Wiborg
Wiborg, Gouvernement im Großfürstentum Finnland, begreift die in den Friedensschlüssen von Nystad 1721 und Åbo 1743 von Schweden abgetretenen Teile Finnlands nebst dem südlichen Teil des finnischen Karelien, wird von dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee bespült und umfasst, mit dem 8014 km² großen finnländischen Anteil am Ladogasee, 43.055 km² (782 mi²) mit (1905) 466.796 Einwohner (15 auf 1 km²), wovon 88 Proz. Lutheraner. Das Land ist größtenteils gebirgig und enthält zahlreiche Seen und Sümpfe sowie Mineralschätze: Kupfer und Zinn bei Pitkäranta, Eisenerze bei Wälimäki, ferner Granit, Porphyr, Marmor, Feldspat, Quarz. Neben dem Ackerbau haben Forstwirtschaft, Sägemüllerei, Holzmasse- und Papierfabrikation sowie Fischerei und Seefahrt als Erwerbszweige Bedeutung. Die bedeutendsten Flüsse sind der Wuoxen und der Kymmene (Grenzfluß gegen Nyland). Das Gouvernement zerfällt in neun Kreise.
Das russische Infanterie-Regiment Wiborg diente 1812 in der 22. Infanterie-Division unter Generalleutnant Sergei Alexandrowitsch Esersky im Armeekorps der Türkischen Front.

Wiborg (finn. Wiipuri), Hauptstadt des gleichnamigen finnischen Gouvernements (s. oben) und Festung (mit mehreren Forts), an der Mündung des Saimakanals in die Bucht Transund des Finnischen Meerbusens und an der Eisenbahn St. Petersburg–Helsingfors, hat sechs Kirchen, ein altes gotisches Schloss, eine Realschule, drei Lyzeen, zwei Mädchenschulen, eine Navigationsschule, ein Museum mit Bibliothek, zahlreiche Fabriken, einen Hafen, sechs Banken, ansehnlichen Handel mit Holzwaren, Butter und Eisen und (1905) 35.065 Einwohner. Wiborg ist Sitz des Gouverneurs von Wiborg, eines lutherischen Konsistoriums, des griechisch-orthodoxen Erzbischofs für Finnland und des Hofgerichts für die drei Gouvernements Kuopio, St. Michel und Wiborg sowie eines deutschen Konsuls. Die Umgebung der Stadt ist sehr anmutig (Berg Papula mit schöner Aussicht). 2 km davon liegt Monrepos, ein schönes Lustschloss des Barons Nicolai mit prächtigem Park.
Wiborg, mit einer bereits 1293 an gelegten Feste, wurde seit dem 15. Jahrhundert wiederholt vergeblich belagert. Am 24. Juni 1710 von Apraxin eingenommen, blieb es bis 1811 russischer Besitz. Nach Auflösung der ersten russischen Reichsduma tagte 22./23. Juli 1906 in Wiborg das sogen. russische Rumpfparlament, das hier das Wiborger Manifest erließ (vgl. Russisches Reich, S. 327).
Bibliographie
- Danielson, J. R.: Viborgs läns återförening med det öfriga Finland (Helsingf. 1894)
- Ruuth, J. W.: Viborgs stads historia (Helsingf. 1904–06).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909