Schwedischer Generalmajor der Kavallerie Charles Emil Graf Lewenhaupt
Charles Emil Graf Lewenhaupt (Löwenhaupt), schwedischer Politiker und Feldherr, Großvetter des Adam Ludwig Graf Lewenhaupt, geb. 1691 in Stockholm, gest. daselbst 15. Aug. 1743, verlebte mit seiner Mutter, einer Schwester von Philipp Christoph und Aurora Königsmark, seine Jugend im Ausland, focht 1708–10 in holländischen Diensten gegen Frankreich, zeichnete sich dann als schwedischer Oberstleutnant bei Gadebusch, Tönning und in Stralsund aus und befand sich seit 1716 bei den Feldzügen Karls XII. in dessen nächster Umgebung. Nach der Thronbesteigung Ulrike Eleonoras Mitglied der Hofpartei, schloss er sich auf dem Reichstag von 1734, wo er als Landmarschall fungierte, der Opposition gegen A. B. Horn an, spielte auf dem Reichstag von 1738 als Führer der franzosenfreundlichen »Hüte« eine wirksame Rolle und setzte auf dem Reichstag von 1740–41, wo er abermals Landmarschall war, die Kriegserklärung gegen Russland durch. Hierauf zum Oberbefehlshaber der schwedischen Streitkräfte in Finnland ernannt, blieb er, anstatt sofort nach Petersburg zu ziehen, im Interesse der Thronrevolutionspläne der russischen Prinzessin Elisabeth (s. d. 11) untätig und räumte, als diese im Frühjahr 1742 plötzlich den stillschweigenden Waffenstillstand kündigte, auf Drängen seiner Umgebung das stark befestigte Fredrikshamn ohne Schwertstreich. Da er auch im Sommer 1742, durch den Parteihader innerhalb der eigenen Armee beeinflusst, einen großen Teil Finnlands ohne ernstlichen Widerstand den Russen preisgab, ward er abgesetzt und in Stockholm, wo eine Reichstagskommission ihn zum Tode verurteilte, nach einem vergeblichen Fluchtversuch hingerichtet.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909