Woronesch
Woronesch, russisches Gouvernement, wird von den Gouvernements Tambow, Saratow, dem Donischen Gebiete, Charkow, Kursk und Orel umschlossen und hat ein Areal von 65,895 km² (1196,72 mi²). Das Land wird durch den Don in zwei Hälften geteilt, von denen die westliche von Kreidehügeln durchzogen wird, die östliche aber einen ausgesprochenen Steppencharakter trägt. An Mineralschätzen liefert Woronesch hauptsächlich Ton und Kreide. Eisenerze kommen vor, werden aber nicht abgebaut. Der Hauptstrom ist der Don, von dem 672 km dem Gouvernement angehören; seine zwei linken Nebenflüsse, der Woronesch und der Choper, sind nur im Frühjahr schiffbar. Das Klima ist kontinental (die mittlere Jahrestemperatur der Stadt Woronesch ist 5,9°). Vom Areal entfallen 69 Proz. auf Äcker, 8,7 auf Wald, 16,2 auf Wiese und Weide, 6,1 Proz. auf Unland. Die Einwohnerzahl betrug 1897: 2.531.253 (39 auf 1 km²). Die Bevölkerung besteht außer einer geringen Zahl deutscher Kolonisten (Riebensdorf) und Zigeuner im Süden aus Kleinrussen (40 Proz.), im Norden aus Großrussen und gehört mit 99,7 Proz. dem griechisch-orthodoxen Bekenntnis an. Haupterwerbszweige sind Ackerbau und Viehzucht. Die Ernte lieferte 1905 in Tonnen: Weizen 219.760, Roggen 398.454, Gerste 70.307, Hirse 50.577, Hafer 125.640, Kartoffeln 211.593. Gebaut werden ferner Hanf (1904: 202.623 dz), Tabak (16.725 dz) und Zuckerrüben (152.348 Ton.). Auch Obst- und Gemüsebau kommen in Betracht. In der Pferdezucht steht Woronesch in Russland an erster Stelle. Am Fluss Bitjug werden die berühmten Lastpferde dieses Namens und in dem großen staatlichen Gestüt von Chrenowskoje ausgezeichnete Traber gezüchtet. Die früher wichtige Schafzucht ist dagegen stark im Rückgang. 1900 zählte man 528.000 Pferde, 824.000 Stück Rindvieh, 1.840.000 Schafe (darunter 250.000 feinwollige), 288.000 Schweine, 30.000 Ziegen. Die Industrie war 1900 durch 4649 Betriebe mit 17.295 Arbeitern und 19,1 Mill. Rubel Produktionswert vertreten, Am wichtigsten sind Branntweinbrennerei, Getreidemüllerei, Zuckerfabrikation, Ölschlägerei. Die Hauptsitze des Handels sind Woronesch und Ostrogoshsk. Das Gouvernement, 1824 errichtet, zerfällt in zwölf Kreise: Birjutsch, Bobrow, Bogutschar, Korotojak, Nishnedewizk, Nowochopersk, Ostrogoshsk, Pawlowsk, Sadonsk, Semljansk, Walujki und Woronesch.
Das russische Infanterie-Regiment Woronesch diente 1812 in der 25. Infanterie-Division unter Generalmajor Peter von Baschutzki im Finnländischen Armeekorps des Generalleutnants Graf Fabian von Steinheil.

Woronesch, Hauptstadt des gleichnamigen russischen Gouvernements (s. oben), unweit des Einflusses des Woronesch in den Don, Knotenpunkt der Eisenbahnen Koslow-Woronesch-Rostow und Kiew-Woronesch, hat 37 Kirchen, ein Kloster, eine römisch-katholische und eine lutherische Kirche, zwei klassische Gymnasien und ein Kadettenkorps, eine Realschule, zwei Mädchengymnasien, ein Lehrer- und ein geistliches Seminar, ein Museum für Landeskunde, Denkmäler Peters d. Gr. und der aus Woronesch gebürtigen Dichter Kolzow und Nikitin, eine Aktien- und eine städtische Bank, drei allgemeine und fünf Pferdemessen, mehrere Fabriken, Handel und (1897) 80.599 Einwohner. Die Stadt ist Sitz eines griechisch-orthodoxen Erzbischofs; es gehören zu ihr drei große Sloboden (Vorstädte): die Troizkaja, die Jamskaja und die Tschishowka.
Woronesch wird schon zu Ende des 12. Jahrhundert erwähnt; 1586 wurde es zum Schutz gegen die Tataren ausgebaut. Peter d. Gr. legte hier 1694 große Werften an; ihm wurde 1860 ein Denkmal errichtet.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909