Wiese

Wiese.

Wiese, ein Grundstück, das dauernd mit Gräsern und Kräutern in geschlossenem Stand (Grasnarbe) bewachsen ist und nicht gepflügt wird. Natürliche Wiesen sind unbedingte oder sie können, wenn es dem Interesse des Wirtschafters entspricht, umgebrochen und zeitweise in Ackerland u. dgl. verwandelt werden. Ebenso sind die Kunstwiesen dauernde oder wechselnde. Der Lage nach unterscheidet man Flusswiesen, Talwiesen, in Vertiefungen zwischen Ackerfeldern und Heiden, in Tälern und an kleinen Bächen gelegen, Aue- oder Marschwiesen, Niederungswiesen, Bergwiesen, Waldwiesen, Feldwiesen, Moorwiesen. Salzwiesen heißen die an den Ufern der Meere oder salzigen Seen liegenden, meist durch große Güte und Fruchtbarkeit ausgezeichneten Wiesen. Man unterscheidet ferner: Wässerungs-, Rieselwiesen und nicht wässerbare Wiesen; nach dem Ertrag einschürige, zweischürige, mehrschürige Wiesen; erstere heißen auch Jakobswiesen, Herbstwiesen, die zweischürigen Pfingst- oder Grumtwiesen. Nach der Güte des Futters spricht man von süßen und sauren (quelligen) Wiesen. Der beste Boden für die Wiesen ist angeschwemmter, frischer, warmer und reicher Boden, in dem die günstigsten physikalischen Zustände mit nachhaltigem Reichtum an allen zur Grasbildung erforderlichen Nährstoffen in richtiger Beschaffenheit und Mischung verbunden sind (Lehm-, Lehmmergel-, Kalkmergel-, Mittelboden); der Untergrund muss mäßig gebunden, nährstoffreich und leicht zu bearbeiten sein. Im Grasbestand unterscheidet man Obergras und Unter- oder Bodengras; zu ersterem gehören die Gräser und Kräuter mit aufrechten und höheren Stengeln, zu letzterem die mit niedrigen oder kriechenden Stengeln. Das Vorhandensein verschiedener Gräser und Kräuter in der Grasnarbe ist für die Tragfähigkeit der Wiesen von großer Wichtigkeit; wie auch die Witterung sich gestalte, stets wird ein geschlossener Bestand möglich sein, weil sich stets Pflanzen finden, denen die gerade herrschende Witterung vorzugsweise zusagt; diese schützen alsdann durch ihr rascheres und üppigeres Wachstum die anderen, die bei anderer Witterung sich wieder kräftiger als jene entfalten. Diese Vorteile werden schon durch das Vorhandensein verhältnismäßig weniger Pflanzenarten erreicht. Bei einer Probe fand man auf 0,62 m² einer sehr reichen Wiese 1000 Pflanzen, und zwar 940 Gräser und 60 Klee- und andere Pflanzen, im ganzen aber nur 20 Arten; auf bewässerter Wiese 1702 Gräser und 96 Klee- und andere Pflanzen in noch weniger Arten. Im Kunstwiesenbau mischt man daher das Saatgemenge mit nur wenigen Arten, sät aber sehr reichlich.

Wiesen sind gewöhnlich im Sommer für alle Truppen zu passieren; jedoch in anderen Jahreszeiten ist das selten der Fall, besonders wenn sie mit Abzugsgräben versehene, abgelassene Teiche enthalten, oder mit Schilf, Weidenbäumen und Moos bewachsen sind.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe