Platzierung des Geschützes

Platzierung des Geschützes, 15 mm Minifigs.

Platzierung des Geschützes, oder seine Aufstellung, hängt zunächst von seiner Art, und von seinem Kaliber, ferner von der Bestimmung und Stellung der Truppen, denen es zugeteilt ist, so wie von der Stellung des Feindes ab, endlich auch von dem Terrain. Anders muss das Geschütz platziert werden, wenn man offensiv, anders, wenn man bloß defensiv zu Werke geht; im Allgemeinen gilt jedoch folgendes:

1) In Absicht auf das Terrain. Ein harter Boden, Viehweiden, Wiesewachs, Eis etc. begünstigen den Effekt des Geschützes; man wählt ferner Anhöhen, die sich nach dem Feinde zu sanft verlieren; beim Gebrauch der Kartätschen muss man wellenförmiges Terrain, Gräben, Hügel etc. vor dem Geschütz vermeiden. Hat man Hecken, Gräben, Defiléen vor sich, so setzt man sich auf 300 bis 600 Schritt davor, damit der Feind uns nicht mit dem kleinen Gewehrfeuer erreiche, wir ihn aber im Kartätschenschuss haben, sobald er diese Hindernisse passiert. Der kleinen Hügel, Gräben etc. muss man sich zur Deckung bedienen; oft kann man da, wo die Kanone steht, die Erde etwas abstechen, und sie nach Feind zu aufwerfen, so dass die Kanone über diesen Aufwurf weg reicht; dies ist besonders an Bergen und Hügeln der Fall. Hinter ein Defilé, dass man verteidigen soll, stellt man sich auf 300 Schritt; ist es jedoch 100 Schritt lang, so stellt man sich näher hinter dasselbe, und dies tut man auch dann, wenn die Flanken der Kanonen nicht hinlänglich gedeckt, oder nur ein oder zwei Stücke überhaupt, und nur wenige Truppen vorhanden sind, damit der Feind nicht durch das Defilé laufe, und uns in die Flanke kommen könne. In jedem Fall macht man das Defilé wo möglich impraktikabel. Soll dem Feind der Durchgang durch ein Dorf unmöglich gemacht werden, so stellt man sich, wenn das Dorf nicht zu hoch liegt, hinter dasselbe, damit man den Feind, ehe er sich formieren kann, durch Kartätschen in Unordnung bringt. Muss man den Angriff auf Bergen erwarten, so stellt man die Kanonen so, dass man den Fuß derselben beschießen kann; hier entscheiden nur die nahen Kartätschenschüsse. Kann man den Feind nicht am Fuß des Berges beschießen, so rückt man weiter hinunter.

2) In Absicht auf die Verteilung des Geschützes. Wenn die Flügel angelehnt sind, und man sich angreifen lässt, so steht das Geschütz bei kleinen Fronten auf den Flügeln, weil dies die schwächsten Teile sind. Greift man selbst an, so steht es da, wo man sich vorgenommen hat, durchzudringen, in 2 oder 3 kleinen Batterien, und schießt auf einen Punkt; eine solche plötzliche, auf einen Punkt konzentrierte Wirkung entscheidet. Ist die Fronte groß, so ordnet man alle 800 oder 1000 Schritt eine Batterie an, damit die ganze Front durch das Kartätschenfeuer bestrichen wird. Eine solche Batterie muss jedoch nicht unter sechs Stück sein. Hat man viel Geschütz in gleichen Teilen bei den Kolonnen verteilt, besonders wenn man Kavallerieangriffe zu befürchten hat; das Kartätschenfeuer bricht den Chok, und das nahe Infanteriefeuer wird dann alles über den Haufen werfen. – Die größten Kaliber werden an die schwächsten Örter, also an die Flügel gestellt, wenn diese sich nicht viel bewegen müssen. Ist eine Reserve von Geschütz da, so muss sie aus leichten Kanonen bestehen, und an dem Ort, wo man am schwächsten ist, oder wo man durchdringen will, maskiert bleiben, bis sie zu agieren anfängt.

3) In Absicht des Auffahrens. Wo möglich zeigt man das Geschütz nicht eher, als auf 1200 Schritt vom Feind, und maskiert es bis dahin durch Truppen, Anhöhen etc. Wenn es die Umstände verstatten, so protzt man schon auf 2500 Schritt vom Feind ab, und avanciert dann mit Pferden, welche man vor die Mündung der Kanonen hängt; man gebraucht dazu bei den 3- und 6pfündern 2, bei den 12pfündern 4 Pferde; der Schwanz der Kanone wird dabei durch einige Mann mit Hebebäumen geleitet. Muss man im feindlichen Geschützfeuer abprotzen, so wendet man erst die Kanonen gegen den Feind, nachdem abgeprotzt ist, weil bei dem Umwenden mit Pferden zu oft Unordnungen durch Niederschießen von einigen Pferden etc. entstehen. Die Kanonen stehen wenigstens 10, und wenn es der Raum verstattet, und man Artillerie gegen sich hat, 20 Schritt und noch weiter auseinander; sie leiden dann nur halb so viel vom feindlichen Feuer. Übrigens s. auch Artillerie, Gefecht, Gebrauch des Geschützes etc.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

Glossar militärischer Begriffe