Glogau

Glogau

Glogau, 1) (Großglogau) Kreisstadt und Festung zweiten Ranges im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Liegnitz, links der Oder, 83 m ü. M., hat drei evangelische und drei katholische Kirchen (darunter der gotische Dom auf einer Oderinsel), eine Synagoge und ein königliches Schloss. In neuerer Zeit ist die Erweiterung der Stadt durch das Hinausschieben von Festungswerken ermöglicht worden. Die Zahl der Einwohner beträgt (1900) mit der Garnison (2 Bataillone Infanterie Nr. 58, ein Regiment Feldartillerie Nr. 41, ein Bataillon Fußartillerie Nr. 6 und ein Pionierbataillon Nr. 5) 22.147 Seelen, davon 6500 Katholiken und 716 Juden. Die Industrie besteht in Eisengießerei, Maschinen- und Kesel-, Zementwaren-, Turmuhren-, Zucker-, Stärke-, Sirup-, Dextrin-, Möbel- und Hutfabrikation, Dampfstellmacherei; auch hat Glogau eine große lithographische Anstalt mit kartographischem Institut. Dre Handel wird unterstützt durch eine Reichsbankstelle (Umsatz 1902: 608,2 Mill. Mark). Von Bedeutung sind die dortigen Wollmärkte. Glogau ist Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Lissa–Sagan, Glogau–Reppen und Breslau–Raudten. Glogau passierten 1902 auf der Oder zu Berg: 9376 Fahrzeuge mit 406.020 t Ladung, zu Tal: 9952 Fahrzeuge mit 1.959.618 t Ladung. Glogau hat ein evangelisches und ein katholisches Gymnasium, Kriegsschule, fürstbischöfliches Knabenkonvikt, Waisenhaus, Diakonissenanstalt etc. und ist Sitz eines Landgerichts, Hauptsteueramtes, einer Spezialkommission sowie des Stabes der 9. Division, der 17. Infanterie-, der 9. Feldartillerie- und der 9. Kavalleriebrigade. Zum Landgerichtsbezirk Glogau gehören die 15 Amtsgerichte zu: Beuthen a. O., Freistadt, Glogau, Grünberg, Guhrau, Halbau, Herrnstadt, Karolath, Kontopp, Neusalz, Polkwitz, Priebus, Sagan, Sprottau und Steinau.

Glogau war schon zu Anfang des 11. Jahrhunderts eine befestigte Stadt, die 1109 vom Kaiser Heinrich V. vergeblich belagert wurde. Unvermögend, die Stadt gegen Friedrich Barbarossa zu halten, steckte sie 1157 der Herzog selbst in Brand, und erst unter Herzog Heinrich I., dem Bärtigen, erstand sie wieder.

Die Festungswerke sind größtenteils in den Felsen gesprengt. Auf dem rechten Ufer der Neiße liegt die von den Preußen 1745–50 angelegte neuere Festung, der Schäferberg. Die Stadtbefestigung ist aufgegeben worden, auf ihren eingeebneten Werken ist ein neuer Stadtteil entstanden. Von den drei Kirchen (zwei katholischen und einer evangelischen) ist besonders die alte Stadtpfarrkirche bemerkenswert; in ihr sind die Grabmäler von sieben schlesischen Herzogen. Außerdem hat Glatz eine Synagoge. Kaiser Wilhelm I. und dem Grafen Götzen sind Denkmäler errichtet worden. Die Einwohnerzahl beträgt (1900) mit Garnison (Infanterieregiment 38) 14.926 Seelen, darunter 2564 Evangelische und 183 Juden. In der Stadt befinden sich Zigarren-, Gamaschen-, Wurst-, Tonwaren- und Maschinenfabrikation, Eisengießerei, Bierbrauerei, Spiritusbrennerei, ein Dampfsägewerk und Ziegelbrennerei. Glatz hat ein Gymnasium mit Konvikt, zwei Waisenhäuser und ist Sitz eines Landgerichts, eines Hauptsteueramts und einer Reichsbanknebenstelle. Zum Landgerichtsbezirk Glatz gehören die elf Amtsgerichte zu Frankenstein, Glatz, Habelschwerdt, Landeck, Lewin, Mittelwalde, Münsterberg, Neurode, Reichenstein, Reinerz und Wünschelburg.

Eine Burg Kladsko wird schon 937 urkundlich erwähnt, wo sich um 1250 deutsche Einwanderer niederließen. Glatz besaß bis 1546 Magdeburger Stadtrecht; es wurde 1429 von den Hussiten vergeblich belagert. Während des Dreißigjährigen Krieges ward es 1622 von den Kaiserlichen erobert und mehrere Male von den Schweden vergebens berannt. Nachdem Glatz preußisch geworden, ward es 1760 von Laudon belagert und die Zitadelle durch Überfall genommen. Von Friedrich d. Gr. mit neuen Befestigungen versehen, erfuhr Glatz 1807 noch eine hartnäckige Belagerung von seiten der Bayern und Württemberger; schon war das verschanzte Lager erstürmt und die Übergabe beschlossen, als der Tilsiter Friede Glatz im Besitz Preußens ließ. 1821 und 1883 richtete das Hochwasser große Verwüstungen an.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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