Hüningen

Hüningen (Großhüningen, franz. Huningue), Stadt, ehemalige Festung und Kantonshauptort im deutschen Bezirk Oberelsass, Kreis Mülhausen, am Rhein, einem Zweig des Rhein-Rhonekanals und an der Eisenbahn St. Ludwig–Hüningen (mit fester Eisenbahnbrücke über den Rhein und Anschluss an die Badische Staatsbahn), hat eine katholische Kirche (Denkmäler der französischen Generale Abatucci und Cherin), Synagoge, Amtsgericht, ein Nebenzollamt, Seidenweberei, chemische Fabrik, Farbwaren-, Uhren- und Zigarrenfabriken, Färberei und Appreturanstalt, ein großes Petroleumlager und (1900) 2933 meist katholische Einwohner. Nahebei die nach Hüningen benannte, aber zur Gemeinde Blotzheim gehörige berühmte Fischzuchtanstalt. An der Stelle von Hüningen stand ursprünglich ein Pfarrdorf und dabei ein fester Turm zur Deckung der Rheinüberfahrt, beides unter der Obervogtei Basels. Nachdem das Dorf 1634 vom Herzog von Lauenburg den Kaiserlichen entrissen worden, kam es durch Kauf an Ludwig XIV. von Frankreich. Dieser ließ es durch Vauban 1679–81 befestigen, später daselbst eine Brücke über den Rhein schlagen und auf dem rechten Ufer beim jetzigen Dorf Kleinhüningen an der Mündung der Wiese einen Brückenkopf anlegen. Am 2. Febr. 1799 ging die Brückenschanze durch Kapitulation an die Österreicher über, und 14. April 1814 musste sich die bisher noch nicht eroberte Festung Hüningen den Österreichern und Bayern ergeben. Im Feldzug von 1815 nochmals von den Österreichern unter Erzherzog Johann belagert, kapitulierte die Festung abermals 26. Aug. 1815, worauf die Werke unbrauchbar gemacht wurden. 1871 kam Hüningen an das Deutsche Reich.
Bibliographie
- Casteig: La défense d'Huningue en 1815 (Par. 1898)
- Latruffe: Huningue et Bâle devant les traités de 1815 (Par. 1863)
- Tschamber: Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Hüningen (St. Ludwig 1894)
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909