Preußischer Generalleutnant Johann Dietrich von Hülsen
Johann Dietrich von Hülsen, preußischer Generallieutenant, Chef des Infanterieregiments Nr. 21, Ritter des Schwarzen Adlerordens, Domdechant, Erbherr auf Mitteldorf und Kattern in der Provinz Preußen. Einer Familie angehörig, die mit dem Deutschen Orden aus Tirol nordwärts zog, ward er geb. den 1. Juni 1693 zu Bobzin in Preußen und – seit 1710 unter den vaterländischen Waffen – 1754 Generalmajor, im März 1758 Generallieutenant. Der große König rühmt in seinen kriegsgeschichtlichen Nachlassschriften Hülsens Eifer während und nach der Schlacht bei Kolin am 18. Juni 1757. Als Hülsen über sein, den 20. August 1760 gegen eine Überzahl Österreicher und Reichstruppen siegreich bei Strehla bestandenes Gefecht berichtete, erwiderte Friedrich, hocherfreut über „Die viele Bravour und gute Disposition“: „Ich gratulire euch aufs Gnädigste. Machet an alle Officiers eures unterhabenden Corps Mein höchst gnädiges Compliment“ (vgl. Schöning, 7jähriger Krieg II, 390 und 396). Am 28. Sept. 1760 schreibt Hülsen dem König: „Die Tapferkeit des Feindes schlägt mich nicht; aber seine Menge wird mir lästig, da er mich durch Detachements drängen kann! Doch ohne die größte Noth werde ich ihm nicht einen Pas cediren.“ Diese Festwilligkeit, Ruhe und Umsicht schätzte der König bei seinem „alten Biedermann“ Hülsen so hoch, dass er denselben d. d. Meißen 21. April 1761 zum Oberbefehlshaber auf dem sächsischen Kriegsschauplatz wählte, falls Prinz Heinrich nach Schlesien abberufen werde; und in gnädiger Rücksicht auf Hülsens zunehmende Gedächtnisschwäche bezeichnete der König im Voraus einen General-Major, welcher dem „Greise“ das Innehalten der verschiedenerlei Instructionspunkte erleichtern sollte (Schöning III, 35). Wie huldvoll und „freundschaftlich“ der Monarch mit Hülsen in Halberstadt am 3. Juni 1763 verkehrte, ersehen wir aus einem Brief Gleims an Ramler (H. Pröhle, Friedrich der Gr. und die deutsche Litteratur, 1872, S. 225). Nach dem Hubertsburger Frieden ausgezeichnet durch Ernennung zum Gouverneur von Berlin, erkrankte Hülsen hier im Oktober 1766 an schmerzhaften Leiden, denen er am 29. Mai 1767 erlag. Der König beehrte ihn, teilnahmsvoll, noch am 23. Mai, während der Berliner Spezialrevue mit einem Besuch. Die „standesgemäße“ Beisetzung der Leiche in der Garnisonkirche fand statt am 1. Juni Abends. Prinz Heinrich widmete Hülsen folgenden Nachruf auf dem Rheinsberger Heldendenkmal: „Er war sehr geachtet wegen seiner kriegerischen Befähigung. Mitkämpfer in fast allen Schlachten, wurde er oft verwundet und zeichnete sich immer aus durch seine Unerschrockenheit. In der Schlacht von Torgau befand er sich bei dem unterliegenden linken Flügel; er sammelte einige Truppen; aber seine Pferde waren getötet; sein hohes Alter und seine Wunden erlaubten ihm nicht, zu Fuße zu marschieren; er setzte sich auf eine Kanone, führte seine Truppen zur Vereinigung mit dem rechten Flügel und ließ sich so auf der Kanone bis ins feindliche Feuer bringen.“ — Ein Mehreres über Hülsen im Wagener’schen Staats- und Gesellschafts-Lexikon, Bd. IX. Das Zedlitz’sche Adelslexikon bezeichnet Hülsen irrtümlich als unververmählt; aber seine Ehe war kinderlos.
Quelle: Lippe, E. Graf zur, „Hülsen, Joh. Dietr. von“ in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881)