Belle-Île-en-Mer

Belle-Île-en-Mer.

Belle-Île-en-Mer (spr. bäl-īl‘, Belle Isle), französische Insel im Atlantischen Ozean, 12 km südlich von der Halbinsel Quiberon, zum Département Morbihan, Arrondissement Lorient, gehörig, 89,6 km² (1,5 mi²) groß mit (1901) 9771 Einwohnern. Sie ist von Felsen umgeben, im Inneren aber reich an fruchtbarem Weide- und Ackerland. Die Einwohner treiben Ackerbau, Pferdezucht, Fischerei (besonders Sardellenfang), Salzschlämmerei, Handel mit Getreide, Vieh, Fischen. Hauptort ist der Hafenort Le Palais.

Charles IX. gab die Insel 1572 als ein Marquisat dem Marschall von Retz, dessen Sohn sie 1658 an den Finanzintendanten Fouquet de Belle-Isle verkaufte, der sie befestigen ließ. Dessen Enkel war der Marschall Belle-Isle, der die Insel 1718 für die Grafschaft Gisors der Krone abtrat.

Während des Siebenjährigen Krieges war Belle-Île für die Trinkwassserversorgung der französischen Flotte von strategischer Bedeutung.

Die Engländer bemühten sich daher nachdrücklich um die Kontrolle über die Insel, um von dort aus die Mündung der Loire und die Stadt Nantes bedrohen zu können. Die Seeschlacht bei den Cardinaux (östlich von Hœdic) verschaffte ihnen die Vorherrschaft in den dortigen Gewässern. Am 20. Nov. 1759 siegte in der Bataille des Cardinaux (engl. Battle of Quiberon Bay) die britische Flotte unter Hawke über die französische unter Conflans.

Am 29. März 1761 legte eine britische Flotte unter Vizeadmiral Augustus Keppel und General Studholme Hodgson von Portsmouth ab, und langte am 6. April vor Port Andro im Südosten der Insel an, woraufhin am 7. April britische Truppen unter General John Craufurd in Booten landeten. Von den Franzosen unter dem Chevalier de Sainte-Croix zurückgewiesen, mussten sich die Briten mit einem Verlust von 500 Mann zurückziehen und wieder einschiffen.

Am 22. April führte Craufurd eine zweite Landung gegen die französische Stellung bei Port Andro, die wiederum an den starken Verschanzungen der Franzosen zu scheitern drohte. Craufurds Angriff wurde von Demonstrationen gegen Sauzon im Nordwesten und St. Foy, nordwestlich von Port Andro, begleitet, in deren Verlauf es Truppen unter Brigadier Hamilton Lambart gelang, die steilen, schroffen Klippen bei St. Foy unbemerkt zu erklimmen und dort einen Brückenkopf am Strand „Grands Sables“ zu bilden. Ein Gegenangriff in der Nähe befindlicher französischer Truppen konnte mithilfe der Royal Navy abgewiesen werden. Über diese Entwicklung unterrichtet, brach Craufurd seinen eigenen Angriff ab, und umschiffte mit seinen Truppen die Südostspitze der Insel, um Lambart zu verstärken. Bei Einbruch der Dunkelheit war die gesamte britische Streitmacht an Land, die Franzosen zogen sich in die Hauptstadt Le Palais zurück.

In der Folge vertrieben die britischen Invasoren die Franzosen aus ihren hastig angelegten Schanzen auf den Höhen über Le Palais, und legten dort Belagerungsbatterien an, mit denen sie die Stadt und Zitadelle überhöhten. Vauban hatte diese Bedrohungslage bereits im 17. Jahrhundert erkannt, und eine entsprechende Erweiterung der Befestigungen gefordert, die jedoch abgelehnt wurde.

Die Hauptenceinte wurde von britischen Kriegsschiffen beschossen und innerhalb von drei Wochen breschiert, woraufhin Sainte-Croix am 8. Juni 1761 die Zitadelle von Le Palais mit allen militärischen Ehren an die Briten übergab. Am 24. Dezember 1761 zum Gouverneur von Belle-Île-en-Mer ernannt, gab John Craufurd sein Amt am 17. März 1762 an Hamilton Lambart ab, dem am 21. Juni 1762, Lt. Col. James Forrester als Gouverneur folgte. Sein Vize-Gouverneur war Lt. Col. Thomas Oswald, Kommandeur des 103rd Regiment of Foot (Volunteer Hunters), die gemeinsam mit den Royal Marines an der Eroberung der Insel teilgenommen hatten.

Im Frieden von Paris (1763) wurde Belle-Île-en-mer an Frankreich zurückgegeben, wofür die Briten im Gegenzug die Insel Menorca zurückerhielten. Die Briten unter Forrester verließen Belle-Île-en-mer am 11. Mai 1763.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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