Napoleons Ägyptische Expedition, 1798–1801

Britische Evakuierung von Malta

Nach dem Frieden von Campo Formio (17. Okt. 1797) plante Napoleon Bonaparte eine Unternehmung gegen Ägypten. Ihr Zweck war, den Glanz seines Namens in den Augen der Franzosen zu erhöhen, Frankreichs Herrschaft auf dem Mittelmeer zu begründen und ihm eine starke Stellung auf dem Weg nach Ostindien zu schaffen. Um den ehrgeizigen Feldherrn aus Frankreich zu entfernen, gab das Ministerium seine Zustimmung zu der Expedition. Die tüchtigsten Generale, ferner eine Anzahl Gelehrte, Künstler und Techniker begleiteten Bonaparte. Am 19. Mai 1798 verließ er mit 15 Linienschiffen, 14 Fregatten, 12 Korvetten und 25.000 Mann auf 400 Transportschiffen den Hafen von Toulon und erschien 9. Juni vor Malta, das sich 13. Juni ergab. Am 1. Juli landeten die Franzosen bei Alexandria, das am 2. Juli genommen ward. Eine arabische Proklamation Bonapartes verkündete den Einwohnern Befreiung von der Herrschaft der Mamelucken und sicherte ihnen Achtung vor ihrer Religion und Sitte zu, da er selber ein guter Muslim sei. Der Mamelucken-Bey Murad ward bei Chébréisse 13. Juli geschlagen und sein verschanztes Lager bei den Pyramiden 21. Juli erstürmt. Am 25. Juli zogen die Franzosen in Kairo ein.

Allein die Vernichtung der französischen Flotte bei Abukir 1. Aug. zerstörte die Hoffnungen Bonapartes. Zunächst schlug er einen Aufstand in Kairo nieder (21. bis 24. Okt.) und rückte im Februar 1799 mit 12.000 Mann dem in Syrien sich sammelnden türkischen Heer entgegen. Nach dem Fall Jaffas (6. März) traf er 16. März vor St.-Jean d’Acre (Akkon) ein. Dessen Verteidigung durch Dschezzar Pascha und den englischen Admiral Sidney Smith, Hunger und Pest nötigten ihn, obwohl er 16. April am Berg Tabor eine türkische Entsatzarmee unter Abdallah Pascha schlug, 17. Mai die Belagerung aufzuheben. Mit seinem auf die Hälfte zusammengeschmolzenen Heer nach Ägypten zurückgekehrt, vernichtete er bei Abukir 25. Juli ein türkisches Heer, das dort gelandet war, und hatte so seine Herrschaft aufs neue befestigt, als ihm die bedrohlichen Verhältnisse in Frankreich den erwünschten Vorwand gaben, heimzukehren. Er übergab bei seiner heimlichen Abreise (23. Aug.) den Oberbefehl an Kléber; dieser schlug 20. März 1800 bei Matarijeh (Heliopolis) den Großwesir Yusuf Pascha, ward aber von einem Türken in Kairo ermordet (14. Juni). Der Oberbefehl kam darauf an Menou. Am 1. März 1801 erschien die englische Flotte unter Abercromby vor Alexandria; am 21. ward Menou bei Abukir geschlagen. Zu gleicher Zeit landete eine neue türkische Flotte, und der Großwesir bedrohte von Syrien her Kairo, während alle Versuche des Admirals Gantheaume, von Frankreich aus frische Truppen und Vorräte nach Ägypten zu schaffen, scheiterten. Nach wiederholten Kapitulationen der Unterbefehlshaber musste auch Menou 2. Sept. 1801 in Alexandria auf freien Abzug mit Waffen und Gepäck mit den Engländern abschließen und erreichte Frankreich im November 1801 mit dem größten Teile der wissenschaftlichen Sammlungen. Im ganzen kamen etwa 18.000 Mann Soldaten nach Frankreich zurück.

Als Eroberungszug und als Versuch, Englands Herrschaft an einer wunden Stelle anzugreifen, war die ägyptische Expedition verunglückt; aber auf dem Gebiet der Wissenschaft sind selten größere Eroberungen gemacht worden. Die ägyptische Baukunst ward jetzt erst in ihrer Größe erkannt, und der Schleier lüftete sich, der bisher über einem großen Teil der Geschichte und Geographie Ägyptens geruht hatte. Die wissenschaftlichen Resultate der Expedition sind niedergelegt in der »Description de l’Égypte, ou Recueil des observations et des recherches pendant l’expédition de l’armée française« (Par. 1809–13; 2. Ausg. 1820–30, 26 Bde. u. 12 Bde. Kupfertafeln).

Bibliographie

  • Berthier: »Mémoires« (Par. 1827)
  • Burgoyne, Naval and military operations in Egypt 1798–1802 (Lond. 1885)
  • Jonquière, de la: L’Expédition d’Egypte (Par. 1898–1901, Bd. 1–2, Veröffentlichung des französischen Generalstabs)
  • Raybaud, Histoire scientifique et militaire de l’expédition française en Egypte (das. 1830–36, 9 Bde.)
  • Reynier: »Mémoires« (Par. 1827)
  • Schneidawind, Geschichte der Expedition der Franzosen nach Ägypten etc. (Zweibr. 1830, 3 Bde.)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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Französische Armee der Napoleonischen Kriege