Charleston
Charleston (spr. tscharlst‘n), 1) Hauptstadt der gleichnamigen Grafschaft und wichtigste See- und Handelsstadt des nordamerikanischen Staates Südcarolina, unter 33°47‘ nördl. Breite und 79°57‘ westl. Länge, auf einer Halbinsel zwischen den Flüssen Ashley und Cooper, die hier in eine 11 km lange und etwa 3 km breite Bai münden. Die Einfahrt wird durch die Forts Moultrie, Sumter und Castle Pinckey verteidigt und ist durch große Seedämme (Jetties) auf 7,8 m vertieft worden. Die auf niedrigem Boden gebaute Stadt ist öfters Sturmfluten ausgesetzt. Sie ist regelmäßig angelegt, mit den Hauptgeschäftsstraßen Broad-, King- und Meeting Street. Die hervorragendsten Gebäude sind das Zollhaus, das Stadthaus, die 1752 erbaute Michaelskirche (unter den über 40 Kirchen allein nennenswert), das Postamt, die Gerichtshöfe, das Polizeigebäude, große Markthalle und das Stadtgefängnis. Eine hübsche Anlage (Battery) liegt am Hafen. Charleston hatte 1870: 48.956, 1890: 54.995 und 1900: 55.807 Einwohner. Kunstdüngerfabrikation (aus phosphorsaurem Mergel), Holzsägerei, Maschinenbau, Getreide- und Reismüllerei sind Hauptgewerbe. 1900 bestanden 364 gewerbliche Anstalten mit 5027 Arbeitern, die Waren im Werte von 9.562.387 Doll. herstellten. Zur Ausfuhr (1900: 7.151.720 Doll.) kommen: Baumwolle, Phosphat, Terpentin, Harz, Reis, Bauholz u. a. Die Einfuhr betrug 1900 nur 1.124.671 Doll., der Schiffsverkehr 147.652 t. Die Handelsflotte der Stadt zählte 1890: 140 Segelschiffe von 3155 t und 34 Dampfer von 5221 t. Den Handel mit dem Innern der Union vermitteln drei Eisenbahnen, den Stadtverkehr 32 km Straßenbahnen. Charleston ist Sitz eines deutschen Konsuls, hat ein großes Waisenhaus, ein 1788 gegründetes College mit Bibliothek und Museum, eine medizinische Schule, Stadtbibliothek, Theater etc. Das steuerpflichtige Eigentum betrug 1900: 17.509.901, die städtische Schuld 3.798.200 Doll. Am 31. Aug. 1886 wurde Charleston durch ein schweres Erdbeben verheert.
Charleston ist eine der ältesten Städte der Union. Die erste Ansiedelung fand 1672 statt; 1783 wurde Charleston zur City erhoben; vom 1. April 1780 belagerten die Engländer unter Clinton die Stadt, nahmen sie am 12. Mai ein, und gaben sie 14. Dezember 1782 wieder auf. Am 12. April 1861 eröffneten die Konföderierten hier die Feindseligkeiten, indem sie Fort Sumter beschossen, dessen Besatzung die Festung am 13. übergab. Sie sammelten hier Kriegsvorräte an, teilweise durch »Blockadebrecher« zugeführt. Die 1863 von den Unionisten zur See gemachten Angriffe wurden zurückgeschlagen; darauf begann im August das Bombardement der Stadt, die sich 17. Febr. 1865 ergab.
Bibliographie
- Mollo, John: Uniforms of the American Revolution, S. 163
Charleston, 2) Hauptstadt des nordamerikanischen Staates Westvirginia, am schiffbaren Kanawha, 100 km oberhalb dessen Mündung in den Ohio, in fruchtbarem Tal, in dem auch Steinkohlen, Eisen und Salzquellen vorkommen, mit (1900) 11.099 Einwohnern.
Charleston, 3) Hauptort der Grafschaft Coles im nordamerikan. Staat Illinois, hat eine medizinische Hochschule und (1900) 5488 Einwohner.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909