Preußischer Generalleutnant Robert (Rupert) Scipio von Lentulus

Robert (Rupert) Scipio von Lentulus, preußischer Generallieutenant. Sein Vater, Cäsar Joseph von Lentulus, gehörte einer Familie an, welche im Aufang des 17. Jahrhunderts Rom verlassen und sich in Bern niedergelassen hatte, trat aber in österreichische Dienste, in denen er als Feldmarschall-Lieutenant und Stadt- und Festungskommandant von Kronstadt in Siebenbürgen am 29. Mai 1744 starb. – Robert Scipio von Lentulus, am 18. April 1714 zu Wien geboren und von den Jesuiten unterrichtet, tritt 1728 als Fähnrich in das k. k. Dragonerregiment von Philippi, nimmt mit diesem, nachdem er den Feldzug des Jahres 1734 in Italien als Adjutant des bei Parma am 28. Juni erschossenen Feldmarschalls Graf Mercy mitgemacht hat, an den Ereignissen des polnischen Erbfolgekrieges am Rhein und an der Mosel 1734–35, an dem unglücklichen Türkenkriege von 1737–39 und am Österreichischen Erbfolgekrieg von 1742–44 in Bayern und Böhmen teil und wird mehrfach zu militärisch-diplomatischen Geschäften gebraucht, so zur Ordnung der Quartierlinie zwischen den kriegführenden Völkern, nachdem im Jahre 1735 der Waffenstillstand abgeschlossen ist, und zur Grenzregulierung zwischen dem Banat und Serbien nach dem Belgrader Frieden.

Daneben benutzt er jede sich ihm bietende Gelegenheit, seinen Geist zu bilden und seinen Gesichtskreis zu erweitern und unternimmt größere Reisen in Italien und nach dem Orient. Auch im Felde tritt er mehrfach hervor; entscheidend für seine Laufbahn aber wird sein Benehmen bei der Übergabe von Prag, wo er am 16. September 1744 sich weigert, die Kapitulation zu unterschreiben und, zwischen den preußischen Bataillonen, vor welchen die Waffen gestreckt werden sollen, angekommen, seinen Degen zerbricht und seinen Dragonern befiehlt, ein gleiches zu tun. „Er sei nicht nach Prag cominandirt worden, um die Waffen zu strecken, sondern um zu fechten“, sagt er dem preußischen General von Einsiedel. Friedrich der Große, hiervon in Kenntnis gesetzt, zieht ihn zur Tafel und äußert den Wunsch, Lentulus, welcher damals Hauptmann ist, möge in seine Dienste treten. Dies lehnt er damals ab, nimmt indes anfangs Januar 1745, da er seines evangelischen Glaubensbekenntnisses halber im Avancement zurückgesetzt zu werden meint, seinen Abschied und geht zunächst nach Bern, wie er sich denn überhaupt stets als Schweizer betrachtet hat; nach dem Dresdener Frieden aber, ein Jahr später, tritt er durch Vermittlung des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau in preußische Dienste.

Mit einem Patent, welches das Datum jenes Tages von Prag trägt, wird er Major und Flügeladjutant des Königs; seine Vermählung mit einer Tochter des Staatsministers und Oberstallmeisters Grafen Schwerin, an welche Friedrich bei dieser Gelegenheit eine Ode richtet, trägt dazu bei, ihn in Preußen heimisch zu machen; der Anteil, den er an des Königs Bemühungen zur Ausbildung der Reiterei hat, befestigt ihn in dessen Gunst noch mehr; 1752 schickt ihn dieser nach Kassel, als es sich um die Verbindung seines Bruders Heinrich mit der hessischen Prinzessin Wilhelmine handelt.

Im Siebenjährigen Krieg befindet sich Lentulus zunächst im königlichen Hauptquartier, hat nach der Kapitulation von Pirna der Königin von Sachsen die Komplimente des Königs, nach der Schlacht bei Lobositz die Siegesbotschaft nach London zu überbringen und kämpft bei Prag und Kolin; sein Benehmen bei Roßbach und namentlich die von ihm geleitete Verfolgung nach der Schlacht aber bestimmen den König, ihn hinfort bei der Truppe zu verwenden. Zum Generalmajor befördert, leistet er an der Spitze einer, aus der Garde du Corps und den Gensd’armes bestehenden Brigade, bei Leuthen unter Zieten hervorragende Dienste, für welche ihm der König durch ein Geschenk von einigen Tausend Talern dankt, und bringt von der Verfolgung 15 Geschütze, mehrere Hundert Gefangene zurück; im Frühjahr 1758 berennt er mit 7 Kürassierregimentern Schweidnitz, und geht dann mit dem König nach Mähren; der Tag von Zorndorf, wo seine Brigade 7 Fahnen und 14 Geschütze nimmt, bringt ihm neue Lorbeeren; bei Hochkirch hält er wacker Stand. 1759 dient er in Schlesien, 1760 zeichnet er sich an der Spitze von zwei Dragonerregimentern namentlich in der Schlacht bei Liegnitz (15. August) aus, befehligt im darauffolgenden Winter die Postierungen in Schlesien und schließt seine glänzende Kriegslaufbahn am 16. August 1762 durch hervorragende Leistungen im Treffen bei Reichenbach, zu dessen günstiger Entscheidung er wesentlich beiträgt, glänzend ab.

Dem König gegenüber im Wagen sitzend, hält „der schöne Lentulus" seinen Einzug in Berlin und auch in Zukunft ist er, obgleich in Schönebeck bei Magdeburg garnisonierend, viel in der Gesellschaft des Monarchen, welcher seinen Geist, seine allgemeine Bildung und seine Sprachkenntnisse schätzt und ihn zu mancherlei Geschäften gebraucht, so 1768 zur Stillung eines in Neuchâtel ausgebrochenen Aufruhrs und 1773 zur Besitznahme der durch die erste Teilung Polens an Preußen gefallenen Gebiete, 1769 hat er den König zu dessen Zusammenkunft mit Kaiser Joseph nach Neiße begleitet. Mit seinem schweizerischen Heimatlande, dem er außerdem seit 1768 als Gouverneur von Neuchâtel angehört, ist er in steter Verbindung geblieben und als er 1779, nachdem er noch bei der Armee des Prinzen Heinrich am Bayerischen Erbfolgekrieg teilgenommen, die mit Rücksicht auf sein Alter erbetene Entlassung erhalten hat, tritt er an die Spitze des bernischen Militärwesens, eine Stellung, welche ihm sowohl zur Verbesserung der vorgefundenen Einrichtungen, wie zu tätigem Eingreifen bei ausgebrochenen Unruhen Veranlassung gibt. Er stirbt am 26. Dez. 1787 auf seinem Gut Monrepos bei Lausanne.

Quelle: Bernhard von Poten

Bibliographie

  • Haller, F. L.: Leben des Herrn v. Lentulus (Bern 1787)
  • König, Anton Balthasar: Biographisches Lexikon aller Helden und Militärpersonen, welche sich in preußischen Diensten berühmt gemacht haben, II. (Berl. 1788)
  • Poten, Bernhard von: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 18 (Leipzig, 1883)
  • Thürheim: Gedenkblätter aus der Kriegsgeschichte der österreichischen Armee, 2. Bd. (Wien und Teschen 1880)
  • Wurzbach: Biographisches Lexikon, Teil XIV

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