Tula
Tula, Zentralgouvernement Großrusslands, grenzt im Norden an das Gouvernement Moskau, im Osten an Rjasan und Tambow, im Süden an Orel, im Westen an Kaluga, umfasst 30.960 km² (562,4 mi²). Das Land ist ein wellenförmiges Plateau mit einer durchschnittlichen Höhe von 267 m und nicht über 336 m (im Kreise Bogorodizk). Der Boden ist im südlichen und südöstlichen Teile fruchtbare Schwarzerde (Tschernosem) und liefert an Mineralschätzen Kohle (1902: 95.120 Ton.) und Eisenerze, jedoch in geringer Menge und von schlechter Beschaffenheit. Das Areal setzt sich zusammen aus 73,4 Proz. Äcker, 10,5 Proz. Wald, 10,7 Proz. Wiese und Weide, 2,4 Proz. Unland. Von Flüssen sind erwähnenswert: die Oka (teilweise Grenzfluss gegen Westen und Norden) und die zu ihr gehörenden Suscha, Upa, Ossetr und Pronja, ferner der Don, der hier entspringt; schiffbar ist nur die Oka. Das Klima ist mild und gesund. Die Einwohnzahl beläuft sich auf (1897) 1.419.456 (46 auf 1 km²), die fast nur Großrussen sind. Hauptprodukte sind: Getreide, Runkelrüben, Tabak und Ölpflanzen. Die Ernte lieferte 1905 in metrischen Tonnen: Roggen 272.076, Hafer 256.791, Kartoffeln 488.392, Weizen und Gerste nur in gelingen Mengen. Der Viehstand bezifferte sich 1903 auf 366.000 Pferde, 302.000 Rinder, 1.150.000 fast durchweg grobwollige Schafe und 182.000 Schweine. Obst- und Gemüsebau sind mäßig entwickelt; ersterer liefert fast nur Äpfel. Die Industrie war 1900 durch 651 Fabriken mit 20.160 Arbeitern und 16 Mill. Rubel Produktionswert vertreten. Die erste Stelle nimmt die Zuckerindustrie ein, die für über 5 Mill. Rubel produzierte. Es folgen Metallverarbeitung (insbes. Teemaschinen), Eisengießerei und Branntweinbrennerei. Über die stark im Niedergang befindliche Hausindustrie in Metallwaren vgl. Cleinow, Beiträge zur Lage der Hausindustrie in Tula (Leipz. 1904). Der Handel vertreibt außer den genannten Industrieerzeugnissen Borsten und Getreide (besonders Hafer) in großen Mengen, was durch das Eisenbahnnetz begünstigt wird, und hat seinen Hauptsitz in der Stadt Tula und in Bjelew. Im Tulaischen befinden sich einige alte Erdwälle (Gorodischtschi) und Kurgane, Zeugen der mit den Litauern und Tataren hier geführten Kämpfe. Tula zerfällt in zwölf Kreise: Alexin, Bjelew, Bogorodizk, Epifan, Jefremow, Kaschira, Krapiwna, Nowossilj, Odojew, Tschern, Tula und Wenew.
Das russische Infanterie-Regiment Tula diente 1812 in der 14. Infanterie-Division unter Generalmajor Iwan Nikolajewitsch Essen im I. Armeekorps des Generalleutnants Ludwig Adolf Peter Graf zu Sayn-Wittgenstein in der 1. Westarmee des Generals der Infanterie Michail Bogdanowitsch Fürst Barclay de Tolly.

Tula, 1) Hauptstadt des gleichnamigen russischen Gouvernements (s. oben), an der Upa, Knotenpunkt der Eisenbahnen Moskau-Kursk und Sysran-Wjasma, hat 46 Kirchen, zwei Klöster, und unter den sonstigen öffentlichen Bauten ragen hervor das Exerzierhaus und die Gouvernementsgebäude. Die Zahl der Einwohner betrug 1901: 109.352. Die Bedeutung der Stadt beruht auf ihrer Industrie und ihrem Handel. Es werden hier 251 Fabriken und andere gewerbliche Etablissements mit über 13 Mill. Rubel Produktionswert gezählt. Am bedeutendsten ist die Metallindustrie. Bemerkenswert ist die große kaiserliche Gewehrfabrik, die 1705–14 von Peter I. gegründet wurde und den größten Teil der russischen Infanteriegewehre liefert. Die Hausindustrie in Metall ist hier im 16. Jahrhundert entstanden und bis jetzt noch ziemlich bedeutend. Die tulaischen Waren aus Stahl und Eisen (Messer, Scheren, Zangen etc.), aus Weißkupfer und anderen Kompositionen, vorzüglich dem sogen. Tulametall (s. Niello), wie Teemaschinen, Dosen und Galanteriewaren, sind berühmt. Tula ist Bischofssitz, hat 76 Lehranstalten, darunter ein klassisches Gymnasium, eine Realschule, ein Militärgymnasium, ein Mädchengymnasium, ein geistliches Seminar, eine Eisenbahnschule, ein Arsenal, ein Museum für Hausindustrie, ein Theater und mehrere Bankanstalten. Die Stadt wird zuerst im 12. Jahrhundert erwähnt.
Tula, 2) Stadt im mexikanischen Staat Hidalgo, 2080 m ü. M., am Rio de Tula und an der Eisenbahn Mexiko-Queretaro, das alte Tollan, Hauptstadt der Tolteken, mit Baumwollenfabrik und (1900) 1942 Einwohner.
Tula, 3) Stadt im mexikanischen Staat Tamaulipas, an der Grenze gegen San Luis Potosi, inmitten eines reichen Ackerbaudistriktes, mit (1900) 6935 Einwohner.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909