Minieren

Mineur beim Minieren

Minieren, die Arbeit der Mineure, und er ihnen beigegebenen Handlanger, sowohl beim Angriff einer Festung durch Minen, als auch beim Gebrauch und der Verteidigung der Gegenminen. S. hierüber auch Brunnen, Mine, Minengang etc.

Ehe der Ausbau eines Minenganges mit Holz angefangen werden kann, muss der Mineur entweder in die Erde, oder in das Gestein, in Felsen, oder in Mauerwerk, die Aushöhlung graben, wozu die Handwerkszeuge (Miniergeräte) unter Mine angegeben sind; oder er bedient sich, wenn der Boden fester Felsen oder Mauerwerk ist, kleiner Pulverladungen, wodurch er die Steine lossprengt, und folglich schneller als mit dem Handwerkzeug vorrückt. Dieses Sprengen wird jedoch häufiger vom Belagerten, ehe nämlich die Festung noch wirklich berannt ist, als vom Belagerer angewandt werden können, weil dieses Verfahren weit vom Feind gehört wird, und nach schon angefangenem Minenkrieg also beiderseitige Mineure einander ihre Arbeitspunkte leicht verraten würden.

Das Sprengen der Steine erfordert stets eine Vorarbeit mit dem Bohrer und Bohrfäustel, bei dessen Gebrauch mehrere Benennungen vorkommen, wie: über und unter das Eisen arbeiten, über oder vor und hinter der Hand arbeiten, und das sogenannte Brünnen. Der Mineur untersucht durch Beklopfen das zu bohrende Gestein, ob es frisch und klüftig ist, und vermeidet das letztere, indem sonst die Wirkung des Pulvers in die zunächst befindlichen Klüfte schlägt. Desgleichen untersucht er die dem Bohrloch zu gebende Richtung, ob es nämlich schräg, gerade nieder oder über sich gebohrt werden muss. Ist dies alles bestimmt, so wird auf dem einzubohrenden Punkt ein Zubrüsten gehauen, d. h. eine kleine Vertiefung gemacht, um den Bohrer bequem ansetzen zu können; zum Bohren selbst werden zwei Mineure angestellt, wovon einer den Bohrfäustel, der andere den Bohrer hält, nach jedem Schlag wird der Bohrer 8 bis 16 Mal, nach der Festigkeit des Gesteins, im Bohrloch umgedreht. Die zu dieser Arbeit erforderlichen Bohrer bestehen aus 3 verschiedenen Arten, nämlich: der erste oder der Anfangsbohrer ist der stärkste und hat 0,75 Ellen Länge, Fig. 180 a, der zweite oder der Mittelbohrer ist etwas schwächer, und hat 1,5 Ellen Länge, Fig. 180 b; der dritte oder der Abbohrer ist der schwächste und hat wenigstens zwei Ellen Länge; drei dergleichen zusammen gehörige Bohrer, zum Bohren eines tiefen Loches, heißen ein Satz Bohrer.

Das Bohren dieser Löcher geschieht mit dem ersten Bohrer auf 12 Zoll, mit dem mittleren bis auf 20 Zoll, und mit dem letzteren bis auf die gehörige Tiefe, welche jedoch nicht unter 1 Elle ausfallen darf. Während dem Bohren wird der Bohrer von Zeit zu Zeit herausgezogen, und das losgearbeitete Bohrmehl mit dem Krätzer (Fig. 181) herausgenommen. Ist das Gestein nicht von Natur feucht, so gießt man zur schnelleren Förderung dieser Arbeit Wasser in das Bohrloch, welches mit ganzem oder halbem Wasser oder Brocken bohren heißt, je nachdem das Loch senkrecht, schief, nach oben oder nach unten gerichtet ist. Nach erfolgtem Ausbohren und Reinigen des Bohrlochs vom Bohrmehl, wischt und trocknet man es mit Bohrlappen aus, und legt eine 5 bis 6lötige mit Pulver gefüllte Patrone in diese gemachte Aushöhlung hinein; hierauf steckt man die Räumnadel (Fig. 183) in die Ladung, und zwar wegen des engen Raumes, an die Seite, und stößt zugleich einen hölzernen Pfropf, der an der Seite mit einem Loch versehen ist, auf die Patrone, worauf der übrige Teil der Öffnung mittels des Setzers (Fig. 182) mit Lehm oder trockener Erde angefüllt wird. Hierbei ist aber wohl darauf zu sehen, dass die Erde mit keinem Sand oder Kieselstein vermischt ist. Während der Mineur den übrigen Teil des gebohrten Lochs mit Lehm völlig zustopft, muss er die Räumnadel von Zeit zu Zeit, vorzüglich gegen das Ende, lüften.

Soll die Zündung des Pulvers dieser Patrone mittels eines Zünders geschehen, so wird, um diesen Zünder zuzubereiten, entweder ein ½ Elle langes Stück Schilf genommen, oder eine eben so lange Papierhülse gemacht, und beide innerlich mit dünner Anfeuerung ausgeschlemmt; oder man höhlt ein eben so langes Stück Holunder oder Haselrute in der Stärke eines Federkiels aus, bindet dieses in die Patrone fest ein, und füllt die Aushöhlung mit feinem Pulver an. An dem zu zündenden Ende wird hierauf ein Stückchen Schwefel von 3, 4 bis 5 Zoll Länge befestigt, welches jedoch nicht hineingesteckt, sondern nur in eine Spalte geklemmt wird, die man zu diesem Zweck in die Zundröhre schneidet. Ein dergleichen Zünder wird, wenn er nicht schon in der Patrone befestigt ist, nach geschehener Ladung in die durch die Räumnadel gemachte Öffnung oder Höhlung hineingeschoben, und mittels weichen Tons fest an die Öffnung angedrückt; der Mineur zündet hierauf das Stückchen Schwamm oder Schwefel an, und erhält folgleich hinlänglich Zeit, sich zurückzuziehen, ehe das Pulver Feuer bekommt. Auch kann man die Zündung durch einen Mönch bewirken.

Sollte ein Schuss versagen, so muss hierbei der Mineur die größte Vorsicht walten lassen, weil es leicht möglich ist, dass sich noch Feuer glimmend in der Zündröhre verhalten kann. Gewöhnlich wird dieses Versagen durch das Zündkraut verursacht, welches die Öffnung der Patrone mit Schlacken versetzt, so dass das Feuer keinen Zugang zum Pulver erhält; man sticht dann mit der Räumnadel durch das Zündröhrchen hindurch bis auf das Pulver der Patrone, räumt dieses etwas auf, und füllt die Röhre mit neuem Pulver. Liegt aber der Fehler nicht darin, so muss der eingeschlagene Ton mit der Nadel aufgekratzt, und mit dem Krätzer bis auf die Patrone herausgenommen werden; erforderlichen Falls muss dasselbe mit der Patrone geschehen, und das Bohrloch von Neuem untersucht, aufgeräumt, und alsdann wieder geladen werden.

Oft ist der zu minierende Boden so beschaffen, dass man weder mittels der Schlägel und Eisen, noch der Steinhauen, rasch vorrücken kann, zum Sprengen aber der Stein zu weich ist. In diesem Fall nimmt man seine Zuflucht zum Verschrämen, mit dem Schrämhammer, oder der Hammerhaue, Fig. 189. Es werden nämlich bei der Anwendung dieses Handwerkzeugs, in willkührlicher Entfernung, aber so tief wie möglich, Fugen in den Ortstoß gehauen, und in selbige eiserne Keile getrieben, wodurch sich große Stücke ablösen, und die Arbeit schnell vorrückt.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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