Jean Victor Marie Moreau, Général de Division

Jean Victor Marie Moreau (spr. mŏro), französischer General, geb. 11. Aug. 1763 in Morlaix (Finistère), gest. 2. Sept. 1813, ward Justizbeamter in Rennes. Beim Ausbruch des Krieges von 1792 führte er ein Freiwilligenbataillon, leitete 1793 als Général de Brigade den Angriff auf die Preußen bei Pirmasens, nahm 1794 als Général de Division rühmlichen Anteil am belgischen Feldzug und 1795 bei der Eroberung Hollands. 1796 erhielt er das Kommando über die Rhein- und Moselarmee. Ein umsichtiger, scharfblickender General, wenn auch ohne schöpferische Initiative, drängte er Wurmser bis Mannheim zurück, überschritt 24. Juni bei Kehl den Rhein, schlug Latour 5. Juli bei Rastatt, den Erzherzog Karl 9. Juli bei Malsch, drang durch den Schwarzwald auf dem rechten Donauufer bis zur Isar vor, schloss mit Bayern 7. Sept. den vorteilhaften Vertrag von Pfaffenhofen, wurde aber durch die Niederlage und den Rückzug Jourdans ebenfalls gezwungen, zurückzuweichen. Auf diesem meisterhaft geleiteten Rückzug schlug er die ihn einholenden Österreicher 2. Okt. bei Biberach und erreichte, nachdem er 24. Okt. bei Schliengen noch einmal mit Erzherzog Karl gekämpft, Ende Oktober den Rhein, den er bei Hüningen überschritt.

1797 kämpfte er wieder am rechten Rheinufer. Nach dem Wiederausbruch des Krieges befehligte er 1799 wiederholt die von Suworow bedrängte italienische Armee, konnte jedoch die völlige Niederlage der Franzosen nicht verhindern. Nach Paris zurückgekehrt, schloss er sich aus Grimm gegen das Direktorium dem General Bonaparte an und nahm am Staatsstreich des 18. Brumaire teil. Hierauf erhielt er den Oberbefehl über die Rheinarmee und ging mit 90.000 Mann zum drittenmal (Ende April 1800) über den Oberrhein. Im Mai drängte er die Österreicher unter Kray durch eine Reihe glücklicher Gefechte bei Stockach, Engen, Möskirch, Biberach und Ulm zurück, drang über die Donau und bahnte sich durch die Siege bei Höchstädt, Nördlingen und Neuburg den Weg bis zum Jun, worauf die Österreicher 15. Juli mit ihm den Waffenstillstand zu Parsdorf schlossen. Als sich aber im November die Friedensunterhandlungen zerschlugen, erfocht Moreau 3. Dez. den entscheidenden Sieg bei Hohenlinden, der ihm den Weg in das Herz von Österreich öffnete und den Frieden zu Lunéville herbeiführte.

Da Moreau durch seine republikanische Gesinnung und seinen Kriegsruhm Napoleon I. verhasst war, ward er, als in der Untersuchung über das angeblich von Pichegru und Cadoudal gegen Napoleon angezettelte Komplott mehrere Mitschuldige Aussagen gegen Moreau machten, 4. Febr. 1804 verhaftet, in den Temple gesetzt und angeklagt; nur die unmittelbare Beeinflussung durch Bonaparte führte die Verurteilung des an Charakter schwachen, als Politiker unfähigen, aber an der Verschwörung schuldlosen Moreau zu zwei Jahren Gefängnis herbei, die jener willkürlich in Verbannung verwandelte. Moreau schiffte sich nach Nordamerika ein, wo er sich in Morisville bei Trenton in New Jersey ansiedelte.

Im Frühjahr 1813 folgte er einer Einladung des russischen Kaisers, mit ihm Napoleon zu bekämpfen, und ward von Alexander I. zu seinem Generaladjutanten ernannt. Gegen seinen Willen unternahm man den Angriff auf Dresden. Als er während der Schlacht 27. Aug. mit Kaiser Alexander sprach, zerschmetterte ihm eine Kanonenkugel beide Beine. Man amputierte ihn und brachte ihn über das Gebirge nach Böhmen, wo er in Laun starb. Ludwig XVIII. erteilte seiner Witwe später den Titel einer Marschallin und ließ Moreau 1819 ein Denkmal in Paris errichten. Das Denkmal auf der Höhe von Räcknitz, von dem russischen Fürsten Repnin 1814 errichtet, deckt nur die beiden Beine Moreaus; der Körper ward in Petersburg beigesetzt.

Scott Bowden und Jim Getz bewerten Moreau im Spielsystem Empire III als inspirierenden, guten Armeekommandeur und Korpskommandeur.

Bibliographie

  • »Procès instruit par la Cour de justice criminelle contre Georges, Pichegru, Moreau, etc.« (Par. 1804, 8 Bde.)
  • Beauchamp: Vie politique, militaire et privée du général Moreau (Par. 1814)
  • Dontenville: Le général Moreau (Paris. 1899)
  • Picard: Bonaparte et Moreau (Par. 1905)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Französische Armee der Napoleonischen Kriege