Brieg

Brieg, vormals schlesisches Herzogtum der Piasten, entstand aus dem Anteil, den nach dem Rücktritt des Herzogs Boleslaw III. von Liegnitz 1348 sein zweiter Sohn, Ludwig I., erhielt. Dessen Enkel Ludwig II. erbte 1419 wiederum Liegnitz. 1495 erhielt das Herzogtum Brieg Friedrichs I. jüngerer Sohn, Georg I.; ihm folgte 1521 Friedrich II. von Liegnitz, der 1524 die Reformation einführte und 1537 eine (vom König Ferdinand 1546 aufgehobene) Erbverbrüderung mit Brandenburg schloss. Sein Sohn Georg II. begründete 1547 eine neue, 1675 ausgestorbene Linie Brieg, der auch das Herzogtum Wohlau gehörte und später Liegnitz zufiel. Brieg kam trotz des Erbvertrags unter österreichische Herrschaft und erst 1742 an Preußen (s. Schlesien, Geschichte). Vgl. Schönwälder, Die Piasten zum Briege (Brieg 1855–56, 3 Bde.).

Brieg.

Brieg, 1) Kreisstadt im [ehem.] preußischen Regierungsbezirk Breslau, heute Brzeg in Polen, links an der Oder, Knotenpunkt der Staatsbahnlinie Breslau–Brieg und anderer Linien, 148 m ü. M., hat zwei evangelische Kirchen (darunter die gotische Nikolaikirche aus dem 13. Jahrhundert), zwei katholische Kirchen, eine Synagoge, Schloss der Piasten mit berühmtem Renaissanceportal, Denkmäler Friedrichs d. Gr. und Kaiser Wilhelms I., Gymnasium, Landwirtschaftsschule, evangelisches Schullehrerseminar, Theater, Provinzialirrenanstalt, Strafanstalt, Landgericht (Neubau von 1901), Reichsbanknebenstelle, Fabriken für Maschinen, Zigarren, Zucker, Leder, Dachpappe, Geschäftsbücher, Drahtgewebe, Korbwaren, Eisenwaren etc., ferner Bierbrauerei, Mühlen, lebhaften Handel und mit der Garnison (2 Infanterieregimenter Nr. 156 und 157) (1900) 24.090 Einw., darunter 7722 Katholiken und 338 Juden. Brieg ist der Geburtsort des Altertumsforschers K. Otfr. Müller. Zum Bezirk des Landgerichts Brieg gehören die sechs Amtsgerichte zu Brieg, Grottkau, Löwen, Ohlau, Strehlen und Wansen.

Im 11. Jahrhundert erscheint Brieg als eine Burg, ward 1096 von dem böhmischen Herzog Bretislaw II. zerstört, erhielt aber 1250 deutsches Stadtrecht. Bei der Teilung des Herzogtums Breslau 1311 wurde die Stadt herzogliche Residenz und galt seitdem als Festung, die im Ersten Schlesischen Krieg 4. Mai 1741 von den Preußen und 16. Jan. 1807 von den mit Napoleon I. verbündeten Bayern erobert ward. Napoleon ließ die Festungswerke sprengen, die seitdem in Promenaden- und Gartenanlagen verwandelt sind. Vgl. Grünhagen, Urkunden der Stadt Brieg (Bresl. 1870).

Brieg, 2) schweizerisches Dorf, s. Brig.

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909

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