Weide

Weide.

Weide (Viehweide, Trift), mit Weidepflanzen bestandenes und zum Abhüten durch die Haustiere bestimmtes Grundstück. Die natürliche Weide ist eine unbedingte, dauernde, wenn ihr Umbruch selbst bei entwickelter Kultur unzulässig ist, wie z. B. bei Lokalitäten, die regelmäßigen Überschwemmungen ausgesetzt sind oder an steilem Bergabhang liegen; bei extensiver Wirtschaft, der Kapital und Arbeitskräfte fehlen, kann selbst reine Weidewirtschaft, ohne Ackerbau, die sichersten Reinerträge liefern. Wo jedoch solche Verhältnisse nicht maßgebend sind, hat nur die künstliche oder wechselnde Weide noch Berechtigung, und zwar als Teil der allgemeinen Feldbestellung, sei es auf ein, zwei oder mehrere Jahre (Koppel-, Feldgras-, Schlag- und Egartenwirtschaft; s. Grasland und Koppelweide). Die Weide bildet, gut bestanden, eine vortreffliche Vorfrucht für viele Kulturpflanzen, in feuchten Gebirgslagen stellt sich dann von Natur aus wieder ein Graswuchs ein; die künstliche Ansaat aber gewährt den Vorteil, den Bestand der Weide beeinflussen zu können. Soll die Weide in der Fruchtfolge den höchsten Vorteil gewähren, so muss ihr kräftig gedüngte Vorfrucht vorausgehen, der Boden tüchtig und tief bearbeitet sein, und an Samen darf nicht gespart werden. Die Samenmischung besteht nur aus Klee und Raigras, oder aus Timothygras, oder auch nur aus Samen von anderen Gräsern und Kräutern. Man sät in eine Getreideart als Überfrucht und muss nach deren Aberntung das Vieh so lange fern halten, bis die jungen Pflanzen genugsam entwickelt sind. Die Weide darf nur mit Vorsicht behütet, d. h. nicht mit Vieh übersetzt und diesem nicht zugleich die ganze Fläche eingeräumt werden. Die Weiden sind zu dem Zweck entweder in angemessene Schläge von vornherein eingeteilt und mit Hecken oder Gräben umgrenzt, oder das Vieh wird in künstlichen Umzäunungen gehalten oder selbst angebunden. Man behütet entweder nur mit Schafen oder auch mit Rindvieh, Pferden und Schweinen, und zwar, wenn mit verschiedenem Vieh, mit allem zugleich oder mit dem größeren zuerst. In England füttert man die Tiere auch noch mit anderem Futter auf der Weide, besonders das Mastvieh. Für Gestüte und überhaupt für die Aufzucht von Jungvieh bedarf man größerer, mehr magerer Weiden; auf großen Gütern räumt man die dem Hof zunächst gelegenen Weiden dem Jungvieh und Arbeitsvieh ein; besonders üppige (Fettweiden) dienen nur zur Mastung und die entferntesten (Außenweiden) nur für Schafe. Dem Vieh darf es auf der Weide nicht an gutem Wasser und Schutz gegen Sonne und heftige Stürme fehlen. Die eigentliche Weidewirtschaft gewährt den Nutzen der Arbeits- und Kapitalersparnis, setzt aber für gleiche Viehstände weit größere Flächen als die Stallfütterung voraus und gewährt keineswegs den größten Reinertrag von gegebenem Areal. Das Vieh selbst bleibt bei vollem Weidegang gesünder und robuster, erlangt aber nicht die hohe Leistungsfähigkeit der heutigen Kulturrassen: beim Milchvieh begünstigt der Weidegang die Milchbildung, keineswegs aber größere Güte und Schmackhaftigkeit der Butter als die (rationelle) Stallfütterung. Nur die Zucht von Pferden und gutem Arbeitsvieh setzt den Weidegang voraus, und Schafe gedeihen als Wollvieh in der Regel besser mit Weidegang als bei Stallhaltung. Zufällige Weiden sind: die Stoppelweide nach Aberntung der Halmfrüchte, die Brachweide, die Vor- und Nachhut auf den Wiesen im zeitigen Frühjahr und im Herbst, die Saatweide bei zu üppigem Stande der Getreidefelder, endlich die Waldweide.

Bibliographie

  • Braungart: Handbuch der rationellen Wiesen- und Weidenkultur (Münch. 1899)
  • Burgtorf: Wiesen- und Weidenbau (5. Aufl., Berl. 1905)
  • Dünkelberg: Die Grasweide (Berl. 1905)
  • Delius: Die Kultur der Wiesen und Grasweiden (Halle 1874)
  • Emmerling und Weber: Beiträge zur Kenntnis der Dauerweiden (Berl. 1901)
  • Falke: Die Dauerweiden (Hannov. 1907)
  • König: Die Pflege der Wiesen und Weiden (2. Aufl., Berl. 1906)
  • Stebler: Der rationelle Futterbau (5. Aufl., Berl. 1903)
  • Stebler: Alp- und Weidewirtschaft (Berl. 1903)
  • Strebel, Die Jungviehweiden (Stuttg. 1908)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Glossar militärischer Begriffe