Neuburg
Neuburg, 1) Neuburg an der Donau, unmittelbare Stadt im bayrischen Regierungsbezirk Schwaben, an der Donau und der Staatsbahnlinie Neuoffingen–Ingolstadt, Hauptstadt des ehemaligen reichsunmittelbaren Fürstentums Neuburg (s. unten), 392 m ü. M., hat eine evangelische und sieben katholische Kirchen, ein ehemaliges Schloss, ein vormaliges Jesuitenkollegium, ein Gymnasium mit Studienseminar, eine Realschule, eine landwirtschaftliche Winterschule, ein Priesterhospiz, ein Kloster der Barmherzigen Brüder, ein Kloster der Elisabethinerinnen, eine weibliche klösterliche Anstalt, ein Englisches Fräulein-Institut, einen Historischen Verein mit wertvollen Sammlungen, Theater, Landgericht, Amtsgericht, Bezirksamt, zwei Forstämter, ein Elektrizitätswerk, Bierbrauerei, Kreideschlemmerei, Dampfsägemühlen, Obst- und Gemüsebau und (1905) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 15) 8532 Einwohner, davon 1000 Evangelische.
In der Nähe das ehemalige Lustschloss Grünau, das Hofgestüt Rohrenfeld, die Ruinen der Altenburg und Kaiserburg und das Dorf Oberhausen, bei dem das Denkmal des hier gefallenen Henri de La Tour d’Auvergne steht. Zum Landgerichtsbezirk Neuburg gehören die elf Amtsgerichte zu Dillingen, Donauwörth, Geisenfeld, Höchstädt an der Donau, Lauingen, Neuburg, Nördlingen, Öttingen, Pfaffenhofen, Rain und Schrobenhausen.
Neuburg war 778–809 Bischofssitz (später Bistum Augsburg), dann Hauptort einer Pfalzgrafschaft, deren Inhaber Vögte über das Reichslehen Neuburg waren. Sie kam im 10. Jahrhundert an die Grafen von Scheyern und somit an Bayern. Das ehemalige Fürstentum Neuburg, 2750 km² (50 mi²) groß mit gegen 100.000 Einwohnern, bestand aus drei Gebieten: um Lauingen (links der Donau), um Neuburg (zu beiden Seiten der Donau) und um Allersberg (zwischen Nürnberg und Eichstätt). Am Ende des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1503–07) trat Bayern Neuburg an die Pfalz ab. Pfalzgraf Otto Heinrich überließ 1557 das Fürstentum (die sogen. Junge Pfalz) an Wolfgang von Zweibrücken, und dessen ältester Sohn, Philipp Ludwig, begründete 1569 die ältere Linie Zweibrücken-Neuburg, von der sich 1614 die Linie Pfalz-Sulzbach abzweigte. Jene bekam 1614 im Jülichklevischen Erbfolgestreit (s. Jülich) die Herzogtümer Jülich und Berg, trat bei dieser Gelegenheit zur katholischen Kirche über, folgte 1685 in der Kurpfalz und erlosch 1742; diese erbte 1742 die Besitzungen der älteren Linie und 1777 Bayern (s. Pfalz, Geschichte). Bei der neuen Landeseinteilung Bayerns 1837 ward Neuburg mit Schwaben zu einem Regierungsbezirk (Schwaben) vereinigt. Vgl. Gremmel, Geschichte des Herzogtums Neuburg (Neuburg 1872); Hasselmann, Neuburg und seine Umgebung mit seinen Mineralien etc. (Münch. 1895); Hübl, Bayrisch-Schwaben und Neuburg (Stuttg. 1901); »Führer durch die Stadt Neuburg und deren Umgebung« (Neuburg 1904).

Neuburg, 2) Neuburg am Inn, Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Passau, am Inn, ist durch eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer mit dem oberösterreichischen Wernstein am Inn verbunden. Neuburg am Inn hatte eine 1050 erbaute Höhenburg, die 1310 im Konflikt der Herzogtümer Bayern und Österreich zerstört wurde. Das heutige Schloss Neuhaus am Inn wurde von den siegreichen Habsburgern wieder aufgebaut und 1654 im Stil des Barock umgestaltet.


Neuburg, 3) Stift Neuburg, Benediktinerkloster bei Heidelberg am Neckar, 1130 als Tochterniederlassung von Lorsch gegründet, seit 1195 Nonnenkloster, wurde seit 1562 säkularisiert und 1670 in ein adliges Fräuleinstift verwandelt. 1709–73 war Neuburg Jesuitenniederlassung und ging 1804 in Privatbesitz über. Vgl. Sillib, Stift Neuburg (Sonderdruck aus dem »Neuen Archiv für die Geschichte der Stadt Heidelberg etc.«, Heidelb. 1903).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909