Stendal

Stendal.

Stendal, Kreisstadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Magdeburg, an der Uchte, Knotenpunkt der Staatsbahnlinien Wustermark–Hannover–Hamm, Halle–Wittenberg, Stendal–Uelzen u. a., ist die ehemalige Hauptstadt der Altmark, hat fünf evangelische Kirchen (darunter die spätgotische Domkirche mit zwei neuen Türmen), eine katholische Kirche, Synagoge, zwei alte interessante Stadttore, schöne Anlagen an Stelle der alten Festungswerke, eine Rolandsäule und Denkmäler des hier geborenen Archäologen Winckelmann und des in dem Nachbarort Eichstedt geborenen Afrikareisenden Nachtigal und (1905) mit der Garnison (1 Regiment Husaren Nr. 10) 23.281 Einwohner, davon 744 Katholiken und 82 Juden, die Wollspinnerei, Tuch-, Ofen- Maschinen-, Papierwaren-, Eisenmöbel-, Kartoffelstärke- und Goldleistenfabrikation, Kunstgärtnerei, Bierbrauerei etc. betreiben. S. Stendaler Weihnachtsmarkt.

Auch befinden sich hier eine Zuckerfabrik, ein Dampfmörtelwerk, eine Dampfmühle, Dampfziegeleien, eine Eisenbahnhauptwerkstatt etc. Dem Verkehr dient eine elektrische Straßenbahn. Stendal hat ein Gymnasium, eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Knaben, ein altmärkisches und ein Bismarck-Museum und -Archiv, ein Landgericht und ein Hauptsteueramt. Die städtischen Behörden zählen acht Magistratsmitglieder und 30 Stadtverordnete. Zum Landgerichtsbezirk Stendal gehören die 15 Amtsgerichte zu Arendsee, Beetzendorf, Bismark, Gardelegen, Jerichow, Kalbe a. M., Klötze, Öbisfelde, Osterburg, Salzwedel, Sandau, Seehausen i. A., Stendal, Tangermünde und Weserlingen.

Stendal, 1151 von Albrecht dem Bären gegründet, erhielt magdeburgisches Recht und gewann mancherlei Privilegien, stand aber seit 1196 mit der ganzen Nordmark unter der Lehnshoheit des Erzstiftes Magdeburg. Nach der Teilung der Mark unter die Brüder Johann I. und Otto IV. war Stendal 1258–1309 Sitz der älteren (Stendalschen) Linie des Hauses Askanien, die 1320 mit Heinrich von Landsberg erlosch. Damals war Stendal eine der bedeutendsten Städte Norddeutschlands, trieb weithin Handel, trat der Hanse bei und stand im 15. Jahrhundert an der Spitze eines Bundes der altmärkischen Städte. 1530 fand hier die evangelische Lehre Eingang, wurde aber von Joachim I. mit Gewalt unterdrückt, bis unter Joachim II. die Reformation in Stendal zur Durchführung kam.

Bibliographie

  • Göthe: Urkundliche Geschichte der Stadt Stendal (Stendal 1873)

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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