloß bei den Katzenhäusern einigermaßen gezeigt.

Am 23. August 1761 ward Gschray bei Nordhausen von einem französischen Detachment überfallen und nach Kassel gebracht. Am 8. September 1762 kam er aus dieser Gefangenschaft wieder zu Leipzig an. Da nun bald hierauf der Friede folgte, ward er dimittiert (oder vielmehr, wegen verschiedener Beschuldigungen, nebst allen seinen, im preußischen Dienst gewesenen Verwandten, kassiert) und von seinem Korps, die Kavallerie am 1. April 1763 zu Stettin, die Infanterie aber zu Großglogau reduziert. Als dies geschehen war, wandte er sich nach Russland, um daselbst sein Glück zu suchen. Da er aber solches nicht fand, kam er wieder nach Deutschland, und zwar in elenden Umständen, zurück, in welchen er auch gestorben ist. Unter dem Namen eines preußischen Stabsoffiziers hat jemand Gschrays Leben unter folgendem Titel beschrieben: der glückliche Bayersche Eisenamtmann oder merkwürdige Lebensgeschichte, des, in beiden letzteren Kriegen sehr bekannt gewordenen Herrn von Geschray, Berlin, 1765; welches viele Schilderungen von niederträchtigen Handlungen dieses Mannes, und seiner Familie, von der man auch daselbst nicht wenige Nachrichten findet, enthält, und wobei es einem natürlich einfällt, dass die Rache dem Verfasser die Feder geführt haben muss; welcher wahrscheinlich wohl der vorerwähnte Thürriegel gewesen sein mag, der von Gschray hart beschuldigt worden, und deshalb eine geraume Zeit lang zu Magdeburg in Arrest sitzen musste.

Bibliographie

  • König, Anton Balthasar: Biographisches Lexikon aller Helden und Militärpersonen, welche sich in preußischen Diensten berühmt gemacht haben (Berl. 1789)
  • Thürriegel, Johann Kaspar: Der glückliche Bayerische Eisenamtmann, oder merkwürdige Lebensgeschichte des berüchtigten Königl. Preußischen Generalmajors Herrn v. Gschray

Quelle: Anton Balthasar König

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