Bautzen

Bautzen
Das Rathaus am Hauptmarkt in Bautzen. Im Hintergrund links der Turm des Doms St. Petri zu Bautzen.

Bautzen (wendisch Budissin), Hauptstadt der [ehem.] gleichnamigen sächsischen Kreishauptmannschaft, die erste der sogen. Vierstädte, auf einer steilen Anhöhe (210 m ü. M.) an der Spree, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Dresden-Görlitz, Schandau-Bautzen und Bautzen-Königswartha, besteht aus der eigentlichen, mit Mauern und Warttürmen umgebenen Stadt und Vorstädten, die durch Alleen von der Stadt geschieden und mit Wall und Gräben (jetzt z. T. Promenaden) umgeben sind, während das meist von Wenden bewohnte Dorf Seidau (3068 Einwohner) nördlich, ebenfalls an der Spree liegt. Auf dem höchsten Punkt der Stadt liegt das 958 gegründete, aber später abgebrannte Schloß Ortenburg, ehemals häufig Residenz der Könige von Böhmen, jetzt Sitz mehrerer Behörden.

Schloß Ortenburg in Bautzen
Schloß Ortenburg in Bautzen

Unter den Kirchen ist die bemerkenswerteste der paritätische Dom St. Petri, ein großer Hallenbau von unregelmäßiger Grundform, 1441–97 erbaut, mit 94 m hohem Turm und kostbaren Kirchengefäßen. Ein eisernes Gitter trennt den evangelischen und katholischen Teil. Andere Kirchen sind die alte und die neue zu St. Maria und Martha, die evangelische Dreifaltigkeits- oder Taucherkirche, die St. Michaeliskirche (für wendische Protestanten) und die Kirche zu Unserer Lieben Frau (für wendische Katholiken). Andere ansehnliche Gebäude sind: die beiden Landschaftshäuser, die Dekanei (Kapitelhaus), das schöne Rathaus mit schlankem Turm, das Stadtbad etc. Sehenswert sind auch die Ruinen der Nikolai- und der Mönchskirche innerhalb der Stadt.

Die Schloßstraße in Bautzen
Die Schloßstraße in Bautzen

Die Zahl der Einwohner betrug 1900 mit der Garnison (Kgl. Sächs. 4. Infanterie-Regiment Nr. 103) 26.024, darunter 3198 Katholiken und 65 Juden. Der älteste, schon im 17. Jahrhundert wichtige Industriezweig ist das Stricken und Wirken wollener Strümpfe, Jacken etc.; auch die Tuchfabrikation ist bedeutend. Außerdem hat Bautzen drei Eisengießereien mit Maschinenbauwerkstätten, einen Kupferhammer mit Walzwerk, ein Stanz- und Emaillierwerk, Fabriken für schmiedeeiserne Fenster und Eisenkonstruktionen, Wagenbau, Fabrikation von Fahrrädern, Zement- und Tonwaren, Zigarren, Pulver, Leder, Papier, Strickmaschinen, Sprit etc.; ferner mechanische Spinnerei und Weberei, lithographische Anstalten, Färberei, eine Appretur- und chemische Waschanstalt, Bierbrauerei, Ziegelbrennerei, Granitsteinbrüche etc.

Der Fleischmarkt hinter dem Bautzener Rathaus
Der Fleischmarkt hinter dem Bautzener Rathaus

Der Handel erstreckt sich vorzugsweise auf die Erzeugnisse der dortigen Industrie. Er wird unterstützt durch eine Reichsbanknebenstelle und die Landständische Bank; auch besitzt Bautzen schon seit 1284 ein Kaufhaus, das jetzt von Grund auf umgebaute Gewandhaus. An Bildungsanstalten befinden sich dort: ein Gymnasium (seit 1556), ein evangelisches und ein katholisches Schullehrerseminar, eine Realschule, eine Handelslehranstalt, eine landwirtschaftliche Lehranstalt, eine Industrie- und Gewerbe- und eine Gartenbauschule, ein Altertumsmuseum, eine Bildergalerie etc.

An Wohltätigkeitsanstalten zählt Bautzen vier Spitäler, ein Waisenhaus, eine Korrektionsanstalt etc. Bautzen ist Sitz einer Kreis- und Amtshauptmannschaft, eines Konsistoriums, eines Landgerichts, eines Hauptzollamtes und des Domstifts St. Petri, das aus einem katholischen Dechanten (der stets infuliert und jetzt gewöhnlich ein Bischof in partibus ist), einem evangelischen Propst (stets ein Meißener Domherr, weil das Domstift St. Petri geschichtlich ein Kollegiatstift von Meißen ist), 10 Domherren und 5 Vikaren derselben besteht. Das Stift wurde 1213 von dem Bischof Bruno II. von Meißen gestiftet und hat große Besitzungen. Die städtischen Behörden zählen 10 Magistratsmitglieder und 27 Stadtverordnete. – Zum Landgerichtsbezirk Bautzen gehören die 18 Amtsgerichte zu: Bautzen, Bernstadt, Bischofswerda, Ebersbach, Großschönau, Herrnhut, Kamenz, Königsbrück, Löbau, Neusalza, Neustadt bei Stolpen, Ostritz, Pulsnitz, Reichenau, Schirgiswalde, Sebnitz, Stolpen und Zittau.

Geschichte

Blick vom Mühltor entlang der Stadtmauer zur Mühlbastei in Bautzen
Blick vom Mühltor entlang der Stadtmauer zur Mühlbastei in Bautzen

Bautzen, ursprünglich eine slawische Niederlassung Budissin, erscheint um 1004, wo es vom König Heinrich II. erobert ward, als befestigte Stadt. Hier ward 1018 der Friede zwischen dem Polenherzog Boleslaw und Kaiser Heinrich II. und 1350 der Vertrag zwischen Karl IV. und Ludwig von Brandenburg geschlossen, durch den Ludwig seinen Ansprüchen auf die Niederlausitz entsagte, aber Brandenburg verbürgt erhielt. 1431 schlug Bautzen einen Sturm der Hussiten ab. 1620 nahm es Kurfürst Johann Georg, 1633 Wallenstein ein, und 4. Mai 1634 brannte es der vom Kurfürsten von Sachsen belagerte kaiserliche Oberst v. Goltz, bevor er sich ergab, nieder. Am 20. und 21. Mai 1813 stellten sich hier die verbündeten Preußen und Russen zur zweiten Schlacht bei Bautzen (auch Schlacht bei Wurschen genannt).

Die Kreishauptmannschaft Bautzen zählt auf 2470 km² (44,86 mi²) (1900) 405.173 Einwohner (164 auf 1 km²), davon 361.285 Evangelische, 41.605 Katholiken und 12.416 Juden (ca. 47.000 Wenden), und besteht aus den vier Amtshauptmannschaften:

  km² mi² Einwohner auf 1 km²
Bautzen 826 15,00 119.939 145
Kamenz 696 12,04 69.546 100
Löbau 523 9,50 102.233 195
Zittau 424 7,70 113.455 268

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Historische Orte