Sowjetische Infanterie, 1941–1943
Testbericht der 1:72 Figuren von Revell

Eine Schützengruppe und ein schwerer MG-Trupp folgen einem mittleren Panzer T-34 ins Gefecht. Die beiden Halbgruppen und der Trupp sind auf 50 × 38 mm, bzw. 38 × 38 mm große Wargame-Stände montiert, und so gestaltet, dass sie sich harmonisch in das Spielfeld einfügen. Fast die Hälfte der Infanterie in diesem Set trägt PPSh-41 Maschinenpistolen mit dem charakteristischen Trommelmagazin, sie können zum Aufstellen motorisierter Schützenzüge der sowjetischen Armee verwendet werden.
Diese Figuren könnten direkt einem Film entsprungen sein: Die angreifenden Figuren lehnen sich realistisch „gegen den Wind“, wie es Soldaten unter Beschuss tun, und die vorrückenden Truppen strahlen die Dringlichkeit aus, die man an vorderster Front erwartet. Jede einzelne dieser Figuren ist ein Klassiker. Dies ist der Industriestandard, an dem sich andere moderne Infanteriefiguren messen müssen.
Revell bietet eine gute Auswahl an Führungspersonal: einen Bataillonskommandeur oder Kommissar, zwei Subalternoffiziere, und eine Sanitäterin. Das Set enthält Trümmerteile, mit denen sich Figurenbasen und kleine Dioramen abwechslungsreich gestalten lassen. Dieses Set ist einfach fantastisch – es bietet die realistischsten und nützlichsten Actionposen moderner Infanterie, die man je aus Weichplastik gesehen hat.
Inhalt
48 Figuren in 18 Posen – 24 mm entsprechen 173 cm Körpergröße
- Bataillonskommandeur mit Schirmmütze (1)
- Politruk Alexey Yeremenko, 220. Schützenregiment (1)
- Offizier mit Karte oder Meldeblock (1)
- Sanitäterin (1)
- Scharfschütze (4)
- Grenadier mit Stielhandgranate RGD-33 (4)
- Grenadier, erbeutete Eihandgranate 39 werfend (4)
- MG-Schütze Nr. 1, vorgehend (1)
- MG-Schütze Nr. 2, vorgehend (1)
- Schweres Maschinengewehr PM 1910 (1)
- MG-Schütze mit DP lMG, liegend (1)
- MG-Schütze mit DP lMG, vorgehend (1)
- Soldat mit PPSh-41 Maschinenpistole, kniend (4)
- Soldat mit PPSh-41 Maschinenpistole, laufend (4)
- Soldat mit PPSh-41 Maschinenpistole, vorarbeitend (4)
- Soldat mit PPSh-41 Maschinenpistole, geduckt vorgehend (4)
- Soldat mit Mosin-Nagant Repetiergewehr und Bajonett, laufend (4)
- Soldat mit Mosin-Nagant Repetiergewehr und Bajonett, stürmend (4)
- Soldat mit Mosin-Nagant Repetiergewehr, kniend, schießend (4)
Bewertung
Außergewöhnlich realistische Figuren, korrekt proportioniert, und in natürliche wirkenden Posen, mit realistischen Falten in der Uniform, Kragen, Koppeln, Brotbeuteln, Patronentaschen, und Waffen. Die Ausrüstung ist maßstabsgetreu modelliert, die Figuren wirken nicht übertrieben spielzeughaft. Dieser hohe Realismus macht das Bemalen etwas schwieriger; sie sollten möglichst sparsam mit einer Airbrush grundiert werden, damit die feinen Details erhalten bleiben.
Die Figurenauswahl ist für ein Set moderner Infanterie nahezu perfekt. Aus dieser Box lässt sich ein Infanteriezug aufstellen, es fehlte lediglich ein leichtes Maschinengewehr. Zwei der vier Scharfschützen hätten entfallen können; ihre Pose ist zu markant, um sie in einem Szenario mehr als einmal zu verwenden. Stattdessen hätte das Set zwei zusätzliche leichte Maschinengewehre gebraucht, jeweils eines in jeder Pose. Alternativ lassen sich weitere leichte Maschinengewehre aus dem Set der Sowjetischen Soldaten von ESCI entnehmen.
Excellent Kampfposen. Die Figuren wurden speziell für die Schlacht von Stalingrad entworfen, obwohl die meisten Posen auch für Szenarien abseits vom Häuserkampf geeignet sind.
Außergewöhnlich realistische und nützliche Posen laufender Soldaten, motorisch korrekt und hervorragend geeignet für den vielseitigen Einsatz in Dioramen oder Wargames. Die Figuren stehen stabil auf einem Bein und verlieren die Farbe nicht so leicht wie andere laufende Figuren, die wir gesehen haben. Es handelt sich um Standardposen, die in den meisten Szenarien realistisch wirken. Einer der PPSh-Schützen rennt eine Treppe hinauf oder bergauf; auf ebener Fläche würde er auf der Stelle joggen. Diese wunderschön animierten Läufer sind eine Rarität im Maßstab 1:72 – wir haben noch keine vergleichbaren Figuren gesehen. Normalerweise ist es keine gute Idee, solche einbeinigen Posen zu versuchen; die meisten Hersteller sind damit kläglich gescheitert. Revell hat es jedoch geschafft, und wir hoffen, dass der Bildhauer für weitere Arbeiten dieser Art beauftragt wird.
Lebendige und realistische Posen wie diese sind in Kunststoff schwer umzusetzen, da das Spritzgussverfahren keine Hinterschneidungen zulässt. Revell hat dieses Problem gelöst, indem die laufenden Figuren mit separaten Fußbrettchen ausgestattet wurden. Die Füße verfügen über stabile Zapfen, die in einen Schlitz des jeweiligen Fußbrettchens passen. Mit einem Lötkolben lässt sich die Figur ganz einfach mit dem Fußbrettchen verschweißen. Im Nachhinein ist es erstaunlich, dass niemand zuvor auf diese Weise Figuren in Fußbrettchen einfügen konnte. Generationen von Kindern, Sammlern und Wargamern wurden extrem herausgefordert von wackeligen Pferden und auseinanderfallenden Granatwerfer- und MG-Trupps, obwohl die Lösung so einfach hätte sein können. Die meisten Hersteller gehen heute den anderen Weg und gießen Fußbrettchen direkt an die Figuren an, aber Revells Lösung ist durchaus beachtenswert, insbesondere wenn sie die Art von Dynamik ermöglicht, die wir bei diesen Figuren sehen.
Keine stehend schießenden Soldaten. Revell verdient großes Lob dafür, dass uns mit diesem Set moderner Infanterie die typische Schützenlinie des 18. Jahrhunderts erspart geblieben ist. Der stehende Schütze ist ein Scharfschütze, der aus der Deckung einer zerstörten Ziegelmauer feuert. Eine lässige Pose, vermutlich mehrere hundert Meter von der Hauptkampflinie entfernt.
Die drei knienden Figuren sind schön modelliert. Eine von ihnen befindet sich in einer seltenen Vorwärtsbewegung – auf Händen und Knien –, was sehr gut aussieht, wäre da nicht der ungenau gegossene Lauf seiner PPSh. Mit etwas Nachbearbeitung und Bemalung lässt sich das Problem beheben.
Dies ist das erste Figurenset, das dem Rezensenten bekannt ist, das keine Offiziersfiguren benötigt, um der Szene Charakter und Dramatik zu verleihen. Die Soldaten selbst wirken als Gruppe hervorragend; sie scheinen geführt zu werden, auch wenn kein Offizier unmittelbar zu sehen ist. Eine der Offiziersfiguren führt eine Pistole, und eignet sich sehr gut als Zugführer oder Kompaniechef für Wargames. Der andere Offizier sitzt entspannt da, den Helm aus dem Gesicht geschoben, hält eine Karte und gibt jemandem Anweisungen. Diese Figur ist vielseitig einsetzbar. Der Bataillonskommandeur kann als Kommissar bemalt werden, und die Sanitäterin lässt sich leicht in eine Fernmelderin verwandeln.
Die Männer tragen nur das Nötigste an Ausrüstung, hauptsächlich Munition und Handgranaten für das Gefecht. Dadurch lassen sich die Soldaten leichter bemalen und wirken viel realistischer als die schwer beladenen Truppen, die man in diesem Maßstab oft sieht. Ein weiteres lobenswertes Merkmal dieses Sets ist, dass die Patronentaschen zum jeweiligen Waffentyp der Soldaten passen. Die Designer haben hier eindeutig ihr Handwerk verstanden.
Gute Gussqualität. Die Gussnähte sind minimal, Köpfe und Helme sind in einwandfreiem Zustand. An einigen Stellen der Figuren gab es kleine Grate an den Ohren, die sich aber problemlos mit einem Skalpell entfernen ließen. Bei einem der laufenden Soldaten fehlt es an Details im Brustbereich, aber da er sich so weit nach vorne beugt, fällt dies kaum auf.
Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Jede Box liefert einen sowjetischen Infanteriezug, dem nur ein leichtes Maschinengewehr fehlt, sowie einige nützliche Offizierstypen. Ein zusätzliches Set sowjetischer Truppen könnte die Infanteriewaffen und Spezialisten auf Kompanie- und Bataillonsebene abdecken: mittlere und schwere Granatwerfer, schwere Maschinengewehre, 76,2 mm Infanteriegeschütze, PTRS oder PTRD Panzerbüchsen, Flammenwerfer, Minen, Sprengladungen, Fernmelder und Funker.
Das Set ist für die Zeit von 1941 bis 1945 datiert, die Offiziere und Mannschaften tragen jedoch die Uniformen, die vor 1943 in Stalingrad getragen wurden. Der auffälligste Unterschied ist der spitze Kragen, der nach dem Erlass vom Januar 1943 durch einen Stehkragen mit Knöpfen ersetzt wurde. Die Offiziersfiguren lassen sich durch Anbringen von Schulterstücken aus Papier in eine Hybriduniform umwandeln – eine Umgestaltung, die Puristen sicher nicht zufriedenstellen dürfte.
Zu viele Scharfschützen. Die Scharfschützenpose in diesem Set ist zwar gut gelungen, aber es handelt sich um eine so bemerkenswerte Figur, dass sie sicher nicht in vierfacher Wiederholung verwendet werden kann.
Das Set liefert zu wenige leichte Maschinengewehre. Sowjetische Infanteriezüge bestanden aus drei Gruppen mit je einem leichten Maschinengewehr. Die beiden DP-Maschinengewehrschützen in diesem Set sind schön modelliert und hätten jeweils zweimal enthalten sein sollen.
Die Malanleitung widerspricht dem Foto auf der Schachtel, das die Infanterie mit dunkelgraugrünen statt erdbraunen Helmen zeigt. Auch andere Quellen bestätigen die graugrüne Farbe.
Die Figuren sind einzeln oder im Set mit dem altbewährten mittleren Panzer T-34/76.C im Maßstab 1:76 von Matchbox erhältlich. Diese Kombination wirkt allerdings nicht optimal, da die Figuren im Vergleich zu einem kleineren Fahrzeug eine Höhe von 182 cm erreichen. Ob Revell das Set zukünftig mit einem kompatiblen Fahrzeug im Maßstab 1:72 herausbringen wird, ist noch unklar – die Figuren hätten es jedenfalls verdient. Die Offiziere in diesem Set würden gut zu einen GAZ-67.B Kübelwagen mit Besatzung passen, und ein Lkw GAZ-AA wäre ideal zum Motorisieren der Infanterie.
Am Gussast wäre noch Platz gewesen für Ersatzköpfe mit dem Stahlhelm M.1936, der bis 1941 getragen wurde. Es ist erstaunlich, dass Hersteller die Idee von Ersatzköpfen noch nicht für sich entdeckt haben; es ist eine kostengünstige Möglichkeit, ein Figurenset noch wertvoller und abwechslungsreicher zu gestalten. Wie könnte man Modellbauer besser zum Kauf mehrerer Schachteln animieren, als ihnen zusätzliche Ausrüstungsteile beizulegen, die sie für Umbauprojekte verwenden können?
Separate Waffen wie leichte Granatwerfer, Panzerbüchsen, und zusätzliche Maschinenpistolen PPSch-41 hätten ebenfalls beigelegt werden können, um das Figurenset mit geringem Aufwand weiter aufzuwerten.
Historische Verwendung
- Sowjetischer Mot.-Schützenzug, 1941–1943
- Sowjetischer Schützenzug, 1941–1943
- Polnische Volksarmee (LWP), 1943
- Tschechoslowakische Armee im sowjetischen Dienst, 1943
- Jugoslawische Armee im sowjetischen Dienst, 1943
Interessante Umbauten
- Sowjetische Infanterie in der Gymnastjorka M.1943 mit geknöpftem Stehkragen, ohne Taschen. Offiziere erhielten Gymnastjorkas mit Taschen und Schulterstücken. Diese Uniform wurde in der Schlacht von Kursk 1943 getragen und an polnische, tschechoslowakische und jugoslawische Truppen im sowjetischen Dienst ausgegeben.
- Sowjetische Infanterie mit Pilotka Schiffchen aus dem Set „Luftwaffenpersonal“ von Airfix.
- Sowjetische Infanterie mit Shapka-Ushanka Pelzmütze der Sowjetische Infanterie von ESCI.
- Sowjetische Miliz mit dem Adrianhelm M.1915 der Französischen Infanterie von Airfix.
Die sowjetische Infanterie von Revell is ein absolutes Muss für Wargamer und Dioramenbauer. Ein besonderes Merkmal des Sets ist die wunderbare Kompatibilität der Figuren untereinander; sie sind keine einzelnen Ausstellungsstücke für Uniformkundler. Wer große Gefechtsszenen im Maßstab 1:72 darstellen möchte, wird mit diesen Figuren viel Freude haben.
Bibliographie
- The Red Army of the Great Patriotic War, 1941–45, Steven J. Zaloga
- Funcken: L’Uniforme et les Armes des Soldats de la Guerre 1939–1945, pp. 64–75
Dicht beieinander auf einem typischen 50 × 38 mm großen Wargame-Stand, scheinen die Soldaten gemeinsam vorzurücken und sich gegenseitig zu unterstützen. Im Gegensatz dazu sind die sowjetischen Infanteristen von ESCI zwar schön modelliert, aber jeder ist mit seinen eigenen Angelegenheiten beschäftigt und beachtet seine Kameraden kaum. Der Unterschied liegt in der Perspektive: Die Revell-Figuren sind vollkommen auf ihr Tun konzentriert. Sie sind die überzeugendsten Nachbildungen moderner Infanterie im Maßstab 1:72, die dieser Rezensent bisher gesehen hat.