Karl XII., König von Schweden 1697–1718
Karl XII., geb. 27. Juni 1682 in Stockholm, gest. 11. Dez. 1718, Sohn Karls XI., genoss eine gute wissenschaftliche und militärische Erziehung. Nach einer kurzen Vormundschaftsregierung Ende 1697 von den Ständen für volljährig erklärt, ward er Anfang 1700, nicht ganz ohne eigene Schuld, durch die auf Schwedens Übergewicht im Norden eifersüchtigen Nachbarmächte Dänemark, Polen und Russland in den Großen Nordischen Krieg verwickelt.
Bekannte Figuren
- Karl XII., König von Schweden, 28 mm Reiver PER2
- Karl XII., König von Schweden, 25 mm Minifigs MALCX 10
- Karl XII., König von Schweden, 15 mm Minifigs 99LC
Nachdem er den Dänenkönig Friedrich IV. besiegt und den Zaren Peter d. Gr. bei Narwa geschlagen hatte, wandte er sich, anstatt diesen Erfolg über seinen gefährlichsten Gegner auszunutzen, 1701 gegen seinen ihm besonders verhassten polnisch-sächsischen Vetter August II., eroberte in mehreren Feldzügen dessen polnische Besitzungen, erzwang 1704 in Warschau seine Absetzung sowie die Wahl Stanislaus Leszcynskis zu seinem Nachfolger, und nötigte ihn durch einen Einfall in Sachsen, im Altranstädter Frieden (1706) auf alle seine Bedingungen einzugehen. Erst im Spätsommer 1707, nach einem erfolgreichen Einschreiten beim Kaiser zugunsten der hart bedrängten Protestanten Schlesiens, zog er an der Spitze eines großen Heeres gegen Peter, der inzwischen mit seiner reorganisierten Armee einen großen Teil der schwedischen Ostseeprovinzen erobert hatte. Der teils vielbewunderte, teils scharf getadelte Plan Karls, die Russen im Herzen ihres eigenen Landes zu einer Entscheidungsschlacht zu zwingen und dann in Moskau dem Zaren den Frieden zu diktieren, misslang (s. Mazeppa) und endigte mit der Niederlage bei Poltawa (8. Juli 1709), deren verhängnisvolle Folgen sich rasch bemerkbar machten. August II. besetzte Polen von neuem, Friedrich IV. landete in Schonen, und Peter drang in Livland ein. Zwar wusste Karl, der mit 500 Mann nach der Türkei geflüchtet war und bei Bender in königlichen Ehren lebte, den Sultan Ahmed III. dreimal zu einer Kriegserklärung gegen Russland zu bewegen, aber jedesmal sah er die an den Ausbruch des Krieges geknüpften Hoffnungen scheitern. Infolge seiner wiederholten Weigerung, die Türkei zu verlassen, schließlich (12. Febr. 1713) nach heftigem bewaffneten Widerstand überwältigt und als Gefangener erst nach Timurtasz, dann nach Demotika gebracht, entschloss er sich, auf Grund von Nachrichten über die in Schweden wegen seiner langen Abwesenheit herrschende lebhafte Verstimmung, endlich (im November 1714) zur Heimkehr und gelangte verkleidet nach nur 16tägigem Ritt nach Stralsund (22. Nov.). Er fand sein Reich in einer sehr bedenklichen Lage. Die ausländischen Besitzungen waren in Feindeshand oder verpfändet, die wirtschaftlichen Zustände Schwedens in schlimmster Zerrüttung. Anstatt jedoch mit seinen Gegnern Frieden zu schließen, vermehrte er deren Zahl 1715 noch durch England-Hannover und den Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. (s. Friedrich 57) und musste Ende des Jahres nach heldenmütiger Verteidigung Stralsund preisgeben. Während er nun von Schweden aus, unter Anspannung der letzten finanziellen Kräfte des Landes, Norwegen zu erobern suchte, war sein Günstling Freiherr v. Görtz (s. d.) vergebens bemüht, die antischwedische Koalition durch diplomatische Künste zu sprengen. Bei dem zweiten Zug nach Norwegen erlag Karl im Laufgraben vor Frederikshald einer feindlichen Kugel. Da er unvermählt war, folgte ihm seine mit dem hessischen Erbprinzen Friedrich vermählte Schwester Ulrike Eleonore.
Eine der größten Heldengestalten der Geschichte, hat Karl durch sein an Abenteuern und glänzenden Waffentaten reiches Leben seit jeher einen dankbaren Stoff für Dichter, Schriftsteller und Komponisten geboten. Seine Sittenreinheit, Frömmigkeit, Einfachheit und Tapferkeit, in gewissem Sinn auch seine taktische und strategische Begabung, verdienen entschieden Anerkennung. Tadelnswert erscheint namentlich seine Halsstarrigkeit, der er rücksichtslos das Leben von Tausenden seiner Soldaten und den wirtschaftlichen Wohlstand seiner Untertanen opferte. Andererseits beruht die Sympathie, die Schweden heute in Europa genießt, zweifellos teilweise darauf, dass es seine unter Gustav Adolf erworbene, aber längst unhaltbar gewordene Großmachtstellung auf so ehrenvolle Weise unter Karl verlor.
Die Literatur über Karl ist sehr umfangreich. Noch jetzt bestehen hinsichtlich seiner Beurteilung große Meinungsverschiedenheiten unter den Geschichtsforschern. Durchaus unzuverlässig sind: Voltaire, Histoire de Charles XII (1731; kritische Ausg. von P. Martine, Par. 1896); Hultgren, Om mordet pa Karl XII. (Stockh. 1897); A. Nyström, Karl XII. och sammansvärjningen mot hans envälde och lif (1900); Cl. Adelsköld, Karl XII. och svenskarne (1903–04, 2 Bde.). Die wichtigsten Arbeiten sind: Adlerfeld, Histoire militaire de Charles XII (Amsterd. 1740, 4 Tle.; auch deutsch); Nordberg, Karl XII.‘s historia (1740, 2 Tle.; auch franz. u. deutsch); Lundblad, Geschichte Karls XII. (Hamb. 1835–40, 2 Bde.); Fryxell, Karl XII. (deutsch, Braunschw. 1861, 5 Bde.); M. Höjer, Om Karl XII.‘s myndighetsförklaring (Stockh. 1866); Beskow, Karl XII.,en minnesbild (1868–69, 2 Tle.); Schriften von König Oskar II. (s. d.) und F. F. Carlson (s. d.); Lind, Karl XII. i Turkiet (Karlstad 1875); v. Sarauw, Die Feldzüge Karls XII. (Leipz. 1881); Lagermark, Karl XII.‘s krig i Norge 1716 (Ups. 1883); G. E. Axelson, Bidrag till kännedomen om Sveriges tillstånd på Karl XII.‘s tid (Wisby 1888); E. Carlson, Die eigenhändigen Briefe Karls XII. (deutsch von Mevius, Berl. 1894); N. R. Bain, Charles XII. and the collapse of the Swedish empire (Lond. 1895); O. Browning, Charles XII. of Sweden (das. 1898); Hallendorff, Studier öfver den aldre Karl XII.-historiografien (Ups. 1899) und Karl XII. och Lewenhaupt år 1708 (das. 1902); Sjögren, Karl XII. och hans män (Stockh. 1899); G. Syveton, Louis XIV et Charles XII. Au camp d‘Altrandstadt, 1707 (Par. 1900); Hjärne, Karl XII., omstörtningen i Osteuropa 1697–1703 (Stockh. 1902).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909