Pensa
Pensa, Gouvernement in Russland, grenzt im Norden an Nischni Nowgorod, im Osten an Simbirsk, im Süden an Saratow, im Westen an Tambow und hat ein Areal von 38.840,6 km² (705,4 mi²). Das Land ist hügelig, aber fruchtbar. Die Flüsse gehören, ausgenommen den Choper (Nebenfluss des Don), zum Wolgasystem. Von Bedeutung sind Sura und Mokscha, beide schiffbar. Das Land zerfällt in 62,4 Proz. Äcker, 11,6 Proz. Wiesen, 22 Proz. Wald und 4 Proz. Unland. Große Laubwaldungen liegen im nördlichen Teil, während der südliche fast Steppencharakter trägt. Das Klima ist kontinental. In der Hauptstadt beträgt die mittlere Jahrestemperatur 3,9°. Die Einwohner, an Zahl (1897) 1.491.215 (38 auf 1 km²), bestehen, mit Ausnahme von etwa 11 Prozent Mordwinen, Meschtscherjäken (beide Stämme fast ganz zu Russen geworden) und Tataren, aus Großrussen; 94,5 Prozent sind griechisch-orthodoxer Konfession, ca. 4 Prozent Muslime. Die Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau. Die Ernte betrug 1902: 8300 Ton. Weizen, 596.300 T. Roggen, 290.800 T. Hafer, 31.800 T. Erbsen, 11.900 T. Buchweizen und 389.000 T. Kartoffeln. Daneben wird viel Lein- und Hanfsaat gezogen, auch etwas Tabak. An Vieh zählte man 1902: 321.000 Pferde, 335.000 Stück Hornvieh, 238.000 feinwollige und 838.000 grobwollige Schafe, 118.000 Schweine. Es wird viel Bienenzucht und Gemüsebau betrieben. An Mineralschätzen gibt es Kreide, Sandstein, Torf und Ton, auch wird etwas Schwefelkies gewonnen und verhüttet. Die Industrie ist schwach entwickelt. Man zählte 1900: 2718 gewerbliche Betriebe mit 16.719 Arbeitern und etwa 22 Mill. Rubel Produktionswert. Den Hauptteil hat daran die Branntweinbrennerei und die Tuchfabrikation. Pensa wird in zehn Kreise geteilt: Gorodischtsche, Insar, Kerensk, Krasno-Slobodsk, Mokschany, Narowtschat, Nishne-Lomow, Pensa, Saransk und Tschembar.
Pensa, Hauptstadt des gleichnamigen russische Gouvernements (s. oben), an der Mündung des Flusses Pensa in die Sura, Knotenpunkt der Eisenbahnen Sysran-Wjasma, Pensa-Rusajewka und Pensa-Balaschow, hat 27 Kirchen (darunter eine lutherische und eine schöne, 1800–21 erbaute orthodoxe Kathedrale), zwei Klöster, eine Moschee, ein Denkmal des Dichters Lermontow, ein Lehrer- und ein Priesterseminar, zwei Gymnasien, eine Realschule, ein Mädchengymnasium, einen Botanischen Garten mit Gärtnerschule, Fabrikation von Seife, Leder, Bier, Papier, Wachs, Gusseisen und Glocken, zwei Jahrmärkte, zwei Banken und (1897) 61.851 Einwohner. Pensa wurde im 17. Jahrhundert als Grenzfestung angelegt und ist Bischofssitz.
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909