Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette, Général de Division
Marie Joseph Paul Yves Roch Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette, berühmter französischer General und Staatsmann, geb. 6. Sept. 1757 auf Schloss Chavagnac in der Auvergne aus einem alten Geschlecht, gest. 20. Mai 1834, ging, nachdem er sich bereits 1773 mit einem Fräulein Noailles vermählt, 1776 auf einem von ihm ausgerüsteten Schiff nach Nordamerika, um als Freiwilliger für die Unabhängigkeit der Kolonien zu kämpfen. Er gewann bald Washingtons Freundschaft, erhielt vom Kongress den Generalmajorsrang und erwarb sich in vielen Gefechten hohen Ruhm. Anfang 1779 reiste er nach Paris, brachte eine Anleihe von mehreren Millionen zustande und bewog das französische Ministerium zur Unterstützung des jungen Freistaats mit einem Geschwader und einem Hilfskorps, an dessen Spitze er 1780 mit Erfolg focht.
1784 machte er einen Besuch in den Vereinigten Staaten; seine Reise durch Stadt und Land glich einem Triumphzug. Daheim schürte er eifrig die volkstümliche wie die parlamentarische Opposition gegen die Missbräuche des alten Staates. Ein jugendlich schöner Mann, begeistert für sein Ideal von Freiheit, umstrahlt vom Ruhm seiner Taten in Amerika, aber ohne klare politische Ziele, eitel und nach Volksgunst strebend, spielte er im Beginn der französischen Revolution eine große Rolle. Zum Mitglied der Adelskammer der Generalstaaten erwählt, brachte er 11. Juli nach amerikanischem Muster die berühmte Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers vor die Versammlung. Am 15. Juli zum Generalkommandanten der neuerrichteten Nationalgarde in Paris ausgerufen, machte er sich um deren Organisation sehr verdient und nahm eine mächtige Stellung an ihrer Spitze ein. Ihm und seinen Freunden ist es zu danken, dass 6. Okt. 1789 die königliche Familie gewaltsam von Versailles nach Paris geführt wurde. Allein indem er den Ausschweifungen der Demokratie ebenso entgegentrat wie der Politik des Hofes, verscherzte er das Vertrauen beider Parteien. Die Hofpartei hasste ihn bitter als abtrünnigen Edelmann und Haupturheber der Umwälzung, während die Gegenpartei mit den von ihm vorgeschlagenen Konzessionen: konstitutionelles Königtum, Aufhebung des Erbadels, Volksvertretung, nicht zufriedengestellt war. In Gemeinschaft mit Bailly stiftete er den Klub der Feuillants und zerstreute (17. Juli 1791) die Aufrührer, die das Königtum zu stürzen beabsichtigten.
Im November 1791 bewarb er sich um die Stellung des Bürgermeisters von Paris, unterlag aber dem Bündnis der Hofpartei und der Republikaner gegen ihn. Dafür drängte er auf einen Krieg mit Österreich. Beim Ausbruch des Krieges 1792 wurde ihm der Befehl über die Ardennenarmee übertragen. Auf die Kunde von dem Eindringen des Pöbels in die Tuilerien 20. Juni 1792 und der Insultierung des Königs eilte er Ende Juni nach Paris und forderte von der Nationalversammlung Bestrafung der Anstifter als Verbrecher gegen die Nation. Ebenso erklärte er sich entschieden gegen die Ausschweifungen vom 10. Aug. und ließ am 14. die Abgesandten der Nationalversammlung zu Sedan verhaften. Der hierauf von den Republikanern über ihn ausgesprochenen Acht entzog er sich durch die Flucht nach Flandern, um von da nach Nordamerika zu gehen; er und seine Begleiter, Latour-Maubourg, Alexandre de Lameth und Bureaux de Pusy, wurden jedoch von den Österreichern verhaftet, als politische Verbrecher mit ausgesuchter Härte behandelt, und erst aus dem Gefängnis zu Olmütz infolge des Waffenstillstandes von Leoben durch Bonaparte befreit.
La Fayette ließ sich in Hamburg nieder und ging endlich nach Holland. Nach dem 18. Brumaire zog er sich auf sein einziges ihm übriggelassenes Landgut Lagrange zurück. Erst in den Hundert Tagen 1815 erschien er wieder auf der politischen Bühne. Als Vizepräsident der Deputiertenkammer drang er nach der Schlacht bei Waterloo auf die Abdankung Napoleons und befand sich unter den Kommissaren, die mit Blücher und Wellington unterhandelten, zog sich aber nach der Besetzung von Paris abermals nach Lagrange zurück. Seine Stellung gegen die Bourbonen blieb eine feindliche.
1818 zum Deputierten erwählt, nahm La Fayette seinen Sitz auf der äußersten Linken und bekämpfte mit jugendlichem Feuer das reaktionäre Streben der Regierung. Im Frühling 1824 folgte er einer Einladung des Kongresses der Vereinigten Staaten von Nordamerika und ward dort als »Gast der Nation« höchst ehrenvoll empfangen (vgl. »Voyage du général La Fayette aux Etats-Unis en 1824–1825«, Par. 1825, und seines Sekretärs Levasseur »Journal d‘un voyage aux États-Unis, ou La Fayette en Amérique en 1826–1825«, das. 1829).
Auf die Nachricht von dem Ausbruch der Julirevolution in Paris eilte er sofort dahin und übernahm 29. Juli das Kommando der Pariser, später das der ganzen französischen Nationalgarde. Er ließ sich trotz eigentlich republikanischer Absichten von Ludwig Philipps geschickten Schmeicheleien gewinnen, und seine damals unbegrenzte Volkstümlichkeit verschaffte den Orléans den Thron. Die Umarbeitung der Charte fiel jedoch keineswegs nach seinem Wunsch aus, und bereits im März 1831, als Casimir Périer Minister wurde, stand La Fayette wieder in den Reihen der republikanischen Opposition und gründete 1833 den Verein der Menschenrechte.
La Fayette war ein edler und bei allem persönlichen Ehrgeiz für die Sache der Freiheit begeisterter Patriot; jedoch kamen der Reinheit seiner Absichten die Klarheit seiner politischen Einsicht und die Festigkeit seines Charakters nicht gleich. 1883 ward sein Denkmal zu Puy enthüllt.
Bibliographie
- »Mémoires, correspondance et manuscrits du général La Fayette« (Par. 1837–40, 8 Bde.)
- »Correspondance inédite de La Fayette, 1793–1801« (hrsg. von Thomas, Par. 1903)
- Bardoux: La jeunesse de La Fayette (Par. 1892)
- Bardoux: Les dernières années de La Fayette (1892)
- Büdinger: La Fayette, ein Lebensbild (Leipz. 1870)
- Büdinger: La Fayette in Österreich (Wien 1878)
- Charavay: Le général La Fayette (Par. 1898)
- Doniol: La Fayette dans la Révolution, 1775–1799 (Par. 1904)
- Regnault Warin: Mémoires pour servir à la vie du général La Fayette età l'histoire de l'Assemblée constituante (Par. 1824, 2 Bde.)
- Sarrans: La Fayette et la révolution de 1830 (Par. 1832, 2 Bde.)
- Tower: The marquis de la Fayette in the America in revolution (Philad. 1895, 2 Bde.; franz. Umarbeitung von Mad. G. Paris, Par. 1902–03, 2 Bde.)
- Tuckerman: Life ok general La Fayette (New York 1889, 2 Bde.)
Bekannte Figuren
- Général de division François Étienne de Kellermann, 20 mm Newline Design FR26
Scott Bowden und Jim Getz bewerten Kellermann (den jüngeren) im Spielsystem Empire III als inspirierenden, exzellenten Korpskommandeur.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909