Indische Infanterie
Testbericht der Atlantic Figuren im Maßstab 1:72

Die abgebildete indische Infanterie von Atlantic im Inventar der Redaktion ist zu einem großen Teil bereits umgebaut, um fehlende Posen hinzuzufügen, und die Vielfalt insgesamt zu erhöhen, wie es sich für Infanterie im Schützengefecht grundsätzlich empfiehlt. Die fremden Bauteile stammen von Figuren der britischen 8. Armee (Airfix 01709, ESCI P-207, Matchbox 5005, und Revell 02512).
Die 4. (Indische) Infanterie-Division, wegen ihres Divisionsabzeichens auch »Red Eagle Division« genannt, bildete die Vorhut der Britisch-Indischen Armee in Übersee während des Zweiten Weltkrieges. 1939 in Ägypten aufgestellt, bestand die Infanterie-Division aus der 5., 7. und 11. (Indischen) Infanterie-Brigade. Sie diente in den Feldzügen in Ostafrika (Eritrea und Sudan), Syrien, Nordafrika und Italien. Die Offiziere der britisch-indischen Einheiten waren überwiegend Briten, die Mannschaften Inder, es gab aber auch indische Offiziere bis zum Rang eines Captains (Hauptmann) oder Majors.
Inhalt
Figuren in 10 Posen – 24 mm entsprechen 173 cm Körpergröße
- Muslimische Soldaten im Pagri mit spitzer Kullah
- Muslimische Soldaten im Pagri mit fächerförmiger Turra
- Offizier mit Krummsäbel, avancierend
- Unteroffizier mit Sten Mk.II Maschinenpistole, stehend, schießend
- MG-Schütze mit Vickers .303 Maschinengewehr
- Muslimische Soldaten im Pagri mit loser Shamla
- Offizier mit Service Revolver und Krummsäbel, stehend schießend
- Unteroffizier mit Sten Mk.II Maschinenpistole und Khukuri
- Gemeiner mit SMLE № 1 Mk. III, stehend, schießend
- Gemeiner mit SMLE № 1 Mk. III, kniend, schießend
Bewertung
Exzellente Themenwahl, die 1977 erschienene, Indische Infanterie von Atlantic war fast 40 Jahre lang in diesem Maßstab einzigartig, bis 2016 die Indische Infanterie von Strelets (M119) herausgegeben wurde.

Die verschiedenen Turbane weisen ihre Träger als muslimische Soldaten unterschiedlicher Ethnien aus, die zwar in gemischten Regimentern dienen konnten, dann allerdings sogenannten Class Companies zugeteilt wurden, die ausschließlich aus Soldaten einer Ethnie, Kaste, oder Religionsgruppe bestanden. Sikhs, Hindus, und Gurkhas fehlen. Von den Sikhs abgesehen, hätten alle diese Soldaten im Gefecht ohnehin den britischen Brodie-Stahlhelm Mk.1 getragen, weshalb die vielen Turbane in diesem Set eigentlich gar nicht nötig gewesen wären.

Die indischen Soldaten von Atlantic, vom Offizier bis zum gemeinen Infanteristen, tragen das Khaki Drill (KD) oder Jungle Green (JG) Aertex Shirt völlig unmilitärisch, über der Hose. Das geht gar nicht! Atlantic scheint hier versehentlich die trageweise der britischen Khaki Drill Uniform oder der Khaki Drill Bush Jacket auf das Aertex Shirt angewendet zu haben. Der Fehler lässt sich beheben, indem die Figuren mit Khaki Drill Shorts der britischen 8. Armee ausgestattet werden.
Atlantic hat seine indische Infanterie mit übergroßen Handfeuerwaffen bewaffnet, die sich bestimmt einfacher produzieren lassen, aber eben nicht mehr mit dem Maßstab 1:72 kompatibel sind. So ist die Sten-MP unglaubliche 318 mm länger als das Original, das SMLE-Gewehr 163 mm zu lang, und der Revolver hat einen 28 mm dicken Lauf wie ein Spatenstiel. Verglichen mit den maßstabsgetreuen Waffen der 8. Armee von Airfix, sieht hier alles ziemlich heroisch aus. Die Übertreibung geht so weit, dass Revolver nicht einmal mehr in das dazugehörige Holster passen.
Zwei der drei Offiziere tragen das Holster für den Service Revolver irrtümlich an der rechten Hüfte. Ihre übrige Ausrüstung ist das 1937 Pattern Web Equipment für Gewehrschützen, nicht das für Offiziere. Eine Korrektur erfordert derart großem Aufwand, dass die drei Offiziersposen bestenfalls als Teilelieferanten für Umbauten in Frage kommen.
Zudem darf bezweifelt werden, dass indische Subalternoffiziere tatsächlich ihren zeremoniellen Talwar ins Feld mitgeführt haben, jedenfalls nicht in der von Atlantic hier zelebrierten Häufigkeit.
Das Vickers .303 Maschinengewehr von Atlantic, kaum mehr als eine Karikatur des Originals, aber immerhin als Maschinengewehr zu erkennen, passt bestimmt prima in die Zeit des Wilden Westens oder der Mexikanischen Revolution. Leichte Maschinengewehre, leichte und mittlere Granatwerfer fehlen, können aber aus vielen anderen Figurensets übernommen werden.
Historische Verwendung
- n.a.
Mögliche Umbauten
- Sikhs mit Turbanen der Britisch-Indischen Infanterie (ESCI P-232)
- Gurkhas mit Hüten der Australischen Infanterie (Airfix 01750, Matchbox 5008)
- Indische Infanterie im Brodie-Stahlhelm
Die indische Infanterie von Atlantic liefert, trotz ihrer offensichtlichen Mängel, einige interessant Posen, die es durchaus verdient haben, bemalt zu werden. Darüber hinaus finden sich hier Turbane und andere brauchbare Teile für vielfältige Umbauten.