Amerikanischer Bürgerkrieg, 1861–1865

Amerikanischer Bürgerkrieg (engl. American Civil War), der Krieg zwischen Konföderierten und Unionisten 1861 bis 1865 in den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Südstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika wurden von einer energischen, zweckbewußten, staatsmännisch geschulten Aristokratie geleitet; die meisten und talentvollsten Offiziere des Heeres und der Flotte, wie Beauregard, Johnston, Bragg, Lee, Jackson u. a., schlossen sich, weil aus dem Süden stammend, diesem an und organisierten die Streitmacht der Konföderation, was noch dadurch erleichtert wurde, dass Kriegsminister Floyd 1860 fast alle Waffen und Geschütze in die südlichen Arsenale geschickt, die Unionsflotte aber über alle Meere zerstreut hatte. Daher waren die Südstaaten im Anfang des Krieges dem Norden entschieden überlegen. Die Bevölkerung des letzteren (die Grenzstaaten Maryland, Kentucky, Tennessee, Missouri u. a. verhielten sich schwankend) war allerdings für die Erhaltung der Union begeistert. Als Lincoln 15. April 75.000 Freiwillige unter die Waffen rief, waren diese sofort zur Stelle; aber es fehlte an aller Organisation. Die Truppen wurden von den Einzelstaaten auf Zeit gestellt; das Oberkommando war ganz vom Kriegsministerium abhängig. Ausrüstung und Verpflegung waren höchst mangelhaft und wurden erst allmählich besser. Daher erlitt der Norden trotz seiner numerischen Überlegenheit anfangs Misserfolge; doch ließ er sich dadurch nicht entmutigen, steigerte seine Anstrengungen mit jedem Jahr, und als sich mit der Zeit auch tüchtige Feldherren heranbildeten, errang er endlich den Sieg.

Beim ersten Vordringen der Bundestruppen unter McDowell gegen die Konföderierten bei Manassas Junction erlitten sie am Bull Run 21. Juli 1861 eine vollständige Niederlage. General McClellan schlug daher am Potomac ein Lager auf und verwandte Herbst und Winter dazu, aus den von den Staaten gestellten Freiwilligen und Milizen (über 500.000 Mann) eine Feldarmee zu bilden. Währenddessen wurden durch eine schnell geschaffene Kriegsflotte die Häfen der Südstaaten blockiert, einige auch besetzt. Gleichwohl gelang es den Konföderierten oft, die Blockade zu brechen und sich vom Ausland Kriegsbedürfnisse zu verschaffen, während südstaatliche Kreuzer, zum Teil (wie die Alabama) in England ausgerüstet, das den Süden begünstigte, die amerikanische Handelsflotte empfindlich schädigten. 1862 kam es besonders im Westen zu wichtigen Entscheidungen. Nachdem es 1861 gelungen war, Missouri der Union zu erhalten, entrissen die Generale Thomas und Grant im Februar 1862 auch Kentucky und Tennessee den Rebellen und rückten den Mississippi abwärts vor, während der Admiral Farragut im April die Einfahrt in die Mississippimündung erzwang, New Orleans besetzte und stromaufwärts vordrang. Der Kampf konzentrierte sich um das von den Konföderierten stark befestigte Vicksburg, das endlich nach einer langen Belagerung 4. Juli 1863 von Grant erobert wurde. Damit waren die Südstaaten von Texas und Arkansas abgeschnitten. Weniger glücklich verlief der Krieg in Virginia. Hier eröffnete McClellan den Kampf im März 1862 mit einem allgemeinen Vorgehen gegen die Hauptstadt der Konföderierten, Richmond. Zahlreiche blutige Gefechte, darunter die siebentägige Schlacht am Chickahominy (26. Juni bis 2. Juli), gaben kein entscheidendes Resultat. General Pope wurde in der zweiten Schlacht am Bull Run (29. und 30. Aug.) geschlagen und auf Washington zurückgeworfen. Lee, der Oberbefehlshaber der Konföderierten, überschritt darauf 4. Sept. den Potomac, ward aber von McClellan zum Rückzug gezwungen. Da McClellan den Sieg nicht benutzte, ward er 17. Nov. durch Burnside ersetzt; dieser erlitt aber 13. Dez. bei Fredericksburg eine empfindliche Niederlage. Darauf drang Hooker im April 1863 über den Rapidan vor, wurde aber 2.–5. Mai bei Chancellorsville von Lee besiegt, der darauf einen zweiten Einfall in Maryland versuchte, aber 1.–3. Juli in einer der blutigsten Schlachten des ganzen Krieges bei Gettysburg von General Meade über den Potomac zurückgeworfen wurde.

Die Schlacht von Gettysburg und die Eroberung Vicksburgs bildeten den Wendepunkt des Krieges. Trotz der Überlegenheit ihrer Feldherren hatte die Konföderation keinen entscheidenden Erfolg errungen; es war ihr nicht geglückt, Washington zu erobern, ja im Westen hatte sie große, unwiederbringliche Verluste erlitten; schon machte sich bei ihr eine Erschöpfung an Geld und Menschenkräften bemerkbar. Die großen Opfer des Nordens wurden aus seinen unerschöpflichen Hilfsquellen rasch ersetzt, und die Nordstaaten führten den Krieg nicht nur entschlossen fort, sondern verkündeten nun auch offen die Aufhebung der Sklaverei und die völlige Niederwerfung der Rebellion als Ziele desselben. Lincoln erließ 22. Sept. 1862 eine Proklamation, die alle in den Südstaaten gehaltenen Sklaven vom 1. Jan. 1863 ab für frei erklärte. Bei der neuen Präsidentenwahl 1864 siegte Lincoln glänzend über den Kandidaten der Versöhnungspartei, McClellan; zum Vizepräsidenten wurde Andrew Johnson gewählt. So konnte der siegreiche Ausgang des Krieges nicht zweifelhaft sein. Der neue Oberbefehlshaber der Unionstruppen, Grant, brach, nachdem er durch den Sieg bei Chattanooga (im November 1863) den ganzen Westen den Rebellen entrissen hatte, Anfang Mai 1864 gegen Richmond auf, lieferte Lee in der »Wildnis« (Wilderness) und bei Spottsylvania eine Reihe blutiger Gefechte und überschritt, nachdem der Übergang über den Chickahominy durch die Niederlage vom 3. Juni vereitelt worden, den James River, um Petersburg anzugreifen. Unter fortwährenden blutigen Gefechten gelang es ihm endlich im Herbst, im Verein mit dem im Shenandoatal operierenden Sheridan, Lees Defensivstellung bei Richmond zu durchbrechen und sich auf dem rechten Ufer des James Rivers zu behaupten. Gleichzeitig drang Sherman vom Westen her in Georgia ein, besetzte im September 1864 Atlanta und unternahm von hier aus den kühnen Marsch nach Savannah am Atlantischen Ozean, wo er 21. Dez. einzog und die Verbindung mit der Unionsflotte herstellte. Im Januar 1865 rückte er durch Süd- und Nordcarolina nach Norden und vollendete Ende März die Einschließung Lees, der nur noch 60.000 Mann bei sich hatte. Am 3. April rückten die Bundestruppen in Petersburg und Richmond ein, und 9. April streckte Lee bei Appomattox Court House vor Grant, 27. April Johnston mit dem Reste der Konföderierten bei Raleigh vor Sherman die Waffen. Damit war der Bürgerkrieg nach vierjähriger Dauer beendet. Derselbe hatte etwa 500.000 Menschen hinweggerafft und der Union eine Schuldenlast von 3 Milliarden Dollar aufgebürdet; denn die Unionsarmee hatte am Ende des Krieges über eine Million Mann, die Flotte 671 Schiffe gezählt. Aber die Union war durch den Krieg nicht nur erhalten, sondern auch gekräftigt, der Zankapfel, die Sklaverei, beseitigt worden.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

Figuren des Amerikanischen Bürgerkrieges