Landen

Landen

Landen (s. Landung), im Allgemeinen, mit einem Schiff ans Land fahren, im engeren Verstande aber, mit Schiffen an ein feindliches Land fahren, und Truppen zu einer Unternehmung daselbst aussetzen.

Das Landen ist, wenn die Küsten gut verteidigt sind, ein sehr missliches Unternehmen, und es lassen sich hierbei keine allgemeinen Regeln geben, da alles von der Beschaffenheit der Küste, von der Lage der feindlichen Verschanzungen usw. abhängt. Gewöhnlich sendet man zuerst mehrere Fregatten ab, um die feindlichen Batterien oder Verschanzungen zu beschießen, und den Feind aus denselben zu vertreiben, oder doch seine Stärke zu verteilen; andere Schiffe suchen durch ihr Feuer den Feind vom Ufer zu vertreiben. Während dieser Kanonade nähern sich die mit Truppen und Kriegsbedürfnissen beladenen Schaluppen dem Ufer, und setzen solche ans Land. Ist das Ufer nicht breit genug, dass die Schaluppen alle in Fronte einlaufen können, so lässt man sie in einer oder zwei Linien hinter einander fahren, und die Truppen von einer auf die andere, und so endlich aufs Land steigen. Die Infanterie landet zuerst, und wenn die Schaluppen so nahe gekommen sind, dass sie Grund fassen, springen die Leute, mit hochgehaltenem Gewehr, und die Patronentasche auf der Schulter, ins Wasser. So wie sie am Ufer angekommen sind, müssen sie sich sogleich verschanzen, daher sie alle nötigen Bedürfnisse dazu bei sich führen. Ist eine hinlängliche Anzahl am Ufer, so wird auch die Kavallerie ausgesetzt; die Pferde werden zuerst gelüftet, und mit Wasser begossen, damit sie nicht Schaden leiden, wenn sie aus der großen Hitze des Raumes, wo sie bisher gestanden haben, sogleich ins kalte Wasser kommen.

Eine Landung wird jeder Zeit von großen Kriegsschiffen unterstützt, und wenn sie nur einigermaßen beträchtlich ist, so werden die Truppen auf Transportschiffen herbei geführt; können die großen Kriegsschiffe dem Ufer so nahe kommen, dass sie es mit ihrem Feuer bestreichen, so ist dies von großem Vorteil, weil der unverschanzte Feind unmöglich das Feuer eines Linienschiffs aushalten kann, und man doch solche Stellen des Ufers zum wirklichen Landen wählen wird, wo sich keine Verschanzungen befinden.

Muss man aber dennoch im Angesicht des verschanzten Feindes eine Landung unternehmen, so gehört dies zu den schwersten Unternehmungen der Marine, und ist unausführbar, wenn die feindlichen Strandbatterien nicht zum Schweigen gebracht werden können. Können die großen Kriegsschiffe nicht nahe genug heran segeln, um die Küste mit ihrem Feuer zu erreichen, und hat man keine Kanonenboote bei sich, welche näher am Ufer beilegen können, so wird die Landung an solchen Punkten nie gelingen. Im Gegenteil aber werden die Strandbatterien, sobald sie nur aus Erdwerken bestehen, von dem überlegenen Feuer der Linienschiffe sehr bald zerstört sein. Da die Seekanonen keine bedeutende Seitenrichtung verstatten, so sucht man durch eine winkel- oder halbmondförmige Stellung der Flotte ein kreuzendes Feuer zu erhalten; die kleineren Schiffe machen dabei, näher an der Küste, die Flügel der Stellung. Nur erst, wenn die Strandbatterien größtenteils zum Schweigen gebracht sind, dürfen sich die Schaluppen mit den Landungstruppen dem Ufer nähern.

Von den Anstalten gegen die Landung, s. Meeresküste, auch Strandbatterien.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe