Sappe

Sappe, heißt die Arbeit, wo die Trancheen bei einer Belagerung vermittelst 3 Fuß hoher Schanzkörbe, und durch besonders dazu angelernte Soldaten, Sappeurs oder Pioniere, geführt werden; oft nennt man die durch diese Arbeit aufgeworfenen Trancheén selbst Sappen. Es gibt deren verschiedene Arten:

1) Die ungedeckte, oder offene Sappe. Hierunter versteht man einen Graben, bei dessen Hebung die Arbeiter, ohne irgend eine Deckung zu haben, alle auf einmal angestellt werden, und sich bis zu einer gewissen Tiefe eingraben müssen. Man bedient sich dieser Sappe, wenn man noch außerhalb des feindlichen Kartätschen- und Musketenfeuers ist. Die Brustwehr, welche vor dem Graben von der ausgehobenen Erde aufgeschüttet wird, erhält unten 12 Fuß Stärke, und äußerlich keine besondere Böschung, sondern die Erde wird, ohne sie zu rammen, ihrem natürlichen Fall überlassen, welches bei allen Sappen und Tranchee-Brustwehren der Fall ist. Der Graben erhält 3 Fuß Tiefe und die Brustwehr 3 Fuß Höhe; soll die Tranchee zur Verteidigung mit bewaffneter Mannschaft dienen, so wird ein 1½ Fuß hohes und 3 Fuß breites Bankett stehen gelassen. Die offene Sappe wird mittels eines Strohseiles, oder mit Tracierfaschinen traciert, ist aber keine eigentliche Sappe, da man sich hierbei der Schanzkörbe nicht bedient.

Beim Sappieren selbst wird die größte Stille beachtet, und so schnell wie möglich die gehörige Tiefe zu erhalten gesucht; nachher wird erst an der Breite des Grabens gearbeitet. Werden die Arbeiter vom Feind aus der Festung beunruhigt, so müssen sie sich nicht eher zurückziehen, als bis sie Befehl dazu haben, und sämtliches Handwerkszeug mitnehmen. Zur Deckung der Arbeiter werden starke Infanterie-Kommandos gegeben, welche ungefähr 100 Schritt über die Arbeitslinie vorrücken. Der Anfang mit der Sappe wird in der Abenddämmerung gemacht, wenn man vom Feind nicht mehr gesehen wird, aber seine eigene Arbeit noch erkennen kann; in der Morgendämmerung wird ein Teil der Arbeiter auf die Brustwehr gestellt, welche die noch vorhandenen Lücken in der Brustwehr zumachen, und sich dann in den Graben zurückziehen.

2) Die flüchtige Sappe. Diesen Namen bekommen die Trancheen, wo die Arbeiter sich hinter 3 Fuß hohe und 1½ bis 2 Fuß weite Schanzkörbe eingraben, welche sie alle auf einmal in das gegebene Alignement aufstellen, mit der ausgehobenen Erde die Körbe füllen, sodann aber die übrige Erde über die Körbe hinauswerfen, und dadurch eine Brustwehr bilden. Wegen der dadurch schnell erhaltenen Deckung bedient man sich dieser Sappe, wenn das feindliche Musketenfeuer wirksam wird. Da die Brustwehr nur dem Flinten-, höchstens Kartätschenfeuer widerstehen soll, so ist ihre untere Anlage nur 9 bis 11 Fuß, die innere Höhe 4½ Fuß, indem auf die gefüllten Körbe entweder 3 Faschinen, oder 3 Sandsäcke gelegt werden, welche letztere vorzuziehen sind. Der Graben bekommt unten 7, oben 9 Fuß Breite und ist 3 Fuß tief. – Die Schanzkörbe müssen dicht an einander auf die Erde gestellt werden, und so dass sie ein wenig Hang nach außen bekommen. Vor jede Lücke zweier neben einander stehender Schanzkörbe wird entweder ein Sappenbündel gesteckt, oder zwei Sandsäcke über einander gelegt; diese Deckung bleibt so lange stehen, bis die Lücke von außen durch die Erde völlig zugemacht ist. – Von der zur Deckung dieser Arbeit kommandierten bewaffneten Mannschaft erhält jeder einen Schanzkorb, welche sie in der angezeigten Linie vor sich hinstellen, sich hinter denselben niederknien, und dieselben nun durch die Arbeiter füllen lassen. Ein solcher Korb kann bei guter Erde in 4 bis 6 Minuten gefüllt werden. Die zweite Parallele, und die zwischen ihr und der ersten Parallele laufenden Verbindungsgräben werden gewöhnlich durch die flüchtige Sappe hergestellt.

3.) Die halbe Sappe. Hier werden, wie bei der flüchtigen Sappe die Körbe alle auf einmal niedergesetzt, worauf sich die Mannschaft wieder in die hinterliegenden Trancheen zurückzieht; dann werden die Körbe nach und nach gefüllt, und zwar so, dass man bei demjenigen Korb anfängt, der am weitesten entfernt ist; der Schnelligkeit wegen nimmt man auch statt der Schanzkörbe oft Sandsäcke oder Sappenbündel. Man bedient sich dieser Sappe nur, wenn man nicht besonders von dem feindlichen Feuer auszustehen hat.

4) Die völlige oder ganze Sappe. Hierbei legen sich vier Sappeurs, auf den Knien hinter einander an; der erste rollt zu seiner Deckung einen gefüllten Schanzkorb oder ein Mantelet vor sich her, und dirigiert sich nach dem ihm vom Ingenieur angewiesenen Punkt. Hier setzt er allmählich unter dem Schutz des Schanzkorbes in die angewiesene Richtung eine Reihe kleiner Schanzkörbe dicht an einander und füllt sie mit Erde, welche er aus einem 1½ Fuß breiten und tiefen Graben, 1 Fuß abwärts von den Schanzkörben, nimmt. Jeder der übrigen Sappeurs rückt sogleich nach, so wie sein Vorgänger weiter rückt, und erweitert dessen Arbeit. Soll durch Hilfe dieser Sappe gegen ein Werk vorgegangen werden, so muss das feindliche Feuer größtenteils zum Schweigen gebracht worden sein, weil sonst die anfängliche Deckung zu schwach und diese Arbeit des Nachts sehr schwierig ist. Wenn die völlige Sappe fertig ist, so hat die Brustwehr 4½ Fuß Höhe; die untere Anlage derselben beträgt, ohne die Schanzkörbe, 9 Fuß. Bei den Linien dieser Sappe muss vorzüglich darauf geachtet werden, dass sie nicht der Länge nach bestrichen sind, daher sie öfters gebrochen oder schlangenförmig geführt werden. – Wenn ununterbrochen gearbeitet wird, so kann die völlige Sappe in gutem Boden 480 Fuß in 24 Stunden vorgetrieben werden. Die vier Sappeurs von jeder Abteilung werden alle Stunden von vier anderen abgelöst, und verrichten nun Handlangerdienste für die übrigen; ist die Sappe ein Stück vorwärts getrieben, so werden gewöhnliche Arbeiter kommandiert, welche nun das angefangene Werk auf 12 bis 20 Fuß erweitern, und die Brustwehr durch die ausgegrabene Erde verstärken. Man bedient sich übrigens der völligen Sappe zum Anlegen der dritten und vierten Parallelen, der Laufgrabenkatzen und Couronnements.

5) Die alte Sappe. Sie hat viel Ähnlichkeit mit der völligen Sappe, nur dass der Arbeiter sich gleich 4 Fuß tief, und 3 Fuß breit eingräbt, und die erste Erde als Brustwehr zum Feind hin aufwirft; öfters gibt man ihm auch eine Blendung gegen das Frontalfeuer; der zweite Arbeiter macht nun den Graben 4 Fuß, der dritte 5 Fuß und der vierte 6 Fuß breit. Diese Sappe wird jetzt nur noch selten angewendet, weil sie sehr langsam vorwärts geht, z. B. in einem Festungsgraben, auf einer feindlichen Brustwehr, oder auf Werken, hinter welchen der Feind Abschnitte, mit Kanonen besetzt, hat. Auf einer feindlichen Brustwehr erhält die Sappe nur 3 Fuß Breite und 4 Fuß Tiefe; dann bekommen die Arbeiter eine Blendung von Faschinen.

Die unbedeckte, flüchtige und völlige Sappe sind jetzt die üblichen. Aus der völligen Sappe entstehen wieder folgende, welche zwar mit ihr die Art der Arbeit gemein haben, aber verschieden geführt werden:

Bedeckte Sappe

1) Die bedeckte Sappe. Hier werden zwei völlige Sappen in gleicher Höhe, und 4 Fuß von einander parallel, fortgeführt, so dass die Brustwehr einer jeden nach außen zugekehrt ist, und quer über beide eine Decke von Balken, Faschinen und Sandsäcken gemacht wird, Fig. 114. Ihre Anwendung findet statt, wenn der Feind die Linie der Länge nach übersieht, und sie mit Steinen und Granaten von oben beunruhigt. Um dieser Decke die gehörige Stütze zu verschaffen, werden innerhalb der Sappe zu beiden Seiten eine Reihe Blinden aufgestellt, die 6 Fuß hoch sind; auf den Querhölzern derselben ruhen dann die Balken, welche zwei Schichten Faschinen tragen, oder noch besser Hurden, welche alle Flintenkugeln und Steine aufhalten. Über dieselben wird Erde geschüttet oder sie werden mit Sandsäcken belegt. Hin und wieder werden, zur Erleichterung des Baues, im Gang kleine Öffnungen seitwärts gelassen.

2) Die halb bedeckte Sappe, wurde ehedem auf dem Glacis gebraucht, und ist wie die vorige, aber nur stückweise bedeckt, doch da die darin einschlagenden Granaten und Rikoschettkugeln häufig darin fort rollen, so ist sie außer Gebrauch gekommen.

3) Die einfache Zwergwall-Sappe, Fig 121. Dies ist eine völlige Sappe, welche aber nicht in gerader Linie vorgetrieben wird, sondern in mehreren rechtwinkligen Wendungen an den vorgesetzten Punkt gelegt. Man bedient sich ihrer auf dem Glacis, und zur Verfertigung der Linien längs der Krete des Glacis.

4) Die doppelte Zwergwall-Sappe, Fig. 122. Hier ist von der vorigen nur der Unterschied, dass man parallel mit der ersten noch eine andere völlige Sappe in eben denselben Winkeln führt, deren Brustwehr nach außen aufgeworfen wird. Sie hat oben 11 und unten 10 Fuß Breite, und wird auf Dämmen und den Kapitalen des Glacis angewandt, wenn man von den ausspringenden Winkeln des bedeckten Weges in den Rücken genommen werden kann. Auf den rückwärts liegenden sichersten Punkten werden kleine Rastellen von 4 bis 6 Fuß Breite angebracht.

5) Die doppeltwendende Sappe oder Würfelsappe, Fig. 123. Sie besteht aus zwei einfachen Zwergwall-Sappen, von denen jede ihre Brustwehr nach außen kehrt, und die 12 Fuß von einander, und in gleicher Höhe, parallel, bis auf einen gewissen Punkt vorgetrieben werden. Von diesem Punkt an wendet sich die eine, in einem rechten Winkel, rechts und zwei Mal links, die andere aber eben so links und zwei Mal rechts, wodurch gemeinschaftlich eine Traverse b gebildet wird, von welcher die Sappe in ihrer Hauptrichtung fortgeht. Sonst bleibt alles wie bei der einfachen Zwergwall-Sappe. Die durch diesen Gang der Sappen gebildeten Traversen sind 24 Fuß lang, und decken jederzeit den kurzen vertieften Gang bis zur nächsten Traverse vor den Enfilier-Schüssen. Ihre Anwendung findet die Würfelsappe vorzüglich beim Cheminement auf den Kapitallinien. Die Maße in Absicht der Länge aller dieser Sappen und Traversen hängen von der Lage und Höhe der feindlichen Werke ab.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe