Erdarten

Erdarten

Erdarten, sind beim Grund- und Festungsbau nach ihrer verschiedenen eigentümlichen Beschaffenheit zu berücksichtigen, je nachdem sie durch ihre Härte und Festigkeit die Arbeit erschweren, und einen größeren Zeitaufwand erfordern, oder wie Kiesel und Grus, überhaupt zur Aufführung von Brustwehren untauglich sind; oder, wie die von Wasser durchdrungenen Sumpf- und Moorgegenden, bei Aufführung des Mauerwerks besondere Vorrichtungen erfordern. Ehe man daher irgend einen Bau beginnt, wo die Erde große Lasten tragen soll, muss man ihre Beschaffenheit durch den Erdbohrer, besser noch durch Ausgraben untersuchen. Felsen, mit vielen Steinen vermischte fette Erde, und Lehm geben einen festen Grund; wenigstens muss aber eine solche Erdlage 12 Fuß stark sein, um dem Druck der aufgeführten Gebäude zu widerstehen, vorausgesetzt, dass sie sich auch weit genug in die Länge und Breite erstreckt, damit sie der darauf stehenden Last nicht ausweichen kann. Hierbei muss man aber dahin sehen, ob die Erdlage vielleicht beim Anschwellen eines Flusses mit Wasser durchdrungen werden kann, welches auch in der Nähe flacher Gebirge leicht durch Schnee und Regenwasser stattfindet. Besonders bläht sich die Tonerde hierdurch auf, und treibt die eingerammten Pfähle der Roste aufwärts, wenn diese nicht sehr lang sind, oder in die unter dem Ton befindliche festere Erdlage hineinreichen. Sand, besonders wenn er mit Schlamm vermischt ist, Mergel-, Bruch- und Torferde werden durch Anlegen von Pfahlrosten zum Tragen von Gebäuden vorbereitet; für die Aufführung von bloßen Brustwehren bedient man sich der Unterlagen von Balken, Hurden oder Faschinen.

Bei der Untersuchung, wie groß die Böschungswinkel sind, welche die verschiedenen Erdarten beim bloßen Aufschütten geben, hat man gefunden, dass trockener Kiessand mit Steinen vermischt einen Böschungswinkel von 30 bis 32 Grad, sandige Erde mit Grus und mancherlei Steinstücken vermischt 35 bis 38 Grad, schwarze Gartenerde 42 bis 45 Grad, dieselbe Gartenerde mit Letten vermischt und angefeuchtet 65 Grad, Ton und Letten, angefeuchtet und festgestampft so gut wie Felsenwände 90 Grad geben. Dieser Böschungen kann man sich bedienen, wenn sie gehörig bekleidet werden; geschieht dies nicht, so gibt man der Böschung bei Lehm und Tonerde die halbe Höhe als Anlage, bei gemeiner Garten- und sandiger Erde die ganze Höhe, bei feinem und trockenem Sand die doppelte Höhe als Anlage, wenn sie gegen das Herabrollen gesichert sein soll.

Quelle: Rumpf, H. F.: Allgemeine Real-Encyclopädie der gesammten Kriegskunst (Berl. 1827)

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