Französische Garde-Artillerie zu Fuß der Napoleonischen Kriege, 1808 bis 1815

Testbericht der 1:72 Figuren von ESCI

Französische Artillerie, 1:72 Figuren ESCI P-234.

Französische mittlere Fußartillerie der Linie. Die 8-pfündigen Kanonen und ihre Kanoniere sind Umbauten der Garde-Artillerie zu Fuß von ESCI. Die 6-pfündigen Kanonen im Vordergrund sind österreichische Geschütze des Siebenjährigen Krieges von Revell, und deren Bedienung französische Artilleristen von Airfix, direkt aus der Schachtel bemalt. Jede Kanone ist auf einem 1,5 x 3 Zoll großen artillery battalion stand montiert, der mit den Volley & Bayonet Spielregeln kompatibel ist. Solche großen Figurenstände wirken auf dem Spieltisch wie Minidioramen.

Inhalt

16 Artilleristen in 4 Posen, 24 mm Körpergröße entsprechen 173 cm

Bewertung

Exzellente Themenwahl. Die Figuren lassen sich leicht in Fußartillerie derselben Epoche umbauen, darunter auch Fußartillerie der Garde und Linie vieler mit Frankreich verbündeter Nationen. Lediglich die Auswahl an schweren Geschützen schränkt die Vielseitigkeit dieses Sets ein.

Französische Fußartillerie der Garde, 1:72 ESCI P-234.

Schöne Details. Knöpfe, Passepoils, und Gesichtszüge sind gut erkennbar und lassen sich leicht bemalen. Zusätzliche Ausrüstung wäre eine schöne Ergänzung gewesen. Die Kanoniere müssen ihre Tornister und Musketen in der Nähe der Kanone abgelegt haben, und solche Details gehören zum Diorama einer Batterie einfach dazu.

Brauchbare historische Posen. Die Bedienung könnte beim Abfeuern des Geschützes dargestellt sein, in diesem Fall stünde der Kanonier № 1 allerdings in Grundstellung.

Gute Gussqualität. Kein überschüssiger Kunststoff, nur minimale Gussnähte müssen vor dem Bemalen entfernt werden.

Französische 6-Zoll-Haubitze System Gribeauval, 1:72 ESCI P-234.

Das Verhältnis von Kanonen zu Haubitzen ist enttäuschend. Französische Batterien hatten normalerweise sechs Kanonen und nur zwei Haubitzen, aber in der Schachtel sind jeweils zwei enthalten. Auf einem Gussrahmen ist so viel Platz, warum können die Hersteller nicht ein paar zusätzliche Rohre hinzufügen und den Modellbauern in solchen Angelegenheiten mehr Auswahl bieten? Die französische Linienartillerie war mit 8-pfündigen Kanonen oder erbeuteten 6-pfündigen Geschützen ausgerüstet. Wer eine mittlere Geschützbatterie aufstellen möchte, wird Kanonen aus anderen Figurensets verwenden, insbesondere die 6-pfündige Kanone der österreichischen Artillerie von Revell. Am Zapfenstück des 8-pfündigen Geschützrohres fehlen die Henkel (Delphine); die Mündung müsste im Kaliber 100 mm gebohrt werden, also 1,4 mm im Maßstab 1:72. Die mitgelieferten Haubitzgranaten Kaliber 208 mm passen nicht in das Rohr der 6-Zoll-Haubitze Kaliber 166 mm.

Kanonier № 4 fehlt leider. Er hatte die wichtige Aufgabe, das Zündloch zu verschließen, während Kanonier № 1 mit dem Wischer/Ansetzer die Ladung ins Rohr stieß. Würde das Zündloch beim Ansetzen nicht geschlossen, könnte die durch das Rohr strömende Luft glimmende Rückstände anfachen und die Ladung vorzeitig zur Explosion bringen. Sobald die Ladung im Rohr war, stach Kanonier № 4 sie mit der Kartuschnadel an, ludelte das Zündloch ein oder setzte eine Schlagröhre ein, wodurch das Geschütz feuerbereit wurde.

Die Illustration auf der Verpackung zeigt die Uniform der französischen Artilleristen mit Aufschlagpatten, die Figuren werden hingegen mit runden Aufschlägen geliefert. Die Bärenfellmützen der Gardeartilleristen sind auf der Verpackung richtig ohne Beschlag dargestellt, der bei den Figuren irrtümlich vorhanden ist. Hier hilft nur, das angedeutete Blech zu übermalen oder mit Modelliermasse abzudecken.

Für diese Figuren wären lange Gamaschen sinnvoller gewesen, insbesondere für die frühen Kriegsjahre.

Der Unteroffizier hat eine lächerliche Pose eingenommen, er rammt sich das lange, schwere Fernrohr mit nur einer Hand ins Auge. Bitte nicht nachmachen, sonst drohen schwere Augenverletzungen!

Fehlerhafte Malanleitung auf der Verpackung: die Gardeartillerie hatte blaue Kamisole, und blaue Rabatten mit rotem Vorstoß. Die linke Figur auf der Rückseite der Verpackung trägt den Rock eines Gardegrenadiers. Möglicherweise handelt es sich um einen Infanteristen, der als Handlanger zur Artillerie kommandiert ist.

Historische Verwendung

Interessante Umbauten

Französische Fußartillerie, 1:72 ESCI P-234.
  • Französische und Verbündete Fußartillerie, 1804–1812. Tschako oder Raupenhelm ersetzen die Bärenfellmütze. Einige Kontingente trugen keine Epauletten, diese lassen sich aber ganz einfach mit dem Skalpell entfernen. Im Jahre 1810 wurden die Rockschöße verkürzt, die falschen Schoßumschläge schlossen nun mit dem unteren Rand der Schöße ab. Dies ist wiederum ein einfacher Umbau. Ab 1812 nahm die Artillerie allmählich das habit-veste der Infanterie an.
  • Italienische Fußartillerie der Garde, 1806–1815. Die Bärenfellmütze wird durch den Kolpak ersetzt.
  • Neapolitanische Fußartillerie der Garde, 1808–1815. Der Tschako mit Pompon, Federbusch, und Behängen ersetzt die Bärenfellmütze.

Bibliographie

Die Geschütze und Artilleristen der französische Garde-Artillerie zu Fuß sind ein wichtiger Teil des wachsenden Sortiments an Napoleonischen Figuren im Maßstab 1:72. ESCI/ERTL führten sie noch in ihren aktuellen Katalogen, und das Set sollte im Spielwarenhandel erhältlich sein.

Französische Armee der Napoleonischen Kriege