Narwa
Narwa (Narowa), der 75 km lange Abfluss des Peipussees in Russland, bildet die Grenze zwischen den Gouvernements St. Petersburg und Estland und mündet unterhalb der Stadt Narwa in die Narwabucht des Finnischen Meerbusens. Bei genannter Stadt bildet der im übrigen durchaus schiffbare Fluss, durch die Insel Krähnholm in zwei Arme geteilt, je einen 8–10 m hohen Wasserfall, durch den einige große Fabriken betrieben werden. Die Narwa ist von Anfang Dezember bis Ende März mit Eis bedeckt. Sie gehört zu den fischreichsten Flüssen Russlands (Lachse und Neunaugen) und wird durch 48 Inseln oft in mehrere Arme geteilt. Der einzige Nebenfluss der Narwa ist die 228 km lange Pljussa; die Mündung, an welcher der beliebte Seebadeort Hungerburg (s. d.) liegt, ist durch einen gewundenen Wasserlauf, die Rossonj, mit derjenigen der Luga verbunden.

Narwa (Narva), [ehem.] Stadt im russischen Gouvernement St. Petersburg, Kreis Jamburg, heute drittgrößte Stadt in Estland, links an der Narwa und der Eisenbahn St. Petersburg–Riga gelegen, besteht aus der eigentlichen, von Deutschen bewohnten Stadt und der auf dem rechten Flussufer liegenden Vorstadt Iwangorod (s. d. 2). Narwa hat fünf griechisch-orthodoxe, vier lutherische und eine katholische Kirche, ein altes Schloss (jetzt Kaserne), ein Palais aus Peters d. Gr. Zeit, ein Rathaus (von 1683), ein Denkmal für Peter d. Gr. (Obelisk), ein Gymnasium, eine archäologische Gesellschaft, ein Theater, ein Zollamt, Fischerei, Seehandel und (1897) 16.577 Einwohner. In der Nähe liegen mehrere große Fabriken, darunter die sehr bedeutende Krähnholmer Baumwollspinnerei (eine der größten Russlands), eine Flachsspinnerei, Tuchfabrik, mehrere Sägemühlen, eine Maschinenfabrik u.a. Der Wert der Einfuhr (meist Baumwolle) betrug 1902: 2,8 Mill. Rubel, der der Ausfuhr (meist Holz) 726.883 Rubel. Es liefen 231 Schiffe von 55.544 t ein, darunter 63 mit 36.727 t aus dem Ausland. Narw ist Sitz eines deutschen Konsuls.
Narwa war bis 1864 eine starke Festung. Zuerst 1329 als Stadt erwähnt, gehörte Narwa mit Estland zu Dänemark, seit 1346 dem Deutschen Orden, seit 1558 zu Russland, 1579 wurde es von den Schweden unter Horn vergebens belagert und 1581 unter de la Gardie erobert. 1590 und 1658 hielt es Belagerungen durch die Russen aus. Am 30. Nov. 1700 erfocht hier Karl XII. einen großen Sieg über die Russen. 1704 von Peter d. Gr. erobert, wurde Narwa Ingermanland einverleibt; doch behielt es viele seiner alten Rechte und Privilegien.
Militär
- Narwa Infanterie-Regiment, 12. Infanterie-Division, VII. Armeekorps, 1812
- Narwa Dragonerregiment
Das russische Infanterie-Regiment Narwa diente 1812 in der 12. Infanterie-Division unter Generalmajor Iwan Fjodorowitsch Paskewitsch im VII. Armeekorps des Generalleutnants Nikolai Nikolajewitsch Raewski in der 2. Westarmee des Generals der Infanterie Fürst Bagration.
Bibliographie
- Hallart, v.: Tagebuch über die Belagerung und Schlacht von Narwa 1700 (Reval 1894)
- Hansen: Geschichte der Stadt Narwa (Dorpat 1858)
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909